Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie es um die personelle Ausstattung der Polizei in Schifferstadt steht

Entspannt: Kai Giertzsch (links) und Marco Hinze im Hof der Polizeiinspektion im Waldspitzweg.
Entspannt: Kai Giertzsch (links) und Marco Hinze im Hof der Polizeiinspektion im Waldspitzweg.

Wie ist es um die Personalsituation bei der Polizei im Land bestellt? Das wollte die CDU im Mainzer Landtag von der Regierung wissen. Bei der Polizeiinspektion Schifferstadt ist man in der Führungsetage entspannt. Was zum einen damit zu tun hat, dass das Schichtsystem funktioniert. Zum anderen geht es aber auch um simple Geografie.

Wenn eine Partei, vorzugsweise aus der Opposition, von der Landesregierung detaillierte Auskünfte zu einem bestimmten Thema haben will, dann hat sie das Instrument einer sogenannten Kleinen Anfrage. Eine solche hat die CDU im Mainzer Landtag vor Kurzem an die Landesregierung gerichtet. Konkret waren es die Abgeordneten Johannes Zehfuß (Böhl-Iggelheim) und der Neustadter Dirk Herber.

Die beiden wollten unter anderem wissen, wie sich die Ist-Stärke im Wechselschichtdienst in den vergangenen fünf Jahren verändert hat und wie oft in diesem Zeitraum die Mindeststärke bei einer Dienststelle nicht eingehalten werden konnte. Mittlerweile haben die zwei CDU-Abgeordneten auch Antwort bekommen.

Entspannte PI-Führung

In den beigefügten Tabellen ist selbstverständlich auch die Polizeiinspektion (PI) Schifferstadt aufgeführt. Zu deren Dienstgebiet gehören neben Schifferstadt die Gemeinden Böhl-Iggelheim, Limburgerhof, Mutterstadt sowie die Verbandsgemeinden Dannstadt-Schauernheim und Rheinauen (ohne Otterstadt) mit insgesamt rund 90.000 Einwohnern. Kai Giertzsch (58), Leiter der PI Schifferstadt, und sein Stellvertreter, Polizeihauptkommissar Marco Hinze (42), machen beim Termin mit der RHEINPFALZ zum Thema Personal einen entspannten Eindruck.

Sie haben auch allen Grund dazu. Denn bei einer der zentralen Fragen der Kleinen Anfrage, nämlich diejenige nach der Zahl der Fälle, in denen eine Dienststelle im vergangenen Jahr mit weniger als der vorgesehenen Mindeststärke auskommen musste, steht bei der PI Schifferstadt in der Antwort der Landesregierung die Zahl 46. Damit steht die PI Schifferstadt im landesweiten Vergleich gut da. Drei Zeilen unter Schifferstadt steht zum Beispiel bei der PI Bad Bergzabern die Zahl 374.

Ziel: Sieben Beamte pro Schicht

Ein Vergleich verbietet sich jedoch, sagt Kai Giertzsch. Die Situation sei bei jeder Dienststelle anders. Aber klar: „Wir können mit dem Ergebnis gut leben. Das ist weniger als ein Dienst pro Woche, in dem wir unterdurchschnittlich besetzt waren“, sagt Giertzsch. Er hat es ausgerechnet: Es seien 46 von 1095 Schichten.

Etwa 75 bis 80 Mitarbeiter hat er unter seiner Führung. „Ein Großteil fährt auch raus“, sagt der Leiter der PI. Das Ziel in Schifferstadt ist es, dass im Schnitt immer sieben Leute im Dienst sind. Damit soll die PI rund um die Uhr besetzt sein. Gearbeitet wird in Früh- (6 bis 14 Uhr), Spät- (14 bis 21 Uhr) und Nachtschicht (21 bis 6 Uhr).

Am stärksten belastet sei erfahrungsgemäß der Spätdienst, meint Giertzsch. Und selbst wenn es da mal nicht reiche, was die PI auf der Straße im Einsatz habe, kann man im Waldspitzweg trotzdem relativ gelassen bleiben. „Wir haben auf einer relativ geringen Fläche viele Dienststellen“, erläutert Giertzsch. Er verweist darauf, dass zum Beispiel mit Ludwigshafen, Speyer und Frankenthal drei weitere größere Dienststellen in unmittelbarer Nachbarschaft seines Einzugsbereichs sind. „Da können wir in kürzester Zeit Unterstützung bekommen. Wir werden kein Problem bekommen, wenn es mal richtig knallt“, betont Giertzsch. Ja, das sei ein riesengroßes Pfund, mit dem man wuchern könne, auch für das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen. Und den Beamtinnen und Beamten der PI Schifferstadt helfe das ebenfalls.

Bis zu drei Streifen pro Schicht

Zwei bis drei Streifen seien es pro Schicht, erläutert Giertzsch. Und diese fahren andersrum auch mal nach Speyer, wenn die Kollegen dort Hilfe brauchen. „Wenn man über Funk hört, dass eine Streife vielleicht Hilfe brauchen könnte, dann fahren die Kollegen automatisch schon in die Richtung. Man steht sich in unserer Familie bei. Das ist ein schönes Gefühl.“ In der Regel orientiere man sich an der aktuellen Lage. „Wenn möglich, ist immer ein Auto von uns draußen. Aber es gibt auch Ausnahmen“, erklärt der Leiter der PI.

„Wir versuchen immer, die Mindeststärke zu halten“, betont Kai Giertzsch. Dafür betreibe man planerisch einen sehr hohen Aufwand. Wenn man zum Beispiel sehe, dass sich in einer Schicht einer zu viel eingetragen habe und in einer anderen Schicht jemand fehlt, bemühe man sich, zu tauschen. Nur zur Not werde jemand aus seinem freien Tag geholt. „Davon machen wir so wenig wie möglich Gebrauch“, sagt Marco Hinze. „Bevor wir da dran gehen, schauen wir, ob wir nicht irgendwie doch noch verschieben können.“ Der Jahresurlaub bleibe unangetastet.

Giertzsch: Aus Corona viel gelernt

Wenig überraschend: Die Hauptausfallgründe sind laut Kai Giertzsch, wenn die Kollegen krank oder auf Fortbildung sind. Wobei er auch herausstellt: „Wir haben aus Corona viel gelernt.“ Das bedeutet: Wer krank ist, ist krank und bleibt dann eben ein paar Tage zu Hause, kuriert sich aus und kommt eben nicht zum Dienst und steckt die Kollegen noch an.

Selbstverständlich, und da macht Giertzsch gar keinen Hehl draus, hätte er gerne mehr Personal. „Aber wer hätte das dieser Tage nicht?“, fragt er rhetorisch. „Dass wir generell bei der Polizei mehr Personal gebrauchen könnten, ist kein Geheimnis.“ Das Thema Fachkräftemangel ist längst auch bei der Polizei angekommen. Dass manche Dienststellen öfter unter der Mindeststärke waren als zum Beispiel die Schifferstadter, habe verschiedene Ursachen. Da wolle er auf niemanden mit dem Finger zeigen. Vor allem in dem Bewusstsein: „Das Schicksal kann einen auch schnell selbst ereilen.“

Lob an die Kollegen

Ein großes Lob spricht der Leiter der Schifferstadter PI den Kolleginnen und Kollegen im Schichtdienst aus. „Dass es so gut läuft, liegt viel an deren Engagement. In der Regel lösen wir die Probleme auf deren ,Buckel’. So ehrlich muss man sein.“

In Richtung Sommer, das weiß Kai Giertzsch aus Erfahrung, wird der organisatorische Aufwand, den er bei der Dienstplangestaltung betreiben muss, noch etwas höher. „Dann kommen Ferien und entsprechend auch viele Urlaube. Dann wird die Belastung für alle höher. Aber alle tragen das mit, weil sie davon profitieren“, sagt Giertzsch. Er ist davon überzeugt: „Bei aller Belastung, wir haben einen anstrengenden, spannenden und interessanten Job.“

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