RÖMERBERG RHEINPFALZ Plus Artikel Zoff um illuminierte Kirchen

Soll nach dem Willen der CDU angestrahlt werden: katholische Kirche Mechtersheim.
Soll nach dem Willen der CDU angestrahlt werden: katholische Kirche Mechtersheim.

Der Speyerer Dom hat sie selbstverständlich, die Speyerer Gedächtniskirche ebenso und sogar die Kirche in Berghausen seit vielen Jahren – die Rede ist von einer Außenbeleuchtung, die die historischen Bauwerke abends in Szene setzt. Warum also nicht die Kirchen in Heiligenstein und Mechtersheim, dachte sich die Römerberger CDU – und beißt damit bei den übrigen Ratsfraktionen auf Granit.

Für Günter Walburg ist es eine Herzensangelegenheit. Das ist gleich zu spüren, wenn das CDU-Ratsmitglied über seinen Wunsch spricht, eine Beleuchtung für die katholischen Kirchen in Heiligenstein und Mechtersheim zu installieren. Vielerorts würden die Kirchtürme – das ganze Jahr über oder zumindest in der Adventszeit – während der Abendstunden angestrahlt: in Hanhofen, Dudenhofen, Lingenfeld, Otterstadt, Speyer oder eben auch in Berghausen. „Die beleuchteten Türme sorgen für eine heimelige und stimmungsvolle Atmosphäre in den Straßen und Plätzen“, findet er.

Klar verbrauche das Strom, doch in der dunklen Jahreszeit mache es sich schließlich jeder auch zu Hause mit Beleuchtung gemütlich, findet Walburg. Zudem sei der Energiebedarf dank LED heute deutlich niedriger als früher. In Heiligenstein hätte eine Beleuchtung der Kirche für Walburg den Nebeneffekt, für mehr Helligkeit im nachts dort sehr dunklen Straßenraum zu sorgen. Nach dem Abbruch der Philippsburger Kühltürme wären die beleuchteten Kirchtürme neue Landmarken für die Römerberger. „Ich bin mir sicher, eine große Mehrheit unserer Bürgerinnen und Bürger würde die Beleuchtung der beiden Kirchtürme begrüßen, wenigstens in der Advents- und Weihnachtszeit“, argumentiert Walburg.

Im Haushalt der Ortsgemeinde sind für die Beleuchtung der Kirchtürme bereits 20.000 Euro bereitgestellt. Laut einem Kostenvoranschlag der Pfalzwerke würden die beiden Beleuchtungsanlagen knapp 4000 Euro kosten, die restlichen 16.000 Euro wären laut Beschlussvorlage für weitere nötige Arbeiten ausreichend. Der Betrieb der vier Strahler mit insgesamt 600 Watt Leistung würde die Ortsgemeinde laut Walburg über das ganze Jahr 350 Euro kosten. Wenn sie nur in der Adventszeit angeschaltet würden, beliefen sich die Kosten auf 90 Euro jährlich.

Für die Grünen ein Symbol

Die laufenden Kosten sind überschaubar, das gab auch Grünen-Fraktionssprecher Jürgen Schall in der jüngsten Sitzung des Römerberger Ortsgemeinderats zu. Doch für den Grünen geht es um mehr: „Das ist ein Symbol“, sagte er zur Begründung, warum seine Fraktion den Antrag ablehnen werde. „Die drei Kirchtürme stehen für die Bewahrung der Schöpfung.“ Und diese steht für die Grünen offenbar im Widerspruch zu in ihren Augen unnötigem Stromverbrauch. Die evangelische Kirchengemeinde in Mechtersheim habe sich im übrigen auch gegen eine Beleuchtung ihrer Kirche entschieden, ergänzte Schall. Dabei hat laut seiner Fraktionskollegin Jutta Boell auch der Schutz von Tieren eine Rolle gespielt. SPD- und FDP-Ratsmitglieder sehen es ähnlich wie die Grünen: „Wir setzen ein falsches Zeichen in Bezug auf den Klimaschutz“, merkte Steffen Heilmann (SPD) an. Für den Fraktionssprecher der Sozialdemokraten, Herbert Martin Kälberer, ist zudem die Kostenaufstellung der Verwaltung zu knapp gehalten. Für Heike Weindel (FDP) wäre das Geld besser in Schulen oder Kitas investiert. „Wenn die Kirche die Beleuchtung wünscht, dann soll sie es selbst finanzieren“, findet sie.

Die sich abzeichnende Ablehnung der Beschlussvorlage brachte wiederum die CDU-Vertreter auf die Palme: „Die Diskussion macht mich ein bisschen traurig“, sagte Wilfried Röther. Seiner Partei könne man sicher nicht vorwerfen, Energieverschwender zu sein. „Wir reden hier von 90 Euro im Jahr. Davon werden wir nicht die Welt retten“, sagte Röther. Ihm gehe das alles „zu weit“. Zudem gebe es einen gültigen Beschluss des Ortsgemeinderats, die Kirchen anzustrahlen. Das Geld sei dafür bereits in den Haushalt eingestellt. Der Beschluss stamme aus der vergangenen Legislaturperiode, die Mehrheitsverhältnisse im Rat hätten sich geändert, konterte Jürgen Schall. Seit den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr hat die CDU keine absolute Mehrheit mehr im Rat. Die Entscheidung wurde schließlich vertagt: Zunächst soll die Verwaltung prüfen, ob der Beschluss des alten Ortsgemeinderats nun mit einem neuen Beschluss offiziell aufzuheben wäre.

Zweites Bauwerk, dass beleuchtet werden soll: katholische Kirche in Heiligenstein.
Zweites Bauwerk, dass beleuchtet werden soll: katholische Kirche in Heiligenstein.
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