DUDENHOFEN RHEINPFALZ Plus Artikel „Wohnpark am Hainbach“: Kritik von Naturschützern

Rodung in der vergangenen Woche: Auf dem Grundstück an der B39 sollen vier Mehrfamilienhäuser entstehen.
Rodung in der vergangenen Woche: Auf dem Grundstück an der B39 sollen vier Mehrfamilienhäuser entstehen.

Die Naturschutzverbände BUND und Gnor üben scharfe Kritik nach der Rodungsaktion für den geplanten „Wohnpark am Hainbach“ in Dudenhofen und nehmen dabei vor allem die Ortsgemeinde ins Visier.

Die Naturschutzverbände BUND und Gnor üben scharfe Kritik nach der Rodungsaktion für den geplanten „Wohnpark am Hainbach“ in Dudenhofen und nehmen dabei vor allem die Ortsgemeinde ins Visier. „Nicht nachvollziehbar ist, wie eine Gemeinde in Zeiten des Klimawandels eine in das Ortszentrum hineinreichende breite Grünachse dem Fallbeil preisgeben kann“, findet BUND-Kreisvorsitzende Doris Stubenrauch. Sie hat – ebenso wie auch die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz (Gnor) – „aus gegebenem Anlass“ auf den üblichen Weg der Stellungnahme zum Bebauungsplan verzichtet und Ortsbürgermeister Jürgen Hook (SPD) direkt angeschrieben.

Dass es für den Bebauungsplan ein beschleunigtes Verfahren gebe, lege nahe, dass die Gemeinde eine Umweltverträglichkeitsprüfung vermeiden wollte, vermutet Stubenrauch. Ein Altgehölzbestand, wie es ihn auf dem Grundstück gab, sei selten und fast immer Fortpflanzungs-, Wohn- und Überwinterungsstätte von Vögeln, Fledermäusen und zahlreichen Insekten. „Die Folgen, die sich aus der Zerstörung dieser Baumriesen ergeben, sind durch keine Ausgleichsmaßnahmen annähernd zu kompensieren“, erklärt Stubenrauch.

Das dem Bebauungsplan beigefügte Artenschutzgutachten überzeugt sie nicht.

So sei der Beobachtungszeitraum zu kurz gewesen, die Vogelbeobachtung weise deutliche Mängel auf und es würden – beispielsweise beim Thema Fledermäuse – zu viele Vermutungen angestellt. Auf eine Begutachtung der Insektenfauna sei gänzlich verzichtet worden. „Zufall? Oder wollte man vermeiden, streng geschützte Arten, wie Heldbock oder Eremit, hinter der Rinde oder im Blattwerk anzutreffen?“, fragt die BUND-Vorsitzende.

Infolge der dichten Bebauung des nun gerodeten Grundstücks werde sich das Kleinklima innerhalb der Ortslage signifikant ändern, ist Stubenrauch sicher. „In Kombination mit den benachbarten Supermärkten, Parkplätzen und der Trasse der stark befahrenen B39 wird eine Wärme speichernde Hitzeinsel entstehen, welche zweifellos nicht geeignet ist, die Lebensqualität der Anwohner zu steigern“, befürchtet sie.

„Flach bepflanzte Gründächer und einheimische Ersatzbäumchen“ seien nur ein Alibi. Stubenrauch spricht von „Greenwashing als Feigenblatt einer brutalen Naturzerstörung und fragwürdigen Bebauungspolitik“. Nun seien mit einer zweifelhaften Begründung vor Ende der Einspruchsfrist und bevor die verfahrensführende Behörde über die Zulassung des Bauplans entschieden hat, Fakten geschaffen worden. Dabei sei die Gemeindeverwaltung anscheinend nicht bereit oder in der Lage gewesen, die Arbeiten zu stoppen.

Kritik an Ratsbeschluss

Auch die Gnor will mit einem Schreiben an den Dudenhofener Bürgermeister „ihr Unverständnis für das gesamte Vorgehen kundtun“. Die Gemeinde sei offenbar weder willens noch in der Lage gewesen, die laufenden Rodungen zu verhindern. Doch hätte dies allenfalls einen Aufschub von wenigen Tagen bedeutet und am „desaströsen Ergebnis“ der Aktion auch nichts geändert. „Die Vernichtung der parkartigen Gartenanlage mit ihren teilweise sehr alten Bäumen war ja bereits bei vollem Bewusstsein beschlossen“, beklagt Jürgen Walter aus Harthausen im Namen der Gnor. Er bezweifelt die Rechtmäßigkeit des Vorgehens nach dem Baugesetzbuch und kritisiert auch das „hinsichtlich Umfang und Zeitraum unzulängliche Artenschutzgutachten“.

Auf einen freiwilligen Ausgleich an anderer Stelle, um einen Beitrag für Klima und Biodiversität zu leisten, verzichte die Ortsgemeinde. Und auch auf die Interessen der bereits vorbelasteten Anwohner werde keine Rücksicht genommen. Dabei habe es mit dem Vorschlag einer Gedenkstätte für frühere Zwangsarbeiter eine praktikable Alternative gegeben, mit deren Umsetzung wenigstens ein Teil des Baumbestands oder auch das historische Gebäude hätten erhalten werden können. „Was nutzen alle Strategiepapiere und Absichtserklärungen zu Flächenverbrauch, Klimawandel und Artensterben, wenn – da ja rechtlich nur freiwillig – sich die Entscheidungsträger nicht ihrer Verantwortung stellen (wollen)“, bedauert Walter.

x