Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Ort fahrradfreundlich werden soll: In die Pedale kommen

In einem langen Abschnitt der Blockfeldstraße gibt es jetzt auf beiden Fahrbahnseiten Schutzstreifen für Fahrradfahrer.
In einem langen Abschnitt der Blockfeldstraße gibt es jetzt auf beiden Fahrbahnseiten Schutzstreifen für Fahrradfahrer.

Eine fahrradfreundliche Gemeinde: Das möchte die Lokale Agenda aus Mutterstadt machen. Auf dem Weg dahin haben Werner Stubenrauch und seine Mitstreiter in Zusammenarbeit mit Verwaltung und Rat bereits einige Meilensteine erreicht – und die nächsten schon im Blick.

Wenn nicht gerade eine weltweite Pandemie Mutterstadt heimsucht, ist in dem Großdorf einiges los. Das bedeutet auch viel Verkehr. „Bis Ende 2020 sollten 15 Prozent davon eigentlich Fahrradfahrer sein. So steht es jedenfalls im nationalen Radverkehrsplan aus dem Jahr 2013“, erinnert Werner Stubenrauch von der Lokalen Agenda 21.

Etliche Mutterstadter würden sich auch gerne für kurze Besorgungen im Ort in den Sattel schwingen, fühlen sich aber vor allem auf den stark befahrenen Hauptverkehrsrouten nicht sicher. In der Folge lassen sie das Fahrrad bisweilen lieber stehen und greifen aufs Auto zurück. So überrascht das Ergebnis der bisher letzten Verkehrszählung, die die Lokale Agenda vor drei Jahren vornahm, kaum: Von allen erfassten Verkehrsteilnehmern saßen damals nur etwas mehr als sechs Prozent auf ihrem Drahtesel. Es gab – und gibt – also Handlungsbedarf.

Intensive Debatten, viele Vorschläge

Den hatte die Lokale Agenda auch schon wesentlich früher erkannt: Vor elf Jahren testete sie zum Beispiel mit einem Fahrradkorso die Fahrradfreundlichkeit und erarbeitete auf ihren Erfahrungen sowie Gesprächen mit Passanten basierend Verbesserungsvorschläge.

2015 wandte sie sich mit ihrem Anliegen, das Fahrradfahren in Mutterstadt attraktiver und sicherer zu gestalten, erneut an die Gemeindeverwaltung. Eine dringende Forderung damals: Schutzstreifen für Radler auf den Straßen.

Im September 2017 lud die Kommune zu einem Workshop zum Thema Radverkehr ein, aus dem der Arbeitskreis Fahrrad hervorging. „Wir durften sogar im Gremium für Verkehrsfragen mitdiskutierten“, erzählt Stubenrauch. Im Februar 2018 hatte der Arbeitskreis nach intensiven Debatten eine Liste mit mehreren Vorschlägen erstellt. So sollten auf einem längeren Abschnitt der Blockfeldstraße auf beiden Seiten der Fahrbahn Schutzstreifen entstehen, die Gartenstraße zur Fahrradstraße und an mehreren Stellen im Dorf Hinweisschilder angebracht werden, um auswärtigen wie einheimischen Radfahrern die Orientierung zu erleichtern.

Subjektives Sicherheitsgefühl gestiegen

Im Frühjahr 2020 war es dann endlich so weit: Die Fahrradstreifen wurden eingezeichnet, und – ein günstiger Zufall – fast zeitgleich der Schutz der Fahrradfahrer auf diesen Streifen in der Straßenverkehrsordnung verbessert. Das sei bei der Zielgruppe gut angekommen. „Das subjektive Sicherheitsgefühl ist deutlich gestiegen“, erklärt Stubenrauch. „Die Radler fühlen sich besser gesehen und geschützt sowie von den Autofahrern mehr respektiert.“ Dass auf den Schutzstreifen nun ein generelles Halteverbot gelte, habe sich aber leider noch nicht bis zu jedem motorisierten Verkehrsteilnehmer herumgesprochen. Ebenso wenig, dass sie etwa mit dem Auto nur ganz kurz über die Streifen fahren dürften, um zum Beispiel Gegenverkehr auszuweichen – und das selbstredend ausschließlich dann, wenn dadurch kein Fahrradfahrer gefährdet wird.

Die schon länger angestrebte und vom Gemeinderat 2019 auch beschlossene Umwidmung der Gartenstraße zur Fahrradstraße soll dieses Jahr tatsächlich erfolgen. Sie hatte sich zuletzt wegen der geplanten Erneuerung einer Gasleitung verzögert. Die Gartenstraße ist für dieses Vorhaben laut Stubenrauch geradezu prädestiniert, da auf ihr viele Schüler der Integrierten Gesamtschule unterwegs sind. Geht es nach der Lokalen Agenda, markiert diese Fahrradstraße erst den Anfang. Weitere solcher Strecken sollen folgen, die Fahrradfahrern als Alternative zu den viel befahrenen und als gefährlich empfunden Landesstraßen wie der Speyerer und Neustadter Straße dienen. Als denkbare Beispiele nennt er die Eisenbahn-, Stuhlbruderhof- und Fußgönheimer Straße.

Ziel noch lange nicht erreicht

Bei den geforderten Hinweisschildern sieht der Agendasprecher ebenfalls Fortschritte. An 15 wichtigen Kreuzungen habe die Verwaltung einige Exemplare angebracht, die Radlern den Weg zu Einrichtungen wie dem Sportpark oder der S-Bahn im benachbarten Limburgerhof weisen – Entfernungsangaben inklusive. „Das mittlerweile außer auf den Kreis- und Landesstraßen überall Tempo 30 gilt, hatten wir ja auch lange immer wieder angeregt“, merkt er an.

Obwohl die Lokale Agenda alle diese Meilensteine begrüße, sei das Ziel noch lange nicht erreicht. Die nächsten Stationen auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Kommune hat sie daher schon im Fokus: Querungshilfen über die Landstraßen etwa, um von den Radwegen ins Gewerbegebiet An der Fohlenweide zu gelangen. Und das Verbreitern des Fahrradwegs entlang der L 530 nach Maudach, der sich schon seit Jahren in einem schlechten Zustand befinde.

Hinweisschilder wie dieses sollen einheimischen und ortsfremden Fahrradfahrern in Mutterstadt bei der Orientierung helfen.
Hinweisschilder wie dieses sollen einheimischen und ortsfremden Fahrradfahrern in Mutterstadt bei der Orientierung helfen.
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