Rhein-Pfalz Kreis Werte wie vor zehn Jahren
Ludwigshafen. Dass die Nitratwerte im Grundwasser nicht nur für die EU ein interessantes Thema sind, hat der Ansturm auf das Labormobil des Vereins zum Schutze des Rheins und seiner Nebengewässer (VSR) Ende August in Limburgerhof gezeigt. 91 Menschen aus dem Rhein-Pfalz-Kreis und der Stadt Ludwigshafen ließen ihr Brunnenwasser untersuchen. Die Ergebnisse liegen nun vor – und zum Teil weit oberhalb des empfohlenen Grenzwerts.
Im Vorfeld des Limburgerhofer Termins hatte Harald Gülzow, Diplom-Physiker im Auftrag des VSR, noch allerlei Ermutigendes berichtet. Zum Beispiel, dass die von seinem Verein gemessenen Nitratwerte im Rhein-Pfalz-Kreis in den vergangenen Jahren gesunken waren und beim letzten Besuch 2011 kaum einer über 150 Milligramm pro Liter lag. Damit bewegten sich die Ergebnisse zwar nach wie vor jenseits der von europäischen und deutschen Richtlinien erwünschten 50 Milligramm pro Liter, waren dem Schwellenwert aber deutlich näher als noch vor zehn oder 15 Jahren. Gülzow hoffte auf eine Fortsetzung des positiven Trends – ist aber zumindest teilweise enttäuscht worden. Bei 30 Prozent der 91 untersuchten Proben aus dem Kreis und der Stadt lag der Nitratgehalt den Angaben des VSR zufolge diesmal oberhalb des Grenzwerts der deutschen Trinkwasserverordnung – in zwei Brunnen im Kreis war er sogar mehr als sechs mal so hoch und kratzte damit an den Ergebnissen der überwunden geglaubten Vergangenheit. Die Überprüfung eines privat genutzten Brunnens in Assenheim etwa ergab einen Wert von 322 Milligramm pro Liter. An zweiter Stelle liegt ein Brunnen aus Mutterstadt mit 310 mg/l. Erwähnung finden im Bericht des VSR auch ein Brunnen aus Dannstadt mit 165 mg/l und einer aus Limburgerhof mit 127 mg/l. Aus dem Ludwigshafener Stadtteil Ruchheim kommt einer mit 100 mg/l hinzu. Für Harald Gülzow sind besonders die Werte aus dem Assenheimer und dem Mutterstadter Brunnen unerfreulich bis bedenklich. Er betont jedoch, dass der Anstieg keine so große Überraschung sei. „In landwirtschaftlich geprägten Gebieten wie dem Rhein-Pfalz-Kreis ist so etwas keine Seltenheit“, sagt er. Die Abweichungen hingen eben auch vom Düngeverhalten der Bauern im Umfeld des jeweiligen Brunnens ab – und das könne sich von Jahr zu Jahr ändern. Ein Problem sei, dass das Gemüse, das im Landkreis wächst, relativ flache Wurzeln habe, an denen der Dünger recht schnell vorbei sickere. „Dann muss nachgedüngt werden und all das, was von den Wurzeln nicht aufgenommen wird, wandert ins Grundwasser weiter.“ Die überraschend hohen Nitratwerte aus einigen Brunnen ließen sich damit gut erklären. Auch warum diese Nitratwerte unerwünscht sind, lässt sich gut erklären: Zum einen bergen sie Risiken für Schwangere, Säuglinge und Personen, die unter bestimmten Darmerkrankungen leiden. Da die meistens kein Grundwasser trinken, scheint das auf den ersten Blick von untergeordneter Bedeutung. Laut Harald Gülzow ist es das aber nicht. „Wenn es für die Versorger in Zukunft aufwendiger wird, Wasser zu liefern, das den Grenzwert einhält, werden die Preise für Leitungswasser steigen“, meint er. Dann sei der Bürger der Verlierer. Noch deutlicher seien aber die Auswirkungen auf die Natur. Das Grundwasser speise Flüsse und Seen. „Und was passiert, wenn denen zu viel Dünger zugeführt wird, das weiß man ja: Sie kippen“, sagt der VSR-Mann. Letztlich wirke sich ein hoher Nitratgehalt im Grundwasser über die Flüsse auch aufs Meer aus, da die Düngemittel das Algenwachstum anregten. „Jeder, der schon mal an Nordsee Urlaub gemacht hat, wird das Phänomen des weißen Schaums kennen, der da oft an die Küste gespült wird. Das ist Eiweißschaum, der von den Algen kommt“, erklärt Gülzow. Gegen die Verschmutzung von Gewässern kämpft der VSR seit den 70er Jahren – und fühlt sich dabei von den deutschen Gesetzgebern nicht gut unterstützt. „Seit 1991 gibt es eine Nitratrichtlinie der EU“, sagt Gülzow. Schon damals sei ein Grenzwert von 50 Milligramm festgelegt worden, der später in die deutsche Wasserrahmenrichtlinie und die Düngeverordnung übernommen wurde. „Wir schaffen es seit 25 Jahren nicht, die Einhaltung des Richtwerts durchzusetzen“, kritisiert Gülzow und erklärt das unter anderem damit, dass nie Gesetze erlassen wurden, nach denen man Verstöße ahnden könnte. Weil die Bundesrepublik ihre Hausaufgaben im Fach Nitratwerte nicht gemacht hat, wird sie nun von der EU verklagt. Gülzow hofft, dass das „Bewegung in die Sache bringt“. Es wird aber noch dauern, bis sich wirklich etwas tut. Bis dahin empfiehlt er Ottonormalverbrauchern aus dem Landkreis, die auf das große Ganze keinen Einfluss haben, im Kleinen aber Flagge zeigen wollen, vor allem eins: Augen auf beim Einkauf. Wer seinen Beitrag zur Senkung der Nitratwerte leisten wolle, habe an der Ladentheke jederzeit die Wahl. Für etwas mehr Geld gebe es weit weniger gespritztes Obst und Gemüse. Die Entscheidung müsse eben jeder selbst treffen.