Dudenhofen
Wie zwei Frauen das Selbstbewusstsein von Kindern stärken wollen
Vor gut eineinhalb Jahren hat sich Jennifer Werner ihren Herzenswunsch erfüllt. Nach einem Burnout ist die 31-Jährige aus dem bisherigen Beruf als Führungskraft in Firmen ausgestiegen, ist Mental Coach und Selbstverteidigungstrainerin geworden und hat die Ausbildung zur Resilienztrainerin nachgelegt. Am Anfang stand das Angebot von Selbstverteidigungskursen für Frauen in der Gesundheitswerkstatt Dudenhofen. Daraus entwickelte sich ein neues Steckenpferd. „Immer mehr Frauen erkundigten sich nach Kursen für Kinder. Es gab zu dem Zeitpunkt eine Riesennachfrage ohne Angebot“, denkt Werner zurück.
Wieder bildete sie sich weiter und holte sich Janine Wilde (36) an die Seite. Gemeinsam drückten sie in Speyer die Schulbank. Wilde ist nach dem Abschluss erst Erzieherin, dann Sozialpädagogin geworden. Ihr obliegt der pädagogische Part bei den Aktivitäten für Kinder.
Hilfe, wenn Kleinkinder aggressiv werden
Die Kinder sollen bei den beiden Frauen das Handwerkszeug für die richtige Reaktion in prekären Situationen lernen. Diese können schon im Kindergarten vorkommen. „Das geht beim Würgen los und endet damit, dass ein Kissen aufs Gesicht des anderen gedrückt wird“, weiß Werner. Sogar Vierjährige hat sie schon im Personal Training, das sie in Einzelfällen anbietet.
Kinder auf den Schulweg vorzubereiten, ist einer der Schwerpunkte ihrer Arbeit mit den Kindern. „Wir bearbeiten mit ihnen die Frage, wie böse Menschen aussehen. Die Kinder haben da ein ganz falsches Bild, das wir spielerisch auflösen. Dabei legen wir viel Wert auf die gegenseitige Stärkung“, hebt Werner hervor. Sie nennt das den „Selbstbewusstseins-Boost“ für den Schulstart. Der wirkt nach, ist sie überzeugt – nicht nur dank der dokumentierten Superhelden-Prüfung am Ende.
Kooperationen mit Grundschulen
Wilde weist auf die Kooperationen mit Grundschulen hin, die bereits eingegangen wurden. „Viele wissen nicht ad hoc, wie sie das Thema angehen sollen, und holen uns als Expertinnen“, erklärt sie. Als nachhaltig bezeichnet Wilde die Arbeit der beiden Frauen. Unter anderem macht sie das daran fest, dass die Eltern bei den Kursen zur Kinderselbstbehauptung mit ins Boot genommen werden. Ein Workbook bekommt jedes Kind für die Zukunft am Ende an die Hand.
„Die Mobbing-Züge werden immer krasser“, nennt Werner ein akutes Problem, das mit zunehmendem Alter immer schlimmer werde. Vor allem Cybergeschichten nennt sie. Die Anonymität des Internets mache persönliche Beleidigungen und Diffamierungen leicht. „Bei Teenagern ist daher die Arbeit am Selbstwertgefühl immens wichtig. Darauf gehen wir stark ein“, betont Werner.
Vermitteln: Du bist wertvoll
Sie weiß, wovon sie spricht und wie wichtig es ist, sich selbst wertzuschätzen. Mit 18 Jahren wurde sie depressiv, verletzte sich selbst, hatte Suizidgedanken, nachdem sie zuvor mit Ängsten und Komplexen kämpfte. Mit ihrer eigenen Geschichte will sie andere ermutigen zu erkennen, dass das Leben schön und sie selbst ein wertvoller Mensch sind.
Für Wilde liegt die Schwierigkeit in der totalen Überreizung der Kinder, die mit Corona noch zugenommen hat. „Die komplette Entwicklung, technischer und gesellschaftlicher Art, wirkt sich auf die Kinder aus. Sie fühlen sich nicht mehr gesehen“, ist sie überzeugt. Die Blickwinkel beider Frauen ergänzen sich bei der Arbeit gut, meint Wilde.
Schnelle Reaktion in brenzligen Situationen
Die Kinderkurse, die sie in der Gesundheitswerkstatt mittlerweile geben, sind bunt besetzt. Aus der gesamten Region und auch darüber hinaus kommen Teilnehmer. „Wir wollen Handlungssicherheit geben und das präventiv“, untermauert Werner. Dazu gehört das praktische Tun, das Dabeisein und Mitmachen. Beispielsweise dann, wenn es darum geht, den sogenannten Freeze-Moment – eine Art Schockstarre – im Falle eines Übergriffs zu verkürzen. Nur so kann schneller reagiert werden.
Auch in Vereine gehen Werner und Wilde mit ihren Programmen. „Wir sind überall da, wo Kinder sind“, betont Werner. Und sie ergänzt lächelnd: „Das sehen wir als unsere Mission.“
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