Rhein-Pfalz-Kreis / Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Speyerbach Leben und Landschaft in der Vorderpfalz prägt

Am Hanhofer Wassergescheid: Hier trennen sich Speyerbach und Woogbach (rechts).
Am Hanhofer Wassergescheid: Hier trennen sich Speyerbach und Woogbach (rechts).

Der Speyerbach fließt vom Pfälzerwald bis zum Rhein und prägt die Vorderpfalz. Vom Hochwasserschutz bis zur Freizeitnutzung: ein Bach mit vielen Facetten.

Ruhig fließt der Speyerbach durch die Landschaft. Bei Hanhofen ist er nur am Wassergescheid zwischen dem Peterhof und der Kreisstraße wahrnehmbar, wo das Wasser an eine Sandsteinmauer schlägt und dadurch leise plätschert. Das Bauwerk, das laut Jürgen Rieger vom Gewässerzweckverband Rehbach-Speyerbach vor einigen Jahren saniert wurde, teilt den Fluss in zwei Arme. Der linke Abzweig bildet den Woogbach, der etwa zur Hälfte vom Wasser des Speyerbachs gespeist wird und durch Hanhofen Richtung Dudenhofen nach Speyer fließt, um später wieder in den Speyerbach zu münden – dazu später mehr.

Der eigentliche Speyerbach fließt ab dem Wassergescheid nahezu geräuschlos in einem breiten Flussbett, gesäumt von Birken und Pappeln. Die Idylle, nur etwa 200 Meter vom Dorf entfernt, wird lediglich durch Verkehrsgeräusche gestört. Bevor der Bach in Hanhofen ankommt, passiert er eine Brücke unter der Kreisstraße. Anschließend verläuft er entlang von Gärten, in denen sich Kinderrutschen, Hochbeete, Sitzgruppen und Rasenflächen befinden. Die angrenzenden Häuser liegen etwas erhöht und mit Abstand zum Bach, der durch seine Zuflüsse – wie den Modenbach – mit der Verteilung des Wassers auch eine wichtige Rolle im Hochwasserschutz übernimmt.

Hochwasserschutz hat große Bedeutung

Der Speyerbach ist das größte Fließgewässer der Vorderpfalz. Sein Ursprung liegt am Eschkopf bei Speyerbrunn im Pfälzerwald, er wird vom Erlenbach gespeist. Nach Angaben der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd umfasst das Einzugsgebiet des Speyerbachs 596 Quadratkilometer. Im Durchschnitt fließen pro Sekunde ein bis fünf Kubikmeter Wasser durch den Bach. Doch nach starken Regenfällen kann das Wasservolumen erheblich ansteigen. Ein historisches Beispiel dafür ist die Flutkatastrophe von 1882: Nach Schnee- und Starkregenfällen sowie Tauwetter überschwemmte der Speyerbach das Stadtzentrum von Neustadt, brachte Häuser zum Einsturz und hinterließ Schäden, an die noch heute Hochwassermarken an Türpfosten erinnern.

Um solche Ereignisse zu verhindern, wurden umfangreiche Schutzmaßnahmen ergriffen. Dazu zählen Deiche, Mauern, Schöpfwerke und das Hochwasserpumpwerk in Speyer nahe dem Sealife. Dieses schützt die Altstadt vor Rückstau, wenn der Rhein Hochwasser führt. Südlich von Dudenhofen im Rhein-Pfalz-Kreis, wo der Speyerbach entlang der Ortsbebauung fließt, warnt ein Pegel am Ende der Ernst-Reuter-Straße vor potenziellen Hochwassergefahren. Das Flussbett ist jedoch mehr als zwei Meter tief, und der Wasserstand lag vergangene Woche bei lediglich 20 Zentimetern.

Im Mittelalter als Transportweg genutzt

Im Dezember 1993 und im Juli 1995 erreichte der Pegel in Dudenhofen Höhen von 1,24 beziehungsweise 1,25 Metern – zwei der markantesten Hochwasserereignisse der letzten 30 Jahre, wie die SGD Süd auf ihrer Website dokumentiert. Jürgen Rieger vom Gewässerzweckverband kündigt an, dass östlich von Dudenhofen eine Dammsanierung geplant sei. Problematisch am Speyerbach allgemein seien vor allem Sturmschäden durch umgestürzte Bäume, die den Wasserabfluss behindern, Eingriffe durch Anwohner, etwa durch Kompostablagerungen am Ufer, die Nutzung des Bachs als Abfallplatz oder eine zu dichte Bebauung.

Neben seiner Funktion im Hochwasserschutz hatte der Speyerbach in der Vergangenheit auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Nach Angaben der SGD Süd diente er als Transportweg für Holz. Der Neustadter Martin Grund, der sich auf seiner Website speyerbach.info mit dem Gewässer beschäftigt, erläutert, dass der Speyerbach einst als Triftgewässer für Brenn- und Nutzholz genutzt wurde. Dieser Wirtschaftszweig wurde laut SGD ab 1882 schrittweise aufgegeben.

Bevor der Bach in Hanhofen ankommt, muss er die Brücke an der Kreisstraße 26 passieren.
Bevor der Bach in Hanhofen ankommt, muss er die Brücke an der Kreisstraße 26 passieren.
Zeigt den Wasserstand an: der Pegel an der Ernst-Reuter-Straße in Dudenhofen.
Zeigt den Wasserstand an: der Pegel an der Ernst-Reuter-Straße in Dudenhofen.
Der Speyerbach wird von vielen Menschen in der Freizeit genutzt.
Der Speyerbach wird von vielen Menschen in der Freizeit genutzt.
Netter Hingucker: das Baumwichteltürchen nahe dem Speyerbach und Atzelkreuz bei Dudenhofen.
Netter Hingucker: das Baumwichteltürchen nahe dem Speyerbach und Atzelkreuz bei Dudenhofen.
Hier fließen Speyerbach und Woogbach (im Vordergrund) wieder zusammen: am Mittelsteg in Speyers Altstadt in Sichtweite des Doms.
Hier fließen Speyerbach und Woogbach (im Vordergrund) wieder zusammen: am Mittelsteg in Speyers Altstadt in Sichtweite des Doms.

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Freizeitort für Spaziergänger und Sportler

Heute ist der Speyerbach auch ein beliebter Ort für Freizeitaktivitäten. Zwischen Hanhofen, Harthausen und Dudenhofen laden Wege zu Spaziergängen im Schatten am Bach ein, wobei schade ist, dass es keinen durchgehenden Weg entlang des Gewässers gibt. Während Spaziergänger und Hundebesitzer die Strecke schätzen, sind Reiter mit ihren Pferden nicht erwünscht. Aufmerksame Wanderer entdecken dabei kleine Überraschungen: In der Nähe der Brücke am Atzelkreuz befindet sich am Fuß eines Baumes ein kleines Türchen – das sogenannte Baumwichteltürchen. „Bitte keine Werbung“, steht auf dem dazugehörigen Briefkasten. Ein netter Hingucker, doch Post erhält dieses abgelegene Türchen wohl kaum. Stattdessen prägen Vogelgezwitscher, das Klopfen eines Spechts und das Zirpen der Grillen die Atmosphäre.

Im weiteren Verlauf wird die Umgebung des Speyerbachs vielfältiger. In Speyer erreicht er das Stadtgebiet an der Holzstraße in dem Viertel, in dem unter anderem das Judomaxx, die Verwaltungsuniversität, das Landesuntersuchungsamt für Lebensmittelchemie und das St.-Vincentius-Krankenhaus sind. Hier fließt der Bach fast unsichtbar in einem tiefen, dicht bewachsenen Bett vorbei. Laut Landesamt für Umwelt ist die Wasserqualität des Speyerbachs unbefriedigend, der chemische Zustand wird als nicht gut bewertet.

An der Schützenstraße verschwindet der Bach unterirdisch und fließt größtenteils verdolt als sogenannter Gießhübelbach durch die Stadt. Erst kurz vor dem Mittelsteg in der Speyerer Altstadt tritt er wieder an die Oberfläche und trifft dort auf den Woogbach – jenes Gewässer, das er etwa neun Kilometer zuvor am Hanhofer Wassergescheid mit seinem Wasser speiste. Gemeinsam fließen beide Bäche unter dem Namen Speyerbach weiter Richtung Rhein. Sie passieren das Hochwasserpumpwerk und münden schließlich am alten Hafen bei Rhein-Kilometer 400,3 in den Strom.

Damit endet die rund 60 Kilometer lange Reise des Speyerbachs, der auf seinem Weg von der Quelle bis zur Mündung einen Höhenunterschied von etwa 200 Metern überwunden und Menschen wie Tieren gleichermaßen als Refugium gedient hat.

Die Serie

Die Badeseen im Rhein-Pfalz-Kreis sind bekannt und beliebte Ausflugsziele. Aber auch die Bäche im Kreisgebiet haben Freizeitpotenzial. Besonders für Menschen, die sich für Ökologie und Naturschutz interessieren. In unserer Serie „Bachlauf“ stellen wir sechs solcher Fließgewässer zweiter und dritter Ordnung vor, und zwar bei Spaziergängen an ausgewählten Bachabschnitten.

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