Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Wo das Fischessen Männersache ist

13 Senioren besuchten das Fischessen des Angelsportvereins Waldsee. Sie waren zwischen 89 und 94 Jahre alt.
13 Senioren besuchten das Fischessen des Angelsportvereins Waldsee. Sie waren zwischen 89 und 94 Jahre alt.

Seit Jahrzehnten treffen sich Männer zum Fischessen beim Fischerfest, doch niemand weiß, wann diese Tradition begann. Was Senioren über die Geschichte des Fests erzählen.

Die Tradition ist so alt, dass keiner der Befragten sagen konnte, seit wann der 1947 gegründete Angelsportverein Waldsee die ältesten Waldseer beim Fischerfest sonntags zum Fischessen einlädt. Dass die Sitte noch aus einer anderen Zeit stammt, merkt man auch daran, dass nur Männer eingeladen werden. Für Frauen gibt es am Kerwesonntag Kaffee und Torte. Matthäus Effler, ein früherer Vorstand, habe damit angefangen, meinte einer der 13 Senioren, die am Sonntag zusammensaßen. Ihr gemeinsames Alter beträgt 1179 Jahre – mehr, als der Ort offiziell alt ist. Der Älteste war mit 94 Jahren Alfred Hauck. Mit 89 Jahren waren Berthold Esser, Lothar Fischer und Johann Schneider die Jüngsten. Den Bring- und Holdienst hatte die freiwillige Feuerwehr mit dem Bürgerbus organisiert.

Es wurde viel geredet – über Neues und Altes. Für viele ist das Fischessen eine der wenigen Gelegenheiten, gemeinsam zusammenzusitzen. Dabei stellte sich heraus, dass noch gar nicht so viele der Besucher auf dem neuen Schwanenplatz waren. Mal vorbeigefahren sind die meisten. Viele haben sich vorgenommen, sich noch in diesem Sommer auf die Bänke zu setzen und dabei mit der Familie ein Eis aus dem Eiscafé Dolomiti zu essen. „Man hat das beste daraus gemacht, die Möglichkeiten dort sind ja vom Platz her beschränkt“, sagt der 91-jährige Alois Nieser. „Mal sehen, wie er in ein paar Jahren aussieht“, meint ein anderer. „Es ist ja schwer, so etwas mit dem vorhandenen Personal immer in Ordnung zu halten.“

Größer als die Kerwe

Viele erinnern sich noch an die Fischerfeste der 1950er- und 1960er-Jahre. Die Sommerfesthalle stand noch nicht, man feierte im Festzelt. „Die Leute haben sich eine Woche Urlaub genommen, um das Zelt aufzubauen“, erinnert sich der 90-jährige Norbert Eckrich. „Das ginge heute nicht mehr.“ Das Fischerfest war das größte Volksfest in Waldsee, größer als die Kerwe. „Am Sonntagmorgen um 6 Uhr zog der Spielmannszug mit einem Weckruf durchs Dorf, und das, obwohl die meisten erst um drei Uhr in der Nacht nach Hause gekommen waren. Das war ganz normal, da hat keiner Anstoß daran genommen.“

Es war eine ganz andere Zeit: „Früher hat man einfach gemacht, die Ärmel aufgekrempelt und probiert. Heute stößt man ja sofort an die Grenzen der vielen bürokratischen Vorschriften, ehe man überhaupt irgendwas anfangen kann. Man hat positiv gedacht. Heute ist die Stimmung schlechter“, sagt Eckrich.

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