Rhein-Pfalz Kreis Wer rennt, hilft anderen

MUTTERSTADT. Rund 2000 Euro haben die Schüler der fünften bis siebten Klassen der IGS Mutterstadt bereits für die „Aktion Hilfreich“ erlaufen. Doch es soll mindestens doppelt so viel werden. Abhängig ist das auch von den Spendern. Mit dem Geld wollen die Schüler bedürftigen Kindern in der Region helfen.
Gespannt warten die Kinder der Klasse 6b auf den Startschuss zu ihrem halbstündigen Lauf rund um die 200 Meter umfassende Sporthalle. „Lauft so viele Runden, wie ihr schafft. Wer nicht mehr kann, geht“, gibt Mathematik- und Religionslehrerin Franziska Baumann letzte Anweisungen an ihre Klasse. Denn manche der Schüler sind leicht verletzt oder erkältet. Trotzdem wollen sie mitmachen, um für bedürftige Kinder ihrer Region Spenden zu erlaufen. „Kinder, vor allem Schulkinder, die akut von Armut betroffen sind, sollen durch die ,Aktion Hilfreich’ unterstützt werden“, sagt Edith Wingenfeld, Gründerin von „Direkt für Kinder“. Die gemeinnützige Gesellschaft feiert dieses Jahr ihr fünfjähriges Bestehen und will in naher Zukunft 1000 Kindern und Jugendlichen mit Sachspenden geholfen haben. Spendengelder kommen laut Wingenfeld unbürokratisch und schnell in Form eines Kindergutscheins, der einen Einkauf auf Rechnung ermöglicht, direkt bei Kindern in Rheinland-Pfalz an. Mit den Gutscheinen können sich betroffene Familien in bestimmten Warenhäusern und bei Geschäftspartnern der Gesellschaft versorgen. Am Lauf in Mutterstadt nehmen über mehrere Tage verteilt alle fünften, sechsten und siebten Klassen der Integrierten Gesamtschule teil. Gerade während der Hitze der vergangenen Tage ließen die Lehrer die Schüler aber auch viel gehen und Trinkpausen einlegen. „Aber jetzt ist die Temperatur angenehm“, meint Baumann. „Sport ist zum Auspowern wichtig, vor allem bei den Kleineren. Sie werden sonst wuselig. Und den Lauf machen sie lieber als Reli-Unterricht“, sagt sie lachend. So sei allen geholfen. Die Kinder wollten zudem „total gern“ spenden. Jeder Schüler hat im Vorfeld eine Aktionskarte bekommen, auf der sich Spender eintragen und angeben können, wie viel Geld sie bereit sind, pro erlaufenem Kilometer zu geben. „Vorher haben wir besprochen, was für ein Kind wichtig ist, was es braucht, was ohne Geld geht. Und was nicht“, sagt die Lehrerin. Armut in Deutschland gebe es, sie sei nur versteckt, sagt Jörg Klees, der die Stufenleitung der fünften und sechsten Klassen inne hat. „Es gibt genug Kinder, die nicht mithalten können. Und die sich schämen.“ Zum Thema gab es im Vorfeld auch ausgearbeitete Unterrichtsstunden, die die Lehrer nutzen konnten, erzählt Klees. Nur eine Klasse habe etwas verhalten reagiert – aber trotzdem schon 500 Euro gesammelt. Momentan habe man etwa 2000 Euro. „Ich denke, wir können die Summe verdoppeln“, meint Klees optimistisch. Ein Vater habe 80 Euro gespendet, das sei Wahnsinn.