Rhein-Pfalz Kreis Wer kochen will, muss erst mal ackern
Böhl-Iggelheim. Worauf es in der Gastronomie ankommt, lernen derzeit 18 Jungen und Mädchen aus der Vorderpfalz beim Projekt Europa-Miniköche. Und was später mal in die Küche kommt, muss zum Teil erst wachsen. Deshalb ging es am Dienstag auf einen Acker in Böhl-Iggelheim – Gemüse und Salate pflanzen. Daraus sollen leckere Gerichte entstehen.
In einem Halbkreis stehen die zehn und elf Jahre alten Teilnehmer vor Landwirt Johannes Zehfuß und lauschen aufmerksam. 25.000 Quadratmeter umfasst der Acker, auf dem sie gleich zu Werke gehen dürfen. Das ist ganz schön groß. „Keine Sorge, wir werden ihn nicht ganz besetzen“, beruhigt der Böhler Bauer. Der Großteil der Arbeit ist zudem schon am Vortag mit Maschinen erledigt worden – mit Ausnahme eben des kleinen Abschnitts, der den Miniköchen vorbehalten ist. Die Kinder erfahren, was eine Gemarkung ist und was eine Gewanne, und wie einige der umliegenden Gebiete zu ihren jeweiligen Namen gekommen sind. Böhl etwa stamme vom germanischen Buhilo und bedeute „etwas höher“. Und: „Wie ertragreich die Böden eines Bauern waren, hat man früher an der Größe seiner Häuser erkannt“, erzählt Johannes Zehfuß. Dann holt der Landwirt Kisten mit Setzlingen verschiedener Anbaukulturen wie Kohlrabi, Chinakohl und Rucola aus seinem Lkw und stellt sie dem jungen Publikum vor. „Was ist das?“, fragt er und hält eine der Jungpflanzen hoch. „Schnittlauch“, wissen gleich mehrere. Neu ist für sie hingegen, dass sämtliche Setzlinge in einem Gewächshaus gezüchtet werden und erst aufs Feld kommen, wenn sie groß und stark genug sind. Nun geht es an die Arbeit. Die Aufgabe: Setzlinge in fünf Reihen einpflanzen. „Nicht übers Beet laufen, dafür sind die Rillen da“, sagt Zehfuß. Selbstverständlich erklärt er auch, wie alles funktioniert. Jeder soll mit seinen zwei „Schaufeln“ – gemeint sind die Hände, zum Verdeutlichen hebt der Experte seine beiden kräftigen Exemplare in die Höhe – ein kleines Loch graben. Da hinein kommen die Pflanzballen, die dann fest nach unten gedrückt werden. Schließlich noch ein bisschen ringsum anhäufen und fertig. „Kinderleicht“, findet er. Die Zielgruppe nickt und legt los. „Ich mache auch zu Hause gerne etwas im Garten“, erzählt Niklas. Der elf Jahre junge Ludwigshafener setzt gerade Petersilie in den Ackerboden. Kochen macht ihm ebenfalls Spaß. „Bisher hatten wir eine Stunde Theorie über Hygiene und haben eine Stunde gekocht“, berichtet er. Einiges hat er schon gewusst, aber auch viel Neues erfahren. „Ich habe in der Zeitung von den Miniköchen gelesen und sofort gedacht, das wäre etwas für ihn. Denn Niklas ist sehr kochbegeistert und kocht und backt ziemlich selbstständig“, ergänzt seine Mama Heike Ettischer. Der kalte Wind, der unablässig übers Feld bläst, stört weder Niklas noch seine Mitstreiter wirklich. Sie sind warm angezogen, manche tragen sogar Handschuhe, und alle graben und drücken fleißig. Die Kisten mit den Setzlingen leeren sich zusehends. Auch Tina aus Ludwigshafen und Marcel aus Altrip packen kräftig mit an. „Das macht Spaß“, finden die beiden Zehnjährigen. Sich beim Anbau von Lebensmitteln die Hände schmutzig zu machen, ist für sie nichts Neues. „Wir pflanzen daheim zum Beispiel Himbeeren an“, verrät Tina. Am meisten Spaß hat ihnen bis jetzt das Kochen in der riesigen Hotelküche bereitet. „Weil wir viel selber machen durften und neue Rezepte gelernt haben. Zum Beispiel Rinderkraftbrühe mit Maultaschen und selbst gemachten Grießklößchen“, erzählt Tina. Marcel nickt zustimmend. Interessant sei es außerdem gewesen, mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und beim Zubereiten der Köstlichkeiten mit zu helfen. Und wie haben sich die Miniköche beim Ackerbau geschlagen? „Sie haben das wirklich ordentlich gemacht. Bei einigen hat man sofort gemerkt, dass sie schon Vorkenntnisse hatten“, urteilt Experte Zehfuß. In einigen Wochen, voraussichtlich Ende April oder Anfang Mai, dürfen sie ein Teil des Gemüses beziehungsweise der Salate bereits ernten.