Neuhofen
Wie ein Neuhofener afrikanische Musiker unterstützen will
Kester Iyemere ist für ihn der nigerianische Jimi Hendrix, Godfrey Odili gewissermaßen ein zweiter Herbie Hancock. Betty Padgett genauso eine Entdeckung wert wie Bongos Ikwue oder Okyeame Kwame Bediako. Mutschke kennt und nennt Namen, die nur wenigen Liebhabern ein Begriff sind. Dass er auf sie gestoßen ist, hat eine längere Vorgeschichte.
Seit Jahren handelt der gelernte Betriebswirt, der aus Limburgerhof stammt, mit gebrauchtem Vinyl. Begonnen hat er 2013 mit einem Bestand von ungefähr 5000 Scheiben. Heute hat er etwa 12.000 Langspielplatten und Singles auf Lager, die er über seinen „Laden3.0“ und die einschlägige Internet-Datenbank Discogs vertreibt. „Die teuersten Platten, die im Netz angeboten werden“, konnte er dabei feststellen, „kommen aus Afrika“.
Die Musik macht immer wieder Laune
Die Musik, die darauf zu hören ist, hat es Mutschke selbst angetan. Der Afrobeat, der Funk, Jazz, Soul und traditionelle afrikanische Musik in sich vereint, gebe ihm Energie, werde niemals langweilig und mache immer wieder Laune, mehr davon zu entdecken. Viele Stücke hätten eine lange Spieldauer von 15 bis 20 Minuten, seien dramaturgisch aufgebaut und enthielten im Text oftmals einen politischen Appell, führt der 37-Jährige aus. „Die Musik ist sehr lebendig und mitreißend.“ Als Referenz nennt Mutschke den Nigerianer Fela Kuti (1938 bis 1997), der auch als Begründer des Afrobeat gilt.
Der erste afrikanische Partner des Neuhofeners wurde 2017 der Ludwigshafener Kfz-Meister und ghanaische Stammeskönig Céphas Bansah, dem im Jahr darauf ein Nigerianer nachfolgte, der die umfängliche Plattensammlung eines Radio-DJs geerbt hatte. „Mir war zu Projektbeginn nicht klar, wohin die Reise geht“, berichtet Mutschke heute. „Es war als reines Experiment gedacht und begann mit einer Tüte voll LPs.“ Mittlerweile habe er jedoch über 3000 westafrikanische Langspielplatten, überwiegend aus Ghana und Nigeria, katalogisiert, nötigenfalls gereinigt, angeboten und zum Teil verkauft. Die Kunden, die er über seinen Online-Handel weltweit erreicht, kommen überwiegend aus USA, Europa und Japan.
Die Idee ist, ein Fairtrade-Label zu gründen
Céphas Bansah nutzt die Einnahmen, die er aus den Plattenkäufen erhält, für den Aufbau von Schulen, Krankenhäusern und der Infrastruktur in seiner Heimat. Mutschke möchte seine Handelsbeziehungen zu Afrika weiter ausbauen. Nicht um Geld zu verdienen, wie er betont: „Mir geht's nur um die tolle Musik und darum, dass sie hier Hörer findet.“ Der Gewinn, verspricht er, solle komplett nach Afrika gehen, an die Menschen, aus deren Besitz die Platten stammen. „Meine Motivation ist einfach, neue Musik zu entdecken“, so Mutschke. „Dabei komme ich voll und ganz auf meine Kosten.“
Unter den Stücken, mit denen er handelt, hätten sich nämlich schon so einige gefunden, die völlig unbekannt gewesen seien und noch in keiner Diskografie verzeichnet. „Das sind sozusagen Unikate.“
Etliche solcher Aufnahmen aus den 1970er- bis 1990er-Jahren, auf die er auf diese Weise gestoßen sei, seien es unbedingt wert, neu veröffentlicht zu werden, meint Mutschke. Am besten auf Vinyl, gegebenenfalls aber auch auf CD oder als Mp3-Datei. „Das ist eine Idee, die ich sehr gerne umsetzen würde“, erklärt der Musikliebhaber: „Verschollene LPs aus Afrika mit einem dafür neu gegründeten Fairtrade-Label nachzupressen und dafür zu sorgen, dass die Einnahmen an die Musiker oder ihre Angehörigen und an Hilfsprojekte gehen.“ Mitstreiter, die dazu beitragen möchten, dieses beachtenswerte Projekt zu verwirklichen, sind ihm herzlich willkommen.