Mutterstadt
Wie Karl Mistler zum Podcaster wurde
„Eigentlich bin ich gar kein großer Redner“, sagt Karl Mistler von sich. Er musste sich schon ein bisschen überwinden, als sein Sohn Philipp Mistler ihm vorschlug, einen Video-Podcast vor der Wahl zu starten. Der Fitnesscoach ist bereits ein Profi darin und veröffentlicht selbst einen solchen über Fitness und Ernährung unter dem Titel „Whey&Vino“. Da war der Sprung ins kalte Wasser nicht ganz so beschwerlich: Philipp Mistler konnte mit Equipment und Know-how seinem Vater beiseite stehen.
Den Anfang machte die Politik
In dem Video-Podcast sollten die Kandidaten vorgestellt werden, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni für die Freie Wählergruppe für einen Sitz im Mutterstadter Gemeinderat kandidierten. Das war etwa zehn Wochen vor der Wahl – zu spät, um alle auf der FWG-Liste vorzustellen, aber der Anfang war gemacht.
Für die ersten beiden Folgen holte er sich Mutterstadts Beigeordneten und FWG-Urgestein Hartmut Kegel (FWG) ins Boot. Die beiden stellten sich vor – warum sie sich in der Kommunalpolitik engagieren und warum ausgerechnet in der FWG. Sie berichten, was sie beruflich machen oder gemacht haben. Und sie erklären, welche Themen in Mutterstadt dringend bearbeitet werden müssen.
Weitere Info-Plattform
In gewisser Weise war es Wahlkampf: „Die Kandidaten konnten sich auf einer anderen Art den Bürgern vorstellen“, sagt Karl Mistler – es sei eine weitere, neue Form neben dem gewohnten Kontakt mit den Wählern auf Märkten oder Veranstaltungen. „Viele junge Menschen informieren sich über die soziale Medien, dort kann man sie erreichen, darum dieser Weg“, sagt Karl Mistler. Je mehr Informationsmöglichkeiten es gebe umso besser.
„Oft sind die Kandidaten auf den Listen nur Namen, die man vielleicht mal gehört hat. Mit dem Podcast konnten sie sich persönlich und ihre Themen vorstellen“, erklärt er. Darum auch der Video- und nicht der klassische Podcast, in dem nur das Gespräch zu hören ist. „Es ist ein anderer Eindruck, wenn man die Leute auch sieht“, ist der Kommunalpolitiker überzeugt.
Mutterstadter Geschichten
Die Kommunalwahl ist rum, für die FWG – Karl Mistler ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender – lief es gut, die Wählergruppe hat zwei Sitze im Gemeinderat hinzugewonnen. Doch mit dem Podcast ist es nicht vorbei, Mistler hat Blut geleckt. Die ersten Gespräche haben ihn zu vielen Themen für weitere Podcast-Folgen inspiriert, die das Leben in Mutterstadt erzählen – darum habe er seinen Podcast auch genau so genannt. So ist Diana Fabro, die auch schon interviewt wurde, nicht nur FWG-Ratsmitglied, sondern auch Tagesmutter, und somit ganz nah dran am Thema Kinderbetreuung und all den momentanen Nöten und Problemen.
Aus dem Gespräch mit ihr entstand die Idee, auch eine Erzieherin einzuladen, die aus ihrer Perspektive erzählt, wie die Lage in den Kitas ist. Das Gespräch ist derzeit die aktuelle Folge. „Ich möchte die Menschen, die aus den verschiedenen Bereichen kommen, im Video-Podcast zu Wort kommen lassen“, sagt Karl Mistler, auch wenn er weiß, dass es immer nur eine Perspektive ist. Sein Video-Podcast ist also keine reine „politische Plattform“.
Er könne sich vorstellen, auch Menschen aus Vereinen oder aus der Verwaltung zu sich einzuladen. Gern können Interessierte auf ihn zukommen. Mit dem Video-Podcast möchte er auch über die kommunalpolitische Arbeit aufklären und den Bürger mitnehmen. Viele wüssten zum Beispiel gar nicht, was es alles bedarf, bis eine Idee umgesetzt, zum Beispiel eine Kita gebaut oder ein Neubaugebiet entstehen kann.
Immer noch aufgeregt
Karl Mistler betont, dass er kein Medienprofi sei, vielmehr sieht der seinen Video-Podcast als zusätzliches Angebot zu TV und Print. Der Podcast ist derzeit nur über Youtube zu sehen. Erste positive Reaktionen gab es bereits. Gut 1000 Menschen hätten sich die bisher elf ausgestrahlten Videos angeschaut. Jede Woche hat er bisher ein Gespräch aufgenommen und ausgestrahlt, so möchte er es beibehalten, immer freitags ab 12 Uhr gibt es eine neue Folge.
Routine habe sich bei dem 65-Jährigen aber noch nicht eingestellt. „Ich bin immer noch vor jeder Aufnahme aufgeregt“, sagt er. Und er lernt viel über Videoschnitt und alles, was dazu gehört. Die Aufnahme sei das eine, das Schneiden und Nachbereiten das andere: „Das nimmt deutlich mehr Zeit ein“, sagt der Floristik-Meister.
Gut einen Tag müssen er und sein Sohn für bis zu zwei Folgen einplanen – und das neben seinem Job. Karl Mistler ist Inhaber der Firma Blumen Kramer in Mutterstadt. Für sein Unternehmen nutzt er bereits Social Media als Plattform, ganz unbekannt war ihm diese Welt also nicht. Nun bewirbt er dort auch seinen Video-Podcast: „Hätte mir jemand das vor ein paar Jahren gesagt, hätte ich ihm das im Leben nicht geglaubt“, sagt er und schmunzelt.