Rhein-Pfalz Kreis „Wir waren uns immer gut“

«Mutterstadt.» Vor 67 Jahren hat alles angefangen – und heute feiern die in Dannstadt aufgewachsene Gisela (85) und der Mutterstadter Norbert (86) Müller ihre eiserne Hochzeit. Liebe und Humor prägen den gemeinsamen Weg. Beim Erfolgsrezept für eine lange Beziehung sind sie sich einig.
„Es hat sofort gefunkt“, erzählt Norbert Müller. Nämlich vor 67 Jahren, als die beiden sich beim Fasching in der damaligen Mutterstadter Turnhalle kennenlernten. Mit einem Augenzwinkern verrät er, dass ihm damals besonders der Ausschnitt des Kostüms der attraktiven Dame gefiel. Sie war 18, er 19 Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Gisela in einer Ludwigshafener Seifenfabrik und bewältigte die Strecke dorthin täglich mit dem Fahrrad. Norbert hatte eine Ausbildung zum Schuhmacher absolviert, später wechselte er in die Gärtnerei der BASF. Dort begann er nach weiteren fünf Jahren eine neue Berufslaufbahn als Chemikant. Weil bei den beiden alles gepasst hat, und die als Vollwaise bei ihrer Tante aufgewachsene junge Frau ein neues Zuhause bekommen sollte, wurde nach zwei Jahren Kennenlernzeit direkt geheiratet. Das Brautpaar wohnte zunächst noch im Elternhaus des Bräutigams im ehemaligen Neuweg, der jetzt Pfalzring heißt, bis es 1967 das in vollkommener Eigenregie errichtete Eigenheim in der Ulmenstraße bezog. 1955 kam Töchterchen Roswitha, 1959 Sohn Otto zur Welt. Diese bescherten dem Jubelpaar insgesamt drei Enkelkinder und mittlerweile gibt es sogar ein Urenkelchen. Obwohl sie es sich im Vorfeld niemals hätte träumen lassen, tat sie es dennoch: 1987 zog Tochter Roswitha plus Familie nach einem Ausbau mit in das Haus ihrer Eltern. Zusammen mit Schwiegersohn Karl-Heinz kümmern sich alle bis heute Hand in Hand um Haus und Garten. Früher war gerne Tischtennis angesagt, nach der Pensionierung des inzwischen zum Schichtführer avancierten Aniliners 1993 wurden die Enkelkinder zum größten Hobby der Jubilare. Mit diesen eroberten sie alle Spielplätze des Umkreises. In der übrigen Zeit widmete sich Norbert seinen Büchern – besonders mit Lieblingsautor Heinz Konsalik. Die Regale im Wohnzimmer reichen schon lange nicht mehr für seinen Bücherschatz. Daneben die Schätze seiner Ehefrau: putzige Hummel- und Swarovski-Figuren sowie Zinnarbeiten. Es sind die Ergebnisse lebenslangen Sammelns. Trotz verschiedener gesundheitlicher Rückschläge haben die beiden nach wie vor viel Freude am gemeinsamen Essengehen und am kleinen Umweg zur Eisdiele danach. Sie gönnen sich auch gerne ein Nachmittagsschläfchen oder genießen mit der Tochter einen Espresso. „Wir waren uns immer gut“, blickt Gisela zurück und Norbert ergänzt scherzend: „Solange sie immer gemacht hat, was ich gesagt habe!“ Beim liebevollen Händedruck der beiden wird aber sofort klar, dass Gleichberechtigung hier schon lange angekommen ist. Warum es immer gut funktioniert hat? „Man darf halt net Sturkopp machen, sondern muss immer miteinander reden“, benennen beide einvernehmlich das Erfolgskonzept ihrer langen Beziehung. An ihrem Ehrentag wollen sie es sich schön machen, so wie sie es eigentlich immer tun.