Rhein-Pfalz Kreis Zahnputzbecher reisen mit

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Schifferstadt

. Rund zwei Wochen waren die Zahnmediziner Karl-Michael und Caroline Schirmer aus Schifferstadt im afrikanischen Sambia. 300 Patienten behandelten sie im März für Zahnärzte ohne Grenzen, 1200 Schüler untersuchten sie. Mit im Gepäck hatten sie Instrumente, Zahnhygieneartikel, Medikamente, Kleidung und Geschenke für die Kinder. „Wir hatten jeden Tag unser Abenteuer“, blickt Karl-Michael Schirmer auf den zweiwöchigen Einsatz in Sambia zurück und schmunzelt. Allein die Fahrten zu den Behandlungsorten hätten dem Team, zu dem drei weitere Zahnärzte und zwei Zahnarzthelferinnen aus Köln gehörten, bereits einiges abverlangt: „Wir mussten uns im kleinen Bus auf den schlechten Straßen ordentlich durchrütteln lassen und sind auch öfter mal in Wasserlöchern stecken geblieben“, berichtet der Arzt. Eine Gefahr seien auch die Tiere auf der Straße gewesen, ergänzt seine Tochter Caroline. Für die beiden Zahnärzte aus Schifferstadt war es bereits der zweite Einsatz für die Stiftung Zahnärzte ohne Grenzen in Afrika. Vor zwei Jahren waren sie ebenfalls für zwei Wochen in Namibia. Doch obwohl beide Länder sogar aneinander grenzen, haben die Mediziner große Unterschiede festgestellt. „In Sambia ist alles noch etwas wilder und touristisch nicht erschlossen“, erklärt Karl-Michael Schirmer. Und während es in Namibia zum Beispiel Einkaufsmöglichkeiten wie einen Supermarkt oder eine Tankstelle gegeben habe, seien die westlichen Helfer in ihrer äußerst einfachen Unterkunft rund 40 Kilometer entfernt vom Ort Siavonga vollkommen auf den Projektmanager angewiesen gewesen. „Für so einen doch extremen Einsatz ist es wichtig, dass das Team sich versteht und alle an einem Strang ziehen“, sagt Karl-Michael Schirmer, der in Schifferstadt gemeinsam mit seinem Sohn eine Zahnarztpraxis betreibt. Deshalb hat er sich gefreut, dass er und seine in Mannheim als Kieferchirurgin praktizierende Tochter in Sambia mit den gleichen Kollegen zusammenarbeiten konnten, die auch schon in Namibia dabei waren. Extrem waren auch die Bedingungen, unter denen die Behandlungen selbst stattfanden. Eine Klinik ist in Sambia in der Regel ein kleiner Raum, noch dazu ohne Strom. „Wenn man Glück hat, ist er mit einem Behandlungsstuhl ausgestattet. Wenn man Pech hat, hat man nur eine Bank“, erklärt der 66-jährige Zahnarzt. Nicht selten mussten die Mediziner sich deshalb verrenken oder neben den Patienten knien. Hinzu kamen Hitze sowie eine hohe Luftfeuchtigkeit. Etwa 270 Zähne haben die Schifferstadter gezogen und einige Füllungen gelegt. „Es tut schon ein bisschen in der Seele weh, Zähne zu ziehen, die man hätte erhalten können“, sagt Caroline Schirmer. Doch man müsse weiterdenken, erklärt die 34-Jährige. „Es bringt dem Patienten nichts, weil es keine Nachbehandlung gibt.“ Doch vom allgemeinen Zustand der Zähne waren die Deutschen begeistert, besonders bei den etwa 1200 untersuchten Schülern. „Gerade bei den Kindern in den ländlichen Gebieten gibt es kaum Karies“, so die Medizinerin. Die simple Erklärung: „Sie sind zu arm für Süßigkeiten.“ Umso schöner sei es gewesen, einigen Kindern eine kleine Freude zu machen. „In Chirundu haben wir ein Mädchen-Waisenheim besucht“, erzählt Caroline Schirmer. Als Geschenke hatten die Deutschen kleine Kuscheltiere mitgebracht. Aber das jüngste Mädchen habe zuerst Angst vor den Tierfiguren gehabt. „Bei einem kleinen Elefanten hat sie sich dann getraut, ihn zu nehmen.“ Und für die Helfer gab es anschließend ein Dankeslied. Ihre Patienten haben die Ärzte mit Zahnbürsten und Zahnpasta versorgt. Bei vielen Menschen in Sambia sei es sonst üblich, sich die Zähne mit Asche zu putzen. Für Kinder hatte Caroline Schirmer, die als Schulzahnärztin eng mit der Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Vorderpfalz zusammenarbeitet, zudem auch eine Ladung Zahnputzbecher mit dem Maskottchen, dem Walross Max Schrubbel, dabei. „Darüber haben sich die Kinder sehr gefreut“, berichtet die 34-jährige Ärztin. Zwar haben die Zahnmediziner auch Materialspenden von Firmen bekommen, doch ihre Reise, Ausstattung und einen Teil des Materials haben sie wie schon beim Hilfseinsatz in Namibia aus eigener Tasche bezahlt. Die Vorbereitungen seien aufwändiger gewesen als vor zwei Jahren. Und besonders die Malaria-Prophylaxe habe ihm zu schaffen gemacht, erzählt Karl-Michael Schirmer. Dennoch schließt er nicht vollkommen aus, dass er noch einmal für Zahnärzte ohne Grenzen nach Afrika gehen würde. In seiner Tochter hätte er da in jedem Fall eine Begleiterin. „Sambia fand ich noch aufregender und spannender als Namibia“, sagt Caroline Schirmer. Auch wenn etwa das Baden im Kariba-Stausee wegen der Krokodile nicht möglich war, so sei es dort am roten Sandstrand doch landschaftlich sehr schön. Und den Nachthimmel über dem afrikanischen Land bezeichnet Karl-Michael Schirmer als „sensationell“ und schwärmt: „Da hat es sich gelohnt, sich einfach mal hinzusetzen und stundenlang nach oben zu schauen.“

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