Frankenthaler Umland
Wie Seniorenheime auf Lockerungen reagieren
„Im Großen und Ganzen ist die Einrichtung recht gut aus der Pandemie herausgekommen, es gab keine Todesfälle und nur sehr wenige am Virus Erkrankte“, berichtet Uwe Stahl, Leiter des Caritas-Altenzentrums St. Magdalena in Bobenheim-Roxheim. Das liege auch an der hohen Impfquote von mehr als 90 Prozent der Bewohner und 88 Prozent der Mitarbeiter, ist er überzeugt. Inzwischen werde der Garten gerne genutzt, und der Vogelverein und die Eisdiele im Ort seien jetzt wieder Ausflugsziele.
Zunächst bis September setzt er weiter auf Schnelltests für Besucher. Dafür hat der Heimleiter extra Aushilfspersonal an der Pforte eingestellt. Hilfe von außen erhält Stahl von zwei pensionierten Ärzten, die zweimal pro Woche ins Haus zu kommen, um sowohl die Bewohner als auch die Mitarbeiter zu testen. „Viele demente Personen äußern sich gar nicht zu den Veränderungen, für sie war es nahezu unerheblich, dass wieder verstärkt Besuch erlaubt ist“, ist sein Eindruck. Andere Bewohner hätten einen Vorteil darin gesehen, dass keine Gäste zu den Mahlzeiten da waren. Man habe sich am Tisch mehr unterhalten.
Weg zu normalem Alltag finden
Nur vereinzelt haben Stahl und seine Mitarbeiter Verhaltensauffälligkeiten beobachtet. In solchen Fällen hat das Altenzentrum reagiert und Besuch im Freien ermöglicht. Die soziale Betreuung mit beispielsweise Bingo, Kegeln und Gottesdiensten fand nach den Impfungen unter Einhaltung der Corona-Regeln statt. Bis auf die Gottesdienste wird das Programm allerdings weiter nur in den Zwölfergruppen, die eine Hausgemeinschaft umfasst, stattfinden.
In St. Magdalena sind der Eingangsbereich und das Fernsehzimmer passend zur Fußball-Europameisterschaft dekoriert, am Freitag fand das erste Konzert statt, mit Hits aus den 50er- und 60er-Jahren. „Aber zum normalen Leben müssen wir erst noch hinfinden“, sagt Stahl.
Positive Fälle unter Besuchern
Im Lamundis-Stift in Lambsheim hat sich nicht viel geändert. Mithilfe der Schnelltests habe man schon viel Besuch zulassen können, berichtet Ulrich Heberger, Geschäftsführer der Wohnbetriebsgesellschaft. Das habe dem Haus große Sicherheit gegeben, denn es seien positive Fälle unter den getesteten Besuchern gewesen. Eine psychische Belastung bei den Bewohnern konnte er nicht feststellen, denn nur in der akuten Phase habe es keine Feste und kein Programm gegeben. Dafür habe man die Bewohner einzeln beschäftigt. „An sozialen Kontakten hat es somit nicht gemangelt“, meint er. Der Geschäftsführer glaubt sogar, dass der Kontakt zu Angehörigen intensiver stattgefunden hat, da die gemeinsame Zeit auf eine Stunde begrenzt war.
Den Impfdienst kann Heberger nur loben. „Von staatlicher Seite war es das erste Mal, dass für die Heime etwas auf den Weg gebracht worden ist, und ich bin seit 30 Jahren im Dienst.“ Etwa 85 Prozent der Senioren seien geimpft. Die Impfquote in der Belegschaft liege bei etwa 80 Prozent, da wünscht sich Heberger eine höhere Bereitschaft. Durch Information versucht er, Ängste zu nehmen. Manche Mitarbeiter seien allerdings aus gesundheitlichen Gründen noch nicht geimpft. Rückmeldungen kamen nur in Bezug auf das Tragen der Maske. Die Menschen seien auf Distanz gegangen. „Das fanden die Bewohner nicht so schön, sie haben sich aber auch daran gewöhnt“, so seine Einschätzung.
Wie lange wirkt der Impfschutz?
Heberger wird die Sommermonate so gut wie möglich gestalten, denn ab Herbst fingen die sogenannten Infektionsmonate mit Grippe und so weiter an. Unklarheit bestehe noch bezüglich der Dauer des Impfschutzes. „Der Mediziner und Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach hat in den Medien von einem halben Jahr Schutz gesprochen, bisher habe ich jedoch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu gefunden“, sagt Heberger. Für die Zukunft halte er es bei einer höheren Inzidenz für sinnvoller, wenn die Einrichtungen selbst ihre Konzepte steuern könnten. „Vor Ort lässt sich eher der Zeitpunkt einer Gefährdung erkennen“, ist er überzeugt.
Bettina Dopp von den Römergarten-Residenzen hat im April die Leitung im Haus Maximilian in Dirmstein übernommen. Die 39-Jährige war vorher im Westhofener Haus Sophia Pflegedienstleiterin. Ihre Vorgängerin in Dirmstein, Christine Paradies, sei jetzt in der Zentrale der Römergarten-Residenzen Leiterin der Akademie.
Über ihre Bewohner berichtet Dopp: „Die Menschen leben wieder auf: Endlich wieder im Garten verweilen, endlich wieder ins hauseigene Café setzen und alles genießen. Denn einige hat das alles sehr mitgenommen.“ Wobei das Heim von einem Telefonanbieter Handys zur Verfügung gestellt bekommen habe. „Der so mögliche Sichtkontakt mit den Angehörigen war für einige eine gänzlich neue Erfahrung“, sagt Dopp.
Neuanfang ohne Angehörige
Besonders bedrückend fand sie während der Kontaktbeschränkungen die Aufnahme neuer Bewohner. Diese mussten ihren Neuanfang im fremden Umfeld unter Ausschluss ihrer Angehörigen durchstehen. „Solch ein Schritt ist doch einfacher, wenn eines der Kinder beruhigend einwirkt und sagen kann, alles wird gut, wir sind bei dir“, findet die Heimleiterin.
Die Impfungen seien von der Zentrale sehr gut organisiert gewesen, auch die Zahl der geimpften Personen im Heim sei sehr hoch, sagt Dopp, ohne Zahlen zu nennen. Für alle neuen Bewohner, die noch keinen Schutz haben, kommt der Hausarzt ins Heim. „Wenn ich zurückdenke, war das die schlimmste Zeit in der Pflege, die ich je erlebt habe“, resümiert Dopp. „Ich hoffe, so was kommt nie wieder.“ Von den 50 Bewohnern und den Mitarbeitern war die Hälfte an Covid-19 erkrankt gewesen, vier Todesfälle hatte man in der Residenz zu beklagen. Aber jetzt möchte die 39-Jährige nur noch nach vorne schauen, „denn ich habe ein super Team an meiner Seite.“ Kürzlich fand bereits ein Basar im Freien statt, ein Grill- und ein Sommerfest folgen bald.
Die Leiterin des Johanniter-Seniorenhauses in Kleinniedesheim war nicht zu einem Gespräch mit der RHEINPFALZ bereit.