Harthausen
Wie der neue Leiter der Kita St. Dominikus seine Arbeit angeht
Der 44 Jahre alte Gabriel Salzmann, Erzieher und Theaterpädagoge mit Zusatzausbildung in motivierender Gesprächsführung sowie Vater von zwei Kindern, ist der neue Leiter der Kita St. Dominikus in Harthausen. Der Nachfolger von Ute Wirtgen lebt schon etliche Jahre im Tabakdorf. Seine Frau Steffi ist Harthausenerin. Sie arbeitet ebenfalls im pädagogischen Bereich an einer Schule. „Ich bin damit sehr nah dran an den Themen der Eltern, kann die Probleme und den teils herrschenden Frust gut nachvollziehen“, sagt Salzmann im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
In seiner neuen Funktion sieht er sich in einem Spannungsfeld verschiedener Ansprüche, das er bestmöglich managen muss: Es fordern ihn die seiner Einrichtung anvertrauten Kinder, die 16 Erzieherinnen, darunter ein Mann („ein prächtiges Team“), die Küchen- und Putzkräfte sowie der Hausmeister, Eltern, der Träger, die Pfarrei Hl. Hildegard von Bingen (Dudenhofen) und nicht zuletzt die politische Gemeinde als Verantwortliche für das Gebäude. Leider kennzeichnet Mangel Salzmanns Lage: „Wir haben eine Betriebserlaubnis für 140 Kinder. Mehr als 107 können wir aber nicht betreuen. Der Grund: Personalmangel. Drei Stellen sind derzeit offen“, erzählt er. Wie lang die Warteliste ist, verrät Salzmann nicht. „Täglich bekomme ich Anfragen, täglich steht jemand vor der Tür, der einen Platz sucht.“ Er warnt vor Illusionen: „Die gerade entstehende Kita-Gruppe im Pfarrheim als zusätzliches kommunales Angebot wird das Loch nicht stopfen.“
„Viel Humor, viel Zuhören“
Die Lage begreift Salzmann aber als Herausforderung. Die er nach 20 Jahren Berufserfahrung in allen Bereichen der Erziehungsarbeit – zuletzt hat er für die Ökumenische Fördergemeinschaft Ludwigshafen sozialpädagogische Arbeit mit Schülern der IGS Gartenstadt gemacht – in der ihm eigenen „professionellen Gelassenheit“ angeht. Viel Humor, viel zuhören, zugeben „Ich bin der Neue“ – „das hilft mir beim Türen öffnen auf allen Ebenen“, sagt er. Und: „Nein, ich habe gar nichts geändert, als ich hierhin gekommen bin“, unterstreicht er seinen Ansatz. Er wolle einen offenen Umgang mit seinem Team pflegen. Alle sollen ihre Sicht der Dinge sagen, sich selbst mit ihren Ideen in die Arbeit einbringen können.
Das Miteinander sei von Anfang an da gewesen. Er sei vorbehaltlos willkommen geheißen worden. Die Kinder hätten eine Begrüßungsparty für ihn ausgerichtet. Von Eltern erhalte er erste Signale, dass ein neuer Geist in der Einrichtung spürbar sei. Er könne aber auch ein gewisses Maß an Verunsicherung gut verstehen. Schließlich habe es zwischen dem Ausscheiden seiner Vorgängerin und seinem Start eine längere Vakanz gegeben. Wirtgen habe ihn in Form der teilnehmenden Beobachtung eingearbeitet und mit den Problemen vertraut gemacht, blickt er zurück. „Ich ziehe den Hut vor ihr. Was sie alles allein gestemmt hat. Respekt.“
Fußballprojekt mit ASV Harthausen
„Doch die Arbeit klappt schon nach meinen Vorstellungen“, berichtet er: Sein Team halte ihm den Rücken frei und schirme ihn ab, wenn er Gespräche führen und am Schreibtisch arbeiten müsse. Doch immer öfter stehe inzwischen die Tür offen. Jeder und jede komme mit Ideen und Fragen zu ihm. Das erste auf diese Weise schon generierte Projekt sieht der Besucher schon beim Eintreten im Vorraum der Kita: einen grünen Pappkarton mit Fußballfeldmarkierung. Es ist ein Hinweis auf das Kita-Fußballprojekt. Das Thema sei von den Kindern gekommen. Eine Erzieherin habe vorgeschlagen, über ihren persönlichen Kontakt zum ASV Harthausen anzufragen, der Verein habe sofort zugesagt und lasse die Gruppe auf den Platz, berichtet Salzmann. Dann spricht der versierte Erzieher aus ihm: „Das ist dann so vieles in einem: Die Kinder machen Sozialraumerfahrung beim gemeinsamen Gang zum Sportplatz, dazu haben sie Verkehrserziehung, lernen Toleranz und Akzeptanz beim Sport, über das Miteinander. Erfahren Natur, Dorfgemeinschaft und der Verein hat auch etwas davon. Ein tolles gemeinsames Projekt“, findet Salzmann.
Gemeinsamkeit ist ein Leitmotiv seiner Arbeit. Die Kolleginnen und Kollegen müssen morgens gerne kommen und sich kümmern wollen. „Und das tun sie“, glaubt er. Er habe das Gefühl, da auf gutem Weg zu sein. Teambesprechungen helfen, den Alltag zwischen 7 und 16 Uhr, freitags bis 13 Uhr, zu strukturieren und die Aufgaben zu organisieren. Dabei gehe es nicht immer nur um harte Arbeit, auch die Kommunikation und das Miteinander seien extrem wichtig, weiß er. „Es ist alles sehr viel im Moment“, gesteht der „Neue“ ein. Zumal er „nebenher“ noch seine Leitungsqualifikation erwerben muss. Das heißt 15 Tage Schulung außer Haus bis Juni 2025. „Aber ich wusste früh, dass ich beruflich mit Menschen arbeiten und keine Akten wälzen will“, begründet Salzmann seine Berufswahl. „Und was mache ich heute? Ich sitze am Schreibtisch mit Akten und Plänen“, schiebt er hinterher und grinst. Humor ist sein Ding.
Zur Person: Ute Wirtgen
22 Jahre lang hat Ute Wirtgen die Kindertagesstätte St. Dominikus in Harthausen geleitet. Am 1. Oktober hat die Passivphase ihrer Altersteilzeit begonnen, 2027 geht sie in den Ruhestand. „Ich hatte immer gerne mit Kindern zu tun. Sie fehlen mir schon“, sagt sie auf Anfrage der RHEINPFALZ. Sie habe ihre Aufgabe geliebt. Sie besuche hin und wieder die Kita. Dann freuten sich die Kinder, erzählen, dass sie die „Ute“ in der Eisdiele oder auf dem Fahrrad im Dorf gesehen hätten. „Und ich kann ihnen wieder mal über den Kopf streichen“, schwärmt die Speyererin, die seit 30 Jahren mit ihrer Familie im Tabakdorf wohnt, 1981 ihre Ausbildung begann und seither 43 Jahre lang bei der katholischen Kirche angestellt war. Für 140 Kinder und 29 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen war sie in der Spitze verantwortlich. Mit insgesamt vier Pfarrern als Chefs musste sie klarkommen. Seit Oktober lasse sie es ruhiger angehen, könne wieder Freunde und Freundinnen treffen – „auch während der Woche“ – und ihren Hobbys nachgehen. Das heißt mehrmals die Woche Fitness-Studio, Nähen, Patchwork, Socken, Mützen und Pullover stricken für Obdachlose sowie Reisen bestimmen jetzt den Alltag. Zuletzt waren ihr Mann und sie mit dem Reisemobil in Schweden, nächstes Ziel ist Prag. „Langweilig ist mir nicht“, versichert Wirtgen.