Leute im Landkreis RHEINPFALZ Plus Artikel „Wer nichts macht, darf nicht motzen“: Lara Biello berichtet, warum sie sich politisch engagiert

Lara Biello mag den Mutterstadter Wald. Hier finden die schönen Waldfeste statt und hier geht sie gerne spazieren zum Ausgleich
Lara Biello mag den Mutterstadter Wald. Hier finden die schönen Waldfeste statt und hier geht sie gerne spazieren zum Ausgleich von Arbeit und Politik.

Mit 24 Jahren ist Lara Biello aus Mutterstadt das jüngste Mitglied im Kreistag. Sie ist zwar ganz neu in diesem Gremium, aber Know-how wird sie mit Sicherheit einbringen. Die junge Frau hat gerade in Limburgerhof ihre Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte beendet und arbeitet dort nun im Asylbereich.

Der Treffpunkt mit Lara Biello ist das Limburgerhofer Rathaus. Nach Feierabend. Da es draußen recht heiß ist, bittet sie in ihr Büro. Um diese Zeit geht es von hinten ins Rathaus. Der Haupteingang ist geschlossen. Drinnen wird bereits eifrig geputzt. Lara Biello grüßt links und rechts die Leute. Jeder hier am Burgunder Platz scheint sie zu kennen. Dabei ist Lara Biello Mutterstadterin durch und durch. „Da kennen mich noch viel mehr Menschen“, sagt sie und lacht. Aber Limburgerhof ist eben seit 2021 ihr Arbeitsplatz und in der Kirchengemeinde hier ist sie ebenfalls engagiert. Überhaupt ist Lara Biello ehrenamtlich unglaublich aktiv. Auch ein Grund, warum sie in beiden Gemeinden so bekannt ist.

2024 ist schon jetzt ein besonderes Jahr für Lara Biello. Im Juni hat sie ihre Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte bei der Gemeinde Limburgerhof erfolgreich abgeschlossen und arbeitet jetzt in der Ausländerbehörde. „Ich denke, das passt für mich gut, denn ich arbeite gerne mit Menschen“, sagt sie. Während ihrer Ausbildung hat sie auch die anderen Fachabteilungen kennengelernt. „Ich war einige Zeit in der Personalabteilung, beim Ordnungsamt und in der Finanzabteilung. Zahlen liegen mir allerdings nicht so“, sagt sie und grinst. Als ihre jetzige Stelle am Ende ihrer Ausbildung ausgeschrieben worden war, hat sie sich sofort darauf beworben und sie bekommen. „Das hat mich total gefreut.“

Corona hat ihre Pläne verändert

Eigentlich wollte Lara Biello nach dem Abitur studieren. Sie hatte damit auch begonnen. Katholische Theologie und Deutsch auf Lehramt an der Uni in Landau. Dann aber kam Corona. Es lief nichts mehr richtig. Vorlesungen gab es allenfalls online. „Die Bibliotheken hatten geschlossen und es wurde nahezu unmöglich, Hausarbeiten zu schreiben.“ Lara Biello plante um. Zumal ihr Opa pflegebedürftig wurde und sie das mit ihrer Mutter gemeinsam bewerkstelligen wollte. Lara Biello begann ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Kirche, genauer: beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Speyer. Und da sie dort viel Büroarbeit machte, fand sie es im Anschluss eine gute Idee, sich um eine Ausbildung bei der Verwaltung in Limburgerhof zu bewerben. Sofort nach dem Bewerbungsgespräch bekam sie die Zusage und los ging’s. „Politik und Verwaltung, das passt sehr gut“, sagt Lara Biello und freut sich, dass nun alles so gekommen ist, wie es jetzt ist.

Politik! Ja, in diesem Jahr ist die junge Mutterstadterin für die CDU in den Kreistag gewählt worden. Auch ein besonderes Ereignis. Auch im Juni. „Ich war auf Listenplatz elf und habe mit gar nichts gerechnet. Vor mir und nach mir standen Leute, die schon viel länger dabei sind. Leute, die man bereits kennt.“ Aber schwupps hat es eben doch geklappt. „Und ich konnte es gar nicht recht glauben, ich habe meine Mutter noch einmal aufs Ergebnis gucken lassen, ob es auch wirklich stimmt“, sagt sie und lacht wieder. Aber Lara Biello kam ja auch gleich beim ersten Anlauf in den Mutterstadter Gemeinderat.

Das war vor fünf Jahren bei den Kommunalwahlen 2019. Sie war damals angesprochen worden. Junge Leute, noch dazu Frauen, würden für die Kommunalpolitik gesucht. Zu dem Zeitpunkt war sie bereits in der Jungen Union. Lara Biello war bereit für die Liste. Doch auch da dachte sie, es passiert schon nix – und zack war sie Gemeinderatsmitglied. „Ich hatte nach dem Abi viel Zeit und war für den Wahlkampf bei unheimlich vielen Vor-Ort-Terminen dabei. Das hat richtig Spaß gemacht und scheinbar auch geholfen“, berichtet die 24-Jährige.

„Ich liebe Mutterstadt. Es ist mein Zuhause.“

Im Mutterstadter Gemeinderat ist sie auch nach der Wahl im Juni noch. Außerdem ist sie im Vorstand des CDU-Ortsverbands. Sie ist im Ortsvorstand der Jungen Union Limburgerhof/Mutterstadt. Sie ist im Kreisvorstand der Jungen Union. Und sie ist im Kreisvorstand der Frauenunion. Ach so, ja: Im Kreisvorstand der CDU ist sie auch noch. Puh, ganz schön viel Ehrenamt. Dazu ihr Engagement in der Kirche. Lara Biello lacht. „Aber es macht mir Spaß. Und: Wer nichts macht, darf auch nicht motzen“, sagt sie.

Bei der CDU sieht sich Lara Biello mit ihren Werten am besten aufgehoben. „Ich bin ja, wie gesagt, auch in der Kirche sehr aktiv.“ Außerdem gesteht sie, mag sie Angela Merkel. „In der Zeit als sie Bundeskanzlerin war, ist nicht alles richtig gelaufen, und dessen war sie sich, glaube ich, immer bewusst. Aber sie ist stets ruhig und sachlich geblieben. Unaufgeregt. Das schätzte ich immer sehr.“ Ob sie selbst mal in die Bundespolitik will, weiß Lara Biello noch nicht. Berlin ist ihr eigentlich zu weit weg. Sie ist lieber in der Nähe ihrer Familie und ihrer Freunde. „Und ich liebe Mutterstadt. Ich wohne hier so gerne. Es ist mein Zuhause. Gerade in der Ortspolitik kann man etwas tun, um einen Ort lebens- und liebenswert zu halten.“ Deshalb ist ihr die Arbeit im Gemeinderat so wichtig.

Für die Jugendlichen in Mutterstadt hätte sie gerne attraktivere Treffpunkte. Sie sollten nicht auf einem Parkplatz auf dem Boden sitzen müssen, an Orten an denen sie zudem nicht gelitten seien, findet sie. Auch die Straßensituation samt Gehsteigen findet sie nicht überall optimal. „Ich merke es, wie schmal es oft wird, und man auf die Straße ausweichen muss, wenn ich meinen Opa im Rollstuhl durch Mutterstadt schiebe.“ Was auf Kreisebene die Themen sein werden, weiß sie noch nicht genau. Bislang war nur konstituierende Sitzung. Inhaltlich werde in den Kreisgremien erst nach der Sommerpause gearbeitet.

Von ihrer Arbeit im Limburgerhofer Rathaus – dort betreut sie Flüchtlinge mit ihren Anliegen und kümmert sich um die Unterkünfte – weiß sie, dass Flüchtlingspolitik ein Thema ist, das angepackt werden sollte. Auch weil inzwischen so viel Unmut herrsche. Die Leute unzufrieden seien, verstärkt fremdenfeindliche Äußerungen fielen. Schon während ihrer Schulzeit hätten sich Mitschüler verächtlich geäußert. Nach dem Motto, dass Flüchtlinge ihnen nur die Jobs wegnehmen würden. „Das ist ein großes Ding. Aber vermutlich liegen die Lösungen auf Europaebene“, sagt sie. „Ich weiß nur so viel, keiner flüchtet gerne, keiner verlässt freiwillig seine Heimat. Am Anfang war ich deshalb bei jedem voller Mitleid und hätte am liebsten die ganze Welt retten wollen. Mittlerweile habe ich eine gewisse Routine und schätze Lebenswege und Anliegen auch realistisch ein. Aber abstumpfen möchte ich nicht. Dafür ist mir die Aufgabe zu wichtig.“

Lara Biello hat gerne viele Leute um sich herum. Deshalb bereiten ihr die vielen Treffen, die alle ihre Ehrenämter erfordern, auch keinen Stress. Oder die Fahrt nach Rom, die sie gerade für die Messdiener der beiden Pfarreien Heiliger Sebastian Dannstadt-Schauernheim und Heiliger Christophorus Waldsee organisiert hatte. „Das war eine ganz tolle Woche. Eine Wallfahrt ist immer etwas ganz Besonderes. Wir haben die Stadt erkundet und sind richtig viel gelaufen. Und wir haben natürlich den Papst gesehen.“

Die ruhige Ferienzeit war jetzt aber auch mal ganz schön, meint sie. Zeit zum Kraft tanken. Und zum Eis essen. Das will sie heute Abend unbedingt noch machen. Das Wetter passt und der Feierabend ruft. Also raus an dem Rathaus, das inzwischen geputzt ist.

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