Rhein-Pfalz Kreis Zehn Siedefix im Dauereinsatz

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Sonntag um 11 Uhr: Das weißblau geschmückte Festzelt mit seinen 900 Plätzen ist schon gut besetzt, die Blasmusik spielt. An den Ausgabestationen fürs Essen am Zelteingang stehen die Besucher geduldig Schlange. Gertrud Christmann, Kassenwartin beim Sportangler-Verein (SAV), koordiniert die Helfer. Die wickeln zu sechst im Sekundentakt die fertig gebackenen Fische in Pergamentpapier und reichen sie den hungrigen Gästen über die Theke. Zander, Wildlachs und Kabeljau, Pangasius, Forelle, Calamares und Garnelenspieße stehen diesmal auf der Karte. Angeliefert werden sie von der Firma Havekost, einem in Homburg ansässigen Feinkostlieferanten. Zwei Tonnen sind es dieses Jahr. Zander aus Kasachstan und Pangasius aus Asien werden schockgefrostet geliefert, die 600 Kilo Forellen aus Belgien sind am Mittwoch gefangen worden und am Donnerstag angekommen. Ware aus zertifizierter Haltung wird vom SAV bevorzugt. Über die Einkaufspreise hat Horst Daub bereits im Frühjahr verhandelt. Als stellvertretender Vorsitzender ist er für die Bestellungen zuständig. Der Weg der Fische auf die Teller der Festbesucher ist minutiös durchgeplante Fließbandarbeit und beginnt hinter dem Vereinsheim mit der Anlieferung. Direkt aus dem Tiefkühllaster landen die Pakete mit der Frischware auf einer Rutsche im weißgekachelten Keller des Gebäudes. Dort wird die Lieferung in zwei Kühlhäusern auf Paletten bei sieben Grad zwischengelagert. Ein Kühlhaus für Gefrorenes, das zweite für die frischen Forellen. Der angrenzende Kellerraum ist kalt und nass. Männer in Gummistiefeln und Lackschürzen reißen die Pakete auf und legen die Zanderfilets in drei Edelstahlwannen mit Leitungswasser. Die Forellen werden einzeln ausgespült. Zwar wurden die Tiefkühlfische bereits maschinell geputzt und ausgenommen angeliefert, aber die Lambsheimer Sportangler nehmen es besonders genau: „Bei uns wird Hygiene großgeschrieben und jeder Fisch vor der Verarbeitung noch mal von Hand geputzt“, betont Vorsitzender Horst Dahlemann. Die Nieren im oberen Rückgrat seien das Gefährlichste am Fisch. Sind etwaige Blutgerinnsel nicht sauber entfernt, schmeckt der Fisch später bitter. Im nächsten Kellerraum beginnt die Veredelung. Wieder werden die Fische getaucht, diesmal in ein Wasser-Mehl-Gemisch, dem Salz, Pfeffer, Paprika und neben anderen Gewürzen auch etwas Bier zugesetzt ist. Zum Abtropfen hängen die Fische am Haken. Dann werden sie in der Panade gewälzt: Mehl und Weckmehl zu gleichen Teilen, aber ohne Ei und ohne Kräuter, dafür mit geheimen Gewürzen. Allein die Mehl-Wasser-Bindung garantiere den gleichmäßigen Knuspermantel, den die Fischerfest-Besucher so schätzten, erzählen die Helfer. Zander, Pangasius, Wildlachs und Forelle haben jeweils ihre eigene Panade mit einer geheim gehaltenen Gewürzmischung. Starke Arme tragen die panierten Fische in Drahtkörben nach oben über den Hof zum Zelt. Dort müssen sie nicht lange auf der Fensterbank warten. Die vereinseigene Brat-Straße besteht aus zehn Großfritteusen der Marke Siedefix, und die sind vier Tage lang im Dauereinsatz. In honigfarbenem Sojaöl werden die Fische zehn Minuten gegart und dann zur Einwickelstation gebracht. „Zander ist der Renner, ganz oder als Filet“, weiß Schriftführer Ralf Kopecek zu berichten. Es gibt den Fisch mit Kartoffelsalat, Pommes oder Brot und hausgemachter Remoulade. Stolz ist man auch auf die frischen Forellen. Sie sind mit 345 bis 355 Gramm ziemlich groß, „dafür zahlen wir gerne einen Euro mehr“, sagt Kopecek. Zum Vergleich: In der Gastronomie werden 250-Gramm-Forellen bevorzugt. Außerdem gibt es einen Spezialitätenteller mit Wildlachs und Kabeljau sowie Calamares. Und für die Fischbrötchen, bestückt mit Bismarck- oder Brathering, werden sogar 1000 Brötchen im 20-Minuten-Takt vor Ort frisch gebacken. Ralf Kopecek koordiniert das Musikprogramm und ist Mitglied des fünfköpfigen Organisationsteams. Fische putzen, panieren, backen, der Verkauf, die Teller und Brötchen, die Essensausgabe und die Kasse: Ein türgroßer Einsatzplan verzeichnet alle Stationen, an denen Personal gebraucht wird. Liegt es am Teamgeist, der ausgefeilten Logistik oder an der speziellen Atmosphäre am Lambsheimer Weiher, dass man beim SAV keine Probleme hat, Helfer zu finden? Der Verein kann sich jedes Jahr auf rund 220 Helfer in zwei Acht-Stunden-Schichten pro Tag verlassen. Nur 120 von ihnen sind in dem 440 Mitglieder starken Verein aktiv. Die anderen 100 Helfer kommen von außerhalb des SAV, darunter sind auch Rentner und Schüler. „Wir haben jetzt schon Meldungen fürs nächste Jahr“, sagt Kopecek und berichtet, dass die Vorbereitungen für das Fischerfest 2016 bereits am heutigen Dienstag beginnen.

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