RÖMERBERG
Zehnthaus: Kritik an Gestaltung des Außengeländes
Er sei in letzter Zeit von mehreren Bürgern auf die Gestaltung des Zehnthaus-Außengelände angesprochen worden, berichtet Richard Entzminger. Der negative Eindruck deckt sich mit seinem eigenen. „Während der Umbau innen gelungen ist, wirkt der Außenbereich bedenklich“, findet der frühere Römerberger CDU-Beigeordnete. „Das triste Dunkelgrau der Fassaden der Anbauten erzeugt einen abweisenden Eindruck. Schlimmer wird es bei den Außenanlagen. Hier wird nach einer Planung eines Architekturbüros diese triste Stimmung unökologisch weitergeführt.“ Die bisherige Grünfläche mit blühenden Sträuchern sei einer „überdimensionalen asphaltfarbigen Steinwüste geopfert“ worden, findet Entzminger. Die dort geplanten Sitze findet er in dieser Form falsch: Niemand wolle sich „bei Sonnenschein auf eine dunkle aufgeheizte Fläche setzen“. Wenige Meter entfernt um den Weiberbratenbrunnen herum biete sich bereits eine Sitzmöglichkeiten an.
„Unnötiger Weg“
Unnötig sei auch der „zusätzliche Weg“, der östlich am Gebäude vorbei führe. „Der bisherige Weg ist voll nutzbar. Er ist kürzer und gewohnter. Hierdurch wurden unnötig circa 300 Quadratmeter Grünfläche gepflastert.“ Hier sei „ein ökologischer Sündenfall begangen“ worden. Entzminger: „Viele Bürger sind über diese Art der Umgestaltung entsetzt.“ Die Architektenplanung sei „ohne ökologische und wirtschaftliche Alternativen zu prüfen von Ortsbürgermeister Hoffmann befürwortend an die Beschlussgremien weitergereicht“ worden. Es sei oberstes Gebot, Grünflächen zu bewahren. Doch die Ortsgemeinde tue das Gegenteil: „Während Bürger Blumenwiesen für Bienen und Insekten anlegen, gibt die Kommune ein schlechtes Beispiel für Naturverbundenheit. Sie reduziert mit erheblichen Steuermitteln – aber unnötig – einen Teil eines wertvollen Biotops mitten im Ort“, findet Entzminger.
Auf die Kritik angesprochen, erläutert Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) zunächst, wie die Entscheidungen gefällt wurden: Sobald Gestaltungsfragen zum Zehnthaus und seinem Umfeld auftauchten, seien diese einem vom Ortsgemeinderat eingesetzten Gestaltungsausschuss, dem alle Ratsfraktionen angehören, bei einem Vor-Ort-Termin vorgetragen worden. Auch der Bürgermeister nahm teil. Die Entscheidungen des Ausschusses würden dann umgesetzt.
Zur Kritik am „abweisenden Eindruck“ der Fassade sagt Hoffmann: „Zum Sandsteinfarbton des alten Gebäudes ist durch die Einfassung der Fenster nun auch die Farbe Anthrazit hinzugekommen.“ Der Gestaltungsausschuss habe sich für Sandstein an der Front und Anthrazit an den Seiten entschieden.
Auch Entzmingers Punkt, die Außenanlage sei trist, unökologisch und von einer überdimensionierten Steinwüste geprägt, will Hoffmann so nicht stehen lassen: Bei den Planungen sei gewünscht gewesen, dass vor dem Zehnthaus ein richtiger Platz, der den Namen der Partnergemeinde Mainvilliers trägt, entsteht. Der Gedenkstein habe immer unbeachtet in der Grünfläche gestanden. Das Ortskartell habe Anschlüsse für die Buden bei den Festen gewollt und dass auch zusätzlicher Platz für den Weihnachtmarkt entsteht. „Die Landschaftsarchitektin stand vor der Aufgabe nun den farblichen Übergang zum Gebäude zu schaffen“, sagt Hoffmann. Außerdem habe sie großen Wert darauf gelegt, alle alten Baustoffe wiederzuverwenden.
Die Sitzmöglichkeiten rund um das Zehnthaus seien nicht mehr ausreichend gewesen und würden nun um den Brunnen, der gereinigt und dessen einfassende Mauer derzeit saniert werde, erweitert. „Hier setzen sich viele Bürger, die sich zuvor bei der Eisdiele ein Eis geholt haben“, hat Hoffmann beobachtet. Es werde aber auch weitere Sitzmöglichkeiten am Vorplatz geben. „Die große Nachfrage kommt vom dort verfügbaren kostenlosen Wlan-Hotspot“, glaubt der Ortschef. Für Schatten sollen Pflanzen, die sich an Stahlseilen ranken, sorgen.
„Kein Biotop“
Der von Entzminger angesprochene zweite Weg sei notwendig geworden, weil der bisherige Weg nun der Parkplatz für Fahrräder wird – mit breiten Fugen, um den Boden nicht komplett zu versiegeln. Am Ende der Fahrradabstellanlage soll ein Zaun aufgestellt werden. Auf der anderen Seite sei die Zufahrt für Lieferverkehr.
„Ökologische Gesichtspunkte wurden bei der Neugestaltung nicht aus den Augen verloren“, wehrt sich Hoffmann gegen Kritik. Die kleine Grünanlage vor dem Gebäude aus den 1970er-Jahren sei eines nie gewesen: ein Biotop. „Viel Rasen, ein paar Bäume und ökologisch weitgehend wertlose Pflanzen sind kein Biotop“, sagt er. Der Neubau erhält dafür nun eine Dachbegrünung. Hinzu kämen voraussichtlich im Oktober mehrere Hundert neue Pflanzen, die unter dem Gesichtspunkt Insektenfreundlichkeit ausgesucht wurden. Kranke Bäume würden durch gesunde ersetzt.
Die offizielle Einweihung des Hauses solle nach der Bepflanzung der Außenanlage erfolgen, informiert Hoffmann.
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Kommentar: Ins Fäustchen lachen
Nach langer CDU-Herrschaft geben jetzt die Grünen in Römerberg den Ton an – und müssen sich prompt an ihren eigenen hohen ökologischen Maßstäben messen lassen. So wird sich mancher heimlich ins Fäustchen lachen, wenn es jetzt ausgerechnet unter einem grünen Ortsbürgermeister Kritik an fehlendem Grün auf einem öffentlichen Platz gibt. Wohl und Wehe des Planeten wird von der Gestaltung des Zehnthaus-Außengeländes wohl eher nicht abhängen.