Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Schulen im Speyerer Umland das Lernen zu Hause organisieren

Leere Klassenzimmer: Wegen des Coronavirus findet in Rheinland-Pfalz bis nach den Osterferien kein Unterricht statt. Lehrer, Sch
Leere Klassenzimmer: Wegen des Coronavirus findet in Rheinland-Pfalz bis nach den Osterferien kein Unterricht statt. Lehrer, Schüler und Eltern müssen improvisieren.

Das Coronavirus ist für Lehrer, Schüler und Eltern eine Herausforderung. Da der Unterricht nicht mehr in den Klassenräumen stattfinden kann, müssen Schüler zu Hause lernen. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie eine Umfrage unter Schulleitern im Speyerer Umland zeigt. Ein Aspekt, der in der Vergangenheit vernachlässigt wurde, könnte sich nun in dieser Ausnahmesituation rächen.

Martina Kopf, Leiterin der Grundschule in Berghausen, und ihre Kollegen haben in den vergangenen Tagen Arbeitspläne für jede Klasse konzeptiert, die nun auf der Internetseite der Schule zu finden sind. Jeden Freitag werde ein neuer Plan für die kommende Woche erscheinen, in dem die Kinder zum Beispiel angewiesen werden, verteilte Arbeitsblätter auszufüllen oder Aufgaben in den Mathematikbüchern zu rechnen. Ob die Kinder alles erledigen, könnten ihre Kollegen nicht kontrollieren. „Wir verlassen uns auf die Eltern“, sagt die Schulleiterin. Sie glaubt nicht, dass sich der Wissensstand der Schüler sehr stark unterscheiden werde, wenn der Normalbetrieb in der Schule nach der Corona-Krise wieder startet. Sollte dies doch der Fall sein, könnte Stoff auch noch einmal wiederholt werden, sagt Kopf.

Nadine Wübbe, Leiterin der Hermann-Gmeiner-Grundschule in Waldsee, berichtet, dass die Schulaufsichtsbehörde wünscht, dass die Lehrer ihren Schülern Rückmeldung zu den erledigten Aufgaben geben. Das sei aber schwer, wenn der soziale Kontakt gemieden werden solle, merkt Wübbe an. Wie dies trotzdem möglich ist, werde an der Grundschule derzeit noch beraten. Sie und ihre Kollegen haben für jeden der 212 Schüler ein Paket mit Arbeitsblättern gerichtet, das die Eltern abholen sollen. Beispiele sollen den Schülern helfen, die Aufgaben zu lösen. Denn der Lehrer, der normalerweise im Unterricht Hilfe anbietet, fehlt zu Hause nun mal. Der Schulleiterin ist „die große Herausforderung für die Eltern“ bewusst. Unterschiede zwischen den Schülern gebe es bereits jetzt. Der eine lerne nun einmal schneller, der andere brauche etwas länger. Auch auf diesen Umstand sei in den Lernpaketen Rücksicht genommen worden. Es gebe Zusatzaufgaben für Schüler, die schneller fertig seien und mehr machen möchten, sagt Wübbe.

Keine Vorgaben, aber Regeln

Elmar Frick, Leiter der Realschule plus in Lingenfeld, berichtet, dass das Land vorgegeben habe, dass Schüler durch die Corona-Krise keinen Nachteil haben dürften. Wie damit umzugehen ist, werde sich zeigen. Die Realschule stellt über ihre Internetseite Lern- und Unterrichtmaterialien sowie Arbeitsaufträge zur Verfügung. Wer zu Hause keinen Drucker habe, könne die Materialen nach vorheriger Anmeldung an der Schule abholen, indem er sie durch ein Fenster gereicht bekomme, sagt Frick.

Er ist froh, dass die Schule durch ihre Internetseite autark und nicht auf Lernplattformen angewiesen sei. Grund ist, dass Server dieser in der Corona-Krise sehr gut genutzten Plattformen in die Knie gingen, hat der Schulleiter erfahren. „Wir üben jetzt Digitalisierung“, merkt er an. Außerdem stünden auch den Schülern zu Hause teilweise nur begrenzte Internetkapazitäten zur Verfügung. Unterricht per Videochat habe deshalb bei ein paar Schülern nicht funktioniert, sagt der Schulleiter. Er weist auch auf eine weitere Schwierigkeit hin: Aufgrund von Lizenzvorgaben der Verlage dürfe nicht alles frei zugänglich ins Internet gestellt werden, deshalb sei für jede Klasse ein passwortgeschützer Bereich auf der Schulinternetseite eingerichtet worden. „Wir haben keine Vorgaben, aber wir sollen uns an den Datenschutz halten“, sagt der Schulleiter zudem.

Auch an der Kommunikation mit den Schülern werde noch gearbeitet. Der Austausch über den bei Jugendlichen beliebten Nachrichtendienst „WhatsApp“ sei für Lehrer verboten. Deshalb werde per E-Mail mit den Schülern kommuniziert. Die erledigten Arbeitsaufträge sollen über diesen digitalen Weg an die Lehrer geschickt oder in den Briefkasten der Schule geworfen werden. Aber auch daran „arbeiten wir noch“, sagt Frick. Eine Kunst-Aufgabe könne zum Beispiel bewertet werden, nachdem der Schüler dem Lehrer „ein Bild von seinem Bild“ geschickt habe. „Das wird noch spannend. Es ist für uns alle Neuland“, sagt der Schulleiter.

Wer an einer Realschule einen Abschluss machen will, müsse das Klassenziel erreichen, eine Abschlussprüfung gebe es nicht. Wie damit nun umgegangen werden soll, wenn kein regulärer Unterricht stattfand, müsse vom Ministerium einheitlich geregelt werden, sagt Frick.

Mehrstufenplan in Corona-Krise

Sein Schulleiter-Kollege Christian Wallner von der Realschule plus in Dudenhofen setzt in dieser Ausnahmesituation auf einen Mehrstufenplan. Die 307 Schüler bekommen die Unterlagen auf der Internetseite der Schule und über eine Plattform, über die Lehrer, Schüler und Eltern auch datenschutzkonform kommunizieren könnten, sowie per Post zur Verfügung gestellt. Per Post, damit keiner sagen könne, dass er zu Hause keinen Drucker für die Arbeitsblätter habe, sagt Wallner. Die Briefmarken hätten insgesamt 700 Euro gekostet. Außerdem ist damit sichergestellt, dass die Schüler weiterlernen können – sollte dies über die digitalen Wege mal nicht mehr möglich sein, weil Server und das Internet überlastet sind. „Wir merken heute, dass das Land mit der Digitalisierung hätte schneller sein müssen“, sagt Wallner.

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