Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein Sozialverein Lücken des Gute-Kita-Gesetzes füllen will

Erzieherin Türkan Ilgüner mit den Kindern Ariana, Mohamad, Mahdi, Maria und Karolina (von links). Spielerisch erkunden sie jede
Erzieherin Türkan Ilgüner mit den Kindern Ariana, Mohamad, Mahdi, Maria und Karolina (von links). Spielerisch erkunden sie jede Woche die deutsche Sprache.

Auf Kindertagesstätten lastet ein hoher Anspruch, inhaltlich, personell und organisatorisch. Wie gut, wenn gemeinnützige Initiativen den Erziehern helfen. Ein Beispiel ist der Sozialverein Kunterbunt, der sich darum kümmert, dass Migrantenkinder schneller Deutsch lernen.

Ein roter Würfel rollt über den Tisch, Kinderhände greifen nach Karten und suchen aufgeregt nach dem Bild auf dem Spielplan. Ariana findet den Kochlöffel im ausgelegten Spielhaus als erste. „In der Küche“, ruft sie triumphierend. Es ist Mittwochnachmittag im Gemeindehaus. Was aussieht wie ein gemütlicher Spielenachmittag, ist in Wirklichkeit Sprachförderung, um fünf- bis sechsjährigen Kinder, die noch örtliche Kindertagesstätten besuchen, fit für den Schulstart im Sommer zu machen.

Fit für die Schule bedeutet in diesem Falle vor allem, die Deutschkenntnisse auszubauen, denn Ariana und die anderen Mädchen und Jungen haben alle eins gemeinsam: Deutsch ist nicht ihre Muttersprache. Und wie wichtig Sprache für den zukünftigen Schulerfolg ist, haben Studien längst belegt. „Wir sehen einfach, dass der Start in die Grundschule viel besser gelingt, wenn die Sprache sitzt“, sagt Andrea Hettmannsperger vom Familienbüro des Sozialvereins Kunterbunt, der die Förderstunden finanziert.

Bitteres Lachen als Reaktion auf Kita-Gesetz

Insgesamt 15 Kinder aus verschiedenen Herkunftsländern wie Ukraine, Afghanistan oder Syrien werden in Gruppen zweimal die Woche gefördert. Dafür kommen montags und mittwochs die ausgebildeten Erzieherinnen Julia Büffor und Türkan Ilgüner, die sich in der Sprachförderung fortgebildet haben, ins Bobenheim-Roxheimer Gemeindezentrum und packen Bildkarten, Ordner und Lernprojekte aus. Was die beiden Damen hier wöchentlich erledigen – individuelle Förderung, Sprache anregen und den Wortschatz erweitern –, soll eigentlich nebenbei in den Kitas passieren. So zumindest stellen es sich die Macher des Gute-Kita-Gesetzes vor.

Türkan Ilgüner entschlüpft, wenn sie darüber spricht, ein bitteres Lachen. „In Gruppen von bis zu 25 Kindern fehlt schlicht die Zeit, und Sprachförderung lässt sich nicht im Vorbeigehen erledigen“, sagt sie. Vor der Einführung des neuen Landesgesetzes seien für die Förderung in Kleingruppen in der Kita Stunden eingeplant gewesen, um unterschiedlichen Niveaus gerecht werden. Gerade zurückhaltende Kinder, die zu Hause kaum oder sehr wenig Deutsch sprächen, beteiligten sich im normalen Kita-Alltag wenig an Spielen und Aktivitäten, bei denen Sprachkompetenz gefragt sei, so die Erfahrung der Erzieherin.

Schwerpunkt auf regelmäßige Übungen

Durch das neue Kita-Gesetz und den Wegfall an Sprachförderstunden, klafft also eine Lücke, die in Bobenheim-Roxheim der Sozialverein Kunterbunt schließen will. Finanziell, indem er die Erzieherinnen entlohnt, und organisatorisch mit dem Einsatz von zusätzlichen Ehrenamtlichen. Denn neben Julia Büffor und Türkan Ilgüner engagieren sich noch Rita Zimmermann und Inge Necker-Bohnert. Sie wiederholen die durch die Erzieherinnen eingeführten Übungen und Spiele jeden Donnerstag und Freitag. Denn gerade beim Spracherwerb gilt die Regel: Viel hilft viel. Nur wenn die Kinder regelmäßig üben, werden sie sicherer. Welche Kinder am nachmittäglichen Förderprogramm teilnehmen können, legen die Bobenheim-Roxheimer Kindergärten selbst fest.

„Der Bedarf ist da und im vergangenen Jahr nach dem Zuzug ukrainischer Kinder noch einmal gewachsen“, sagt Hettmannsperger. „Wenn wir Kinder in diesem Alter nicht helfen, geraten sie einfach immer weiter ins Hintertreffen.“

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