Rhein-Pfalz Kreis Wunschkonzert der Erinnerungen
Mutterstadt. Die 24 geräumigen Bänke im Kirchenschiff und die Plätze auf den beiden Emporen der evangelischen Kirche Mutterstadt sind an Allerheiligen restlos ausverkauft gewesen. Das Interesse am zweiten Wunschkonzert zur Erinnerung an Verstorbene mit Tenor Volker Bengel und seiner Schwester Ulrike Machill-Bengl war groß.
Wenn eine Tradition schon mit der ersten Wiederholung beginnt, hat das 2015 eingeführte „Konzert für Engel“ in Mutterstadt jetzt Tradition. Das Prinzip der Veranstaltung ist ebenso einfach wie bestechend: Menschen, die sich zu Allerheiligen mit einem Lied an ihre Verstorbenen erinnern möchten, können dieses vorab einreichen. Aus den eingegangenen Wünschen erstellt das musikalische Geschwisterpaar Bengl eine „Playliste“ für einen anderthalbstündigen Konzertabend. Die Wünsche können mit einer ausdrücklichen Widmung für einen bestimmten Menschen oder auch für „einen anonymen Engel“ eingereicht werden. Die Idee, ein solches Wunschkonzert im Gedenken an Verstorbene zu veranstalten, kam der im Opernchor der Stadt Heidelberg engagierten Ulrike Machill-Bengl auf einer Beerdigung, die das Konzert am Dienstag auch eröffnete. Im schwarzen Dirndl mit weinroter Schürze begrüßte sie die Besucher in der evangelischen Kirche. „Liebe Engel, Liebes Publikum“, begann sie und bezog so die versammelten Lebenden und auch ihre verstorbenen Angehörigen in den Abend ein. Ihr Anliegen ist es, die „Herzen der Menschen zu erreichen“ und das kollektive Gedenken zu Allerheiligen künstlerisch zu gestalten. Gewünscht wurden für den besonderen Abend etwa das deutsche Volkslied „Die Gedanken sind frei“, „Die Rose“ aus Irland, das romantische „Lied an den Mond“ und das Schlaflied „Guten Abend, gute Nacht“. Auch politische Lieder fehlten nicht. So wurden zum Gedenken an den in einem Internierungslager verstorbenen jüdischen Tenor Joseph Schmidt sein Gassenhauer „Es wird im Leben dir mehr genommen, als gegeben“ zu Gehör gebracht, und für einen in Sibirien verstorbenen Soldaten sangen die Bengls „Das Wolgalied“. Jedes dieser Lieder rief auf seine Weise Erinnerungen an die Zeit des Zweiten Weltkriegs wach. Lateinische Kirchenlieder, italienische Arien und englische Popsongs spannten einen musikalischen Bogen bis in die Moderne. Ulrike Machill-Bengl und ihr Bruder, der renommierte Opernsänger Volker Bengl, schmetterten die Lieder im Duett oder wechselte sich mit Soloauftritten ab. Schön, die Idee, dass Ulrike Machill-Bengl das „Ave Maria“ und ihr älterer Bruder das „Ave Verum“ von der Empore aus sangen. Nur ihre Köpfe waren dabei vor der barock anmutenden Orgel mit Emblemen aus Gold und Marmor zu sehen. Wie zwei moderne Putten muteten beide dabei an, sie schwarz bebrillt, er mit schwarzer Fliege am weißen Hemdkragen. Doch diese flüchtige humorvolle Assoziation spiegelt nicht die vorherrschende Stimmung des Abends wieder: Im Publikum wurden vielerorts die Taschentücher gezückt und die aufmerksame Stille zeugte von großer Anteilnahme. Der Auftritt endete mit stehendem Applaus für die Sänger und Stefan Franz (Klavier und Orgel) und Monika Keller (Akkordeon). |css