Rhein-Pfalz Kreis „Wie im Schlaraffenland“
Definitiv nein Roos: Ich würde das so bestätigen. Die Arbeit ist konstruktiv. Christ: Wir beide haben ja vorher schon zusammengearbeitet. Auf Ortsebene. Roos: Und diese vertrauensvolle Zusammenarbeit haben wir auf Kreisebene fortgeführt. Christ: Da stimmt es nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch auf sachlicher Ebene. Eine große Koalition stärkt die politischen Ränder. Fühlen Sie sich im Rhein-Pfalz-Kreis mitverantwortlich für das Erstarken der AfD? Christ: Eigentlich nicht. Das Erstarken der AfD steht mit dem Auftreten des Themas Asyl in Zusammenhang. Dabei könnte man froh sein, wenn die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen überall in Deutschland so gut laufen würde wie hier im Kreis. Es gibt aber diese Angst vor Neuem, Fremdartigem. Und die AfD fischt mit ihren Parolen genau da. Sie will, dass die Leute Angst haben – die sie aber nicht haben müssen. Roos: Wir bieten in keiner Weise Gelegenheit, dass die AfD stärker wird. Viele haben aber Angst, dass sie schlechter gestellt werden, jetzt wo so viele Fremde da sind und vielleicht noch kommen. Die Angst ist unbegründet. Es wird für alle Leute etwas getan. Nehmen wir das Beispiel Wohnraum, neben der Arbeit sind die eigenen vier Wände wichtig für Menschen. Unser Kreiswohnungsverband baut wieder 48 Wohneinheiten in Schifferstadt, Mutterstadt und Limburgerhof. Dass jetzt gebaut wird, hat aber nichts mit den Asylbewerbern zu tun, sondern damit, dass wir in der Vergangenheit noch Leerstände hatten. Die Wohnungen sind auch nicht nur für Geflüchtete, sondern für alle sozial schlechter gestellten Menschen. Noch mal zur AfD: Hier im Kreis verhalten sich deren Mitglieder einigermaßen moderat. Christ: Den Eindruck habe ich auch. Es herrscht große Einigkeit zwischen Ihnen beiden. Gibt es auf Kreisebene überhaupt noch Unterschiede zwischen CDU und SPD? Christ: Ja! Das kam spontan. Und wo? Christ: Natürlich in der Familien- und Schulpolitik. Das ergibt sich schon durch die Grundausrichtung der Gesamtparteien. Können Sie das konkretisieren? Christ: Nehmen Sie das dreigliedrige Schulkonzept: Hauptschule, Realschule, Gymnasium. Das wäre von uns nach wie vor – sagen wir es mal so: nicht unerwünscht. Das ist besser als Einheitsschulen. Herr Roos, sind Sie Verfechter der Einheitsschulen? Roos: Die SPD im Allgemeinen mag diese Richtung haben. Ich habe aber drei Enkel und bin deshalb von der bestehenden Schulgliederung nicht so begeistert. Ich sehe nämlich, wie schwierig es ist, wenn begabte und weniger begabte Schüler zusammen in einer Klasse sind. Wie will man da allen gerecht werden? Aber bei aller Kritik muss man sagen, dass die Schulen hier im Kreis gut ausgestattet sind. Sowohl mit Lehrmitteln als auch mit Personal. Die SPD legt übrigens großen Wert auf den Sozialbereich. Wir haben uns deshalb auch für Schulsozialarbeit eingesetzt. Braucht man tatsächlich Sozialarbeiter in Schulen auf dem Land? Roos: Oh ja. Schulsozialarbeit ist so wichtig. Ich bin Schöffe am Landgericht Frankenthal. Da lief ja auch der Prozess im Fall des jungen Mannes, der bei Limburgerhof umgebracht worden ist. Viele Schüler sind dabei als Zeugen geladen. Was man da so alles hört … Christ: Es war eine Forderung in unserem Koalitionsvertrag, dass an jeder weiterführenden Schule Sozialarbeit eingeführt wird. Und dass der Schulentwicklungsplan fortgeführt wird. Das heißt? Christ: Der Schulentwicklungsplan beschäftigt sich damit, wie die Schulen im Kreis geführt werden. Es geht um die pädagogische Ausrichtung – ob etwa eine Schule Schwerpunktschule wird oder in einem Ort eine neue IGS installiert wird. Roos: Du hättest ja hier gern eine IGS in Böhl-Iggelheim gehabt. Christ: Ja, als Bürgermeister. Um aber noch mal auf die Kreisebene zu kommen – und das hört sich jetzt vielleicht werbeblockmäßig an: Es wird keine Parteipolitik betrieben. Roos: Die Sache steht stets im Vordergrund. Wie jetzt, kein einziger großer Krach? Beide: Nee! Wo wir schon beim Zurückblicken sind: Welche Herausforderungen mussten in den vergangenen zweieinhalb Jahren im Kreis gemeistert werden? Christ: Asyl, ganz einfach. Ein Thema, das nicht vorhersehbar und auch nicht kalkulierbar war. Aber die große Koalition hat zusammengearbeitet. Roos: Sonst hätten wir das nicht geschafft. Zu den Herausforderungen zählt aber auch, die Kreisumlage nicht zu erhöhen. Das haben wir bislang ebenfalls geschafft. Allerdings kommt uns da auch die derzeitige Zinspolitik entgegen. Christ: Sicher ist der Bereich Finanzen immer eine Herausforderung. Gebühren und Hebesätze stabil halten, mit dem Geld, das wir haben, gesund wirtschaften. Was sind die drei wichtigsten Ziele für die kommenden zweieinhalb Jahre? Christ: Breitband ausbauen! Und zwar vom Gewerbegebiet bis zum Aussiedlerhof. Roos: Dafür sind die Weichen gestellt. Im Kreishaus ist eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht worden. Christ: Ein weiteres wichtiges Ziel ist sicherlich der Hochwasserschutz. Roos: Die Ereignisse haben gezeigt: Überschwemmungsgefahr ist da. Christ: Hochwasserschutz und Renaturierung unserer Gewässer müssen unter einen Hut gebracht werden. Roos: Noch ein Ziel ist die Barrierefreiheit. In den Dörfern im Allgemeinen und bei den Kreiseinrichtungen im Speziellen, etwa den Wertstoffhöfen oder den Volkshochschulen. Diese Einigkeit! Jetzt gibt es ja nicht einmal Stress wegen der Landratswahl, weil die SPD keinen Kandidaten stellt. Fast schon langweilig, oder? Christ: Nö. Clemens Körner muss sein Ding machen, seinen Wahlkampf führen – ob das jetzt zwei oder fünf Kandidaten sind. Roos: Also ich bin zu alt. Zum Glück! (lacht). Aber mal im Ernst: Das kann natürlich schon Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung haben. Dass Bürger nicht zur Wahl gehen, die normalerweise SPD wählen. Das wäre natürlich schlecht. Das gibt ja immer denen Aufwind, die man gar nicht haben will. Apropos: Die AfD will jetzt einen Kandidaten stellen ... Christ: Soll sie machen. Ich habe damit gerechnet. Die AfD muss sich ja irgendwie positionieren. Sie muss zeigen, dass sie da ist, wenn sie inhaltlich schon nichts zu bieten hat. Roos: Ich hoffe, dass die Wähler eine wohlüberlegte Entscheidung treffen. Kommunalwahl 2019: Könnte die wieder etwas Pep in die Kreispolitik bringen. Ein neues Bündnis gar? Christ: Wir wollen die absolute Mehrheit erreichen. Roos: Das ist aber kein Bündnis … Christ: Ist doch aber so. Beide Fraktionen werden anstreben, so viele Sitze wie möglich zu erreichen. Roos: Klar kämpfen wir für eigene Sitze. Wir von der SPD wollen jedenfalls die Bürger überzeugen, eine Partei zu wählen, die auch ihre Interessen vertritt und nicht nur Parolen loslässt. Christ: Wir müssen transparent sein. Und das ist meine Kritik an der großen Politik, an der großen Koalition in Berlin. Da hätte man transparenter machen müssen, was in Sachen Flüchtlinge auf die Leute zukommt. Und dass eigentlich kein Deutscher schlechter gestellt wird. Das hätte Angst genommen und so manchen nicht zur AfD geführt. Arbeitet man auf Kreisebene sachorientierter als auf Bundesebene? Roos: Auf jeden Fall. Christ: Wir haben keine parteipolitischen Restriktionen zu beachten. Und außerdem leben wir Pfälzer Pragmatismus. Sie waren 2006 im Wahlkampf um das Bürgermeisteramt in Böhl-Iggelheim keine Konkurrenten. Trotzdem hat es die SPD sicherlich geschmerzt, dass die CDU die rote Hochburg eingenommen hat. Hatten Sie zwischenmenschliche Probleme? Roos: Wir sind so weit Demokraten, dass wir Wahlergebnisse akzeptieren. Christ: Nö. Wir haben vorher gut zusammengearbeitet – ich war ja sein Beigeordneter – und hinterher auch. Was macht für Sie den Rhein-Pfalz-Kreis aus? Christ: Ländliche Strukturen … Roos: … und trotzdem gibt es eine gute Infrastruktur. Christ: Eingebettet in Felder, aber Teil der Metropolregion. Roos: Wir leben im Gemüsegarten, wie er vielfältiger nicht sein könnte, wir wohnen quasi im Schlaraffenland. Christ: Im Paradies! Gemüse, Wein und am Horizont der Haardtrand. Mir gefällt es hier, hier bleibe ich. |