DUDENHOFEN RHEINPFALZ Plus Artikel Wohnpark am Hainbach: Ärger nach schnellem Kahlschlag

Gerodet: Auf dem Grundstück südlich der B39 wuchsen teils mehr als 100 Jahre alte Bäume. Auch die Villa aus den 1930er-Jahren (l
Gerodet: Auf dem Grundstück südlich der B39 wuchsen teils mehr als 100 Jahre alte Bäume. Auch die Villa aus den 1930er-Jahren (links im Bild) soll abgerissen werden.

Wo vergangene Woche noch ein parkähnliches Gelände mit altem Baumbestand mitten in Dudenhofen war, ist mittlerweile nur noch eine öde Fläche mit gewaltigen Haufen übereinander gestapelter Baumstämme vorzufinden. Seit Montag hat eine Fachfirma auf dem Grundstück, wo der umstrittene „Wohnpark am Hainbach“ entstehen soll, „Tabula rasa“ gemacht. Bei Anwohnern und Bürgermeister ist die Verärgerung groß.

Daniel Fedele und Fabian Volk sind wütend: Als vor einigen Tagen Bäume auf dem Grundstück am Ende der Trifelsstraße markiert wurden, schwante den beiden Anwohnern schon Übles. Am Montag ging es dann direkt los mit der Rodung mit schwerem Gerät. Bis Mittwoch stand fast kein Baum mehr. „Es sind Fakten geschaffen worden, bevor der Bebauungsplan beschlossen ist“, ärgert sich Fedele. Und auch Ortsbürgermeister Jürgen Hook (SPD) wurde von dem Beginn der Arbeiten kalt erwischt. „Das ist höchst ärgerlich“, sagt er.

Bei dem Gelände handelt es sich um den nördlichen Teil der drei Villen-Grundstücke der früheren Firma Walter & Söhne, direkt neben der B39. Im November hatte der Dudenhofener Ortsgemeinderat gegen die Stimmen der Grünen der Aufstellung eines Bebauungsplans für das rund 0,7 Hektar große Gebiet zugestimmt. Besitzer des Grundstücks ist mittlerweile Peter Kinscherff. Er plant, dort vier Mehrfamilienhäuser mit jeweils sieben Wohnungen zu bauen. Kinscherff ist auch Geschäftsführer der Schifferstadter Firma Römerhaus, die hauptsächlich Pflegeappartements baut. Bei dem Vorhaben in Dudenhofen handelt es sich laut Kinscherff aber nicht um ein Römerhaus-Projekt. Die Wohnungen, die er vermieten oder verkaufen will, seien für alle Altersgruppen gedacht.

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Der Bebauungsplan befindet sich derzeit in der Offenlage. Das heißt, Bürger, Interessengruppen oder Ämter können Stellungnahmen dazu abgeben, bevor er endgültig beschlossen wird. Viele Anwohner haben das auch getan. 64 Unterschriften hat eine Interessengemeinschaft in der Trifelsstraße, Kalmitstraße und im Boligweg gesammelt und mit einer gemeinsamen Stellungnahme bei der Ortsgemeinde eingereicht. „28 Wohneinheiten passen nicht zur Struktur des Wohngebiets, das durch Einzel- und Reihenhäuser geprägt ist“, finden die Anwohner und fordern deshalb, die Größe des Vorhabens um 25 bis 50 Prozent zu verkleinern. Die Unterzeichner befürchten unter anderem eine deutliche Zunahme des Verkehrs insbesondere in der Trifelsstraße, einer Spielstraße, über die der Wohnpark erschlossen werden soll. Und auch mit dem Naturschutz argumentieren die Anwohner. Das parkartige Gelände liefere einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

„Bis zum 8. Februar sollten die Stellungnahmen gesammelt werden“, sagt Fabian Volk, einer der Unterzeichner. „Dass man nun vor dem Termin Aktionen startet, verärgert uns.“ Eigentlich hätte es nach Ende der Frist einen Termin der Anwohner mit dem Bürgermeister geben sollen. Diesem werfen Volk und Fedele Untätigkeit vor, als am Montag die Bagger anrückten. „Wir fühlen uns nicht mehr vertreten“, sagt Fedele, der befürchtet, dass als nächstes die leerstehende Villa aus den 1930er-Jahren fällt. Die Anwohner erwägen nun rechtliche Schritte gegen den Grundstücksbesitzer.

„Äußerst negativ überrascht“

Laut Ortsbürgermeister Hook hat es keine konkreten Absprachen mit dem Bauherrn gegeben, was den Zeitpunkt und das Ausmaß der Rodung angeht. „Wir hätten uns gewünscht, dass mit der Fällung bis mindestens zum Ablauf der Offenlage gewartet wird“, sagt er. Eventuell liege ein Verstoß gegen den im Zuge der Aufstellung des Bebauungsplans erstellten „Fachbeitrag Artenschutz“ vor, vermutet Hook. Der Gehölzbestand sei erhaltenswert. In genanntem Beitrag ist zwar von 150 Jahre alten Bäumen die Rede, zum Thema Rodung heißt es aber: Da es sich um ein Bauvorhaben auf einem bestehenden Wohngrundstück handle, müsse der verloren gegangene Lebensraum für „Allerweltsvogelarten“ rein rechtlich nicht ausgeglichen werden.

Den Vorwurf der Untätigkeit angesichts des Kahlschlags weist Hook ebenso zurück wie jenen der Intransparenz: „Vom Vorhaben des Bauherren hatten wir keine Kenntnis und waren davon äußerst negativ überrascht.“ Auf den weiteren Verlauf des Bebauungsplanverfahrens habe das Vorgehen des Bauherrn aber keinen Einfluss. Dieses gehe ganz normal weiter.

„Mein gutes Recht“

Der Besitzer des Grundstücks und künftige Bauherr sieht sich von den Anwohnern zu Unrecht an den Pranger gestellt: „Es ist mein gutes Recht, die Bäume fällen zu lassen“, sagt Peter Kinscherff und verweist ebenfalls auf den Artenschutz-Beitrag. Laut Kreisverwaltung stehen die Stellungnahmen der Unteren Naturschutzbehörde und der Unteren Wasserbehörde noch aus. Ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz ist der Verwaltung gegenwärtig nicht bekannt. Allerdings sei der Artenschutz-Fachbeitrag bereits Mitte 2020 erstellt worden, und es sei möglich, dass sich seitdem andere Wildtiere angesiedelt haben.

Geplant gewesen sei die Rodung in der Tat eigentlich für die Zeit nach dem 8. Februar, also nach Ablauf der Offenlegungsfrist, erklärt Kinscherff. Allerdings hätte die beauftragte Firma dann keine Zeit gehabt. Danach wären die Arbeiten bis Ende September wegen der Vegetationszeit eventuell nicht möglich gewesen. Und er wolle so schnell wie möglich mit dem Bau beginnen, sagt Kinscherff. Den Vorwurf, die geplanten Gebäude seien zu massiv, weist er ebenfalls zurück. Es seien zwei Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss pro Gebäude geplant. „Ich will nichts Böses, sondern etwas Gutes tun und in Dudenhofen Wohnraum schaffen“, sagt er.

Den bereits vor einigen Wochen diskutierten Vorschlag, auf dem Gelände eine Gedenkstätte für ehemalige Zwangsarbeiter der Firma Walter zu errichten, findet Kinscherff im Übrigen „abenteuerlich“. Wenn man einen solchen Erinnerungsort gewollt hätte, dann wäre er an anderer Stelle passender gewesen, sagt er: dort, wo früher die eigentliche Fabrik war und heute die Supermärkte stehen.

So sah es noch vor Kurzem aus: das Gelände in der Nähe des Rewe-Markts.
So sah es noch vor Kurzem aus: das Gelände in der Nähe des Rewe-Markts.
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