Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Zukunft des Ringermuseums: Vermächtsnis ohne Heimat

80.000 Einzelstücke umfasst die Sammlung des Ringermuseums, darunter auch ganz besondere Objekte wie die Silbermedaille von Wilf
80.000 Einzelstücke umfasst die Sammlung des Ringermuseums, darunter auch ganz besondere Objekte wie die Silbermedaille von Wilfried Dietrich, die er bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne gewonnen hat.

Das Ringermuseum ist Jürgen Fouquets Lebenswerk. Nach einem Wasserrohrbruch musste das gesamte Inventar ausgelagert werden, eine neue Heimstatt ist nicht in Sicht. Der Museumsgründer ist jetzt nach München umgezogen und wendet sich mit einem dramatischen Appell an die Schifferstadter Bürger.

„Helft alle mit und rettet das erste deutsche Ringermuseum“, sagt Jürgen Fouquet. 75 Jahre lang hat er alles gesammelt, was mit dem Ringkampfsport zu tun hat: Fotos, Medaillen, Urkunden, Pokale, Kleidung und andere Erinnerungen an Ringerlegenden wie den „Kran von Schifferstadt“, Wilfried Dietrich. Es ist so etwas wie sein Vermächtnis, auch wenn Fouquet vor Kurzem nach München gezogen ist.

Diese rund 80.000 Einzelstücke umfassende Sammlung war der Grundstock für das Ringermuseum, das am 28. Mai 2010 in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus in Rathausnähe eröffnet und vom Verein zur Pflege und Kultur des Ringersports betrieben wurde. Das Museum war sonntags geöffnet und finanzierte sich über Spenden. Fouquet war Vorsitzender des Vereins, im Jahr 2017 hat Laura Schäfer seine Ämter im Verein und im Museum übernommen.

Besuchergruppen aus aller Welt waren in den Räumen mit insgesamt 140 Quadratmetern zu Gast, darunter natürlich viele ehemalige Weltklasseringer. Am 10. Dezember 2019 dann der Schock: Nach einem Wasserrohrbruch standen Büro, Flur und Bad im Erdgeschoss ebenso unter Wasser wie der VfK-Raum im ersten Stock. Viele Exponate waren irreparabel beschädigt. Wegen der anstehenden Sanierung – und auch, weil der Vermieter dem Verein wegen Eigenbedarfs kündigte – musste dieser die Exponate auslagern. Vereinsmitglied Berthold Heberger stellte dafür kostenlos Lagerraum auf dem ehemaligen Gelände der Bereitschaftspolizei zur Verfügung. Eine Ausstellung gibt es freilich nicht.

Ist der „Ochsen“ eine Option?

Dass diese Zwischenlösung zum Dauerzustand zu werden droht, will Jürgen Fouquet nicht akzeptieren. „Von vielen Ringerfreunden aus aller Welt werde ich immer wieder angesprochen. Sie fragen, wann das Ringermuseum wieder eröffnet wird. Unsere Stadt hat angeblich kein Objekt zur Verfügung, wie es heißt“, wundert sich Fouquet. Er schlägt vor, das Ringermuseum im ehemaligen „Ochsen“ einzurichten. Das Gebäude sei „ideal geeignet“ und stehe zudem leer. Für den „Ochsen“ spreche auch, dass der VfK Schifferstadt dort früher seine Kämpfe ausgetragen habe und auch das Vereinslokal des Ringer-Rekordmeisters gewesen sei.

Schmerzlich vermisst Fouquet die Unterstützung aus der regionalen Politik. „Es ist bezeichnend, für mich sogar peinlich und beschämend, wenn sich ein Landtagsabgeordneter aus Nordrhein-Westfalen für diese Sache einsetzt“, sagt Fouquet und verweist auf die Spendenaktion von Jens-Peter Nettekoven, der für die CDU im Düsseldorfer Landtag sitzt und auch Präsident des Ringerverbands Nordrhein-Westfalen ist. Nettekoven habe bisher mehr als 10.000 Euro gesammelt. Dieser Betrag solle eine Hilfe sein, damit das Museum wieder einen würdigen Platz in Schifferstadt erhalte, sagt Fouquet.

Im Moment herrscht Stillstand

Für die Schifferstadter Bürgermeisterin Ilona Volk (Grüne) komme der „Ochsen“ derweil nicht als neuer Standort des Ringermuseums in Frage. Bei einem Bürgerentscheid am 5. März 2017 haben die Schifferstadter Bürger beschlossen, dass das historische Gebäude in der Kirchenstraße zu einer sozialen Begegnungsstätte umgebaut werden solle. Dies werde innerhalb des Städtebauförderprogramms „Soziale Stadt“ erfolgen. „Wir brauchen dafür eine inhaltliche Verknüpfung und haben uns für die Einrichtung einer Begegnungsstätte entschieden. Man kann jetzt nicht ohne Weiteres sagen, wir machen dort jetzt das Ringermuseum rein“, gibt Volk zu bedenken. „Wir sind immer im Gespräch mit dem Verein und mit Laura Schäfer und ich würde mich sehr freuen, wenn das Museum wieder eröffnet werden könnte, aber wir haben im Moment kein anderes Gebäude frei, in denen man das Ringermuseum einrichten könnte“, sagt die Bürgermeisterin.

Laura Schäfer freut sich über die Spendenaktion von Nettekoven, „für die wir megadankbar sind“, aber eine konkrete Verwendung für den Betrag gebe es derzeit nicht, weil eben keine Räume zur Verfügung stehen und auch nicht in Aussicht gestellt wurden. Wunsch des Vereins sei, geeignete Räume in zentraler Lage zu finden, die für den Verein mit seinen 80 Mitgliedern und mit Unterstützung der Stadt auch finanzierbar seien. Auch wenn im Moment Stillstand herrscht und die Situation unbefriedigend ist, ist Laura Schäfer optimistisch. „Es werden sich neue Optionen eröffnen, davon bin ich überzeugt, und dann sind wir auch wieder am Start. Wir werden wieder eröffnen“, sagt sie.

75 Jahre lang hat Jürgen Fouquet alles gesammelt, was mit dem Ringsport zu tun hat. Hier zeigt er die Outfits, mit denen die Ath
75 Jahre lang hat Jürgen Fouquet alles gesammelt, was mit dem Ringsport zu tun hat. Hier zeigt er die Outfits, mit denen die Athleten bei Olympia 2016 in Rio (links) und 2012 in London waren.
Schock am 10. Dezember 2019: Wasserrohrbruch. Viele Ausstellungsstücke sind zerstört, alles andere wird weggebracht und eingelag
Schock am 10. Dezember 2019: Wasserrohrbruch. Viele Ausstellungsstücke sind zerstört, alles andere wird weggebracht und eingelagert.
Am 28. Mai 2010 wurde das RIngermuseum in Schifferstadt eröffnet. 2017 hat Jürgen Fouquet die Geschäfte an Laura Schäfer übergeb
Am 28. Mai 2010 wurde das RIngermuseum in Schifferstadt eröffnet. 2017 hat Jürgen Fouquet die Geschäfte an Laura Schäfer übergeben.
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