RÖMERBERG
Wenn sich einfach kein Kita-Platz findet
Dominique Abels will nichts unversucht lassen, um Betreuungsplätze für ihre Kinder zu bekommen. Vor ein paar Wochen veröffentlichte sie deshalb eine Nachricht in einer beliebten Römerberger Facebook-Gruppe. „Wir ziehen im Juli nach Römerberg-Mechtersheim und haben uns zwar im Herbst 2021 für Kita-Plätze beworben, aber JETZT erst die Absagen bekommen“, schreibt sie darin. „Mein Mann und ich sind beide berufstätig und suchen jetzt verzweifelt nach Betreuungsplätzen für unsere zwei Kinder ab September 2022 und Februar 2023.“ Sie würde sich freuen, wenn jemand Tipps oder Hilfestellung geben könnte, wandte sich die 35-Jährige an die Nutzer des sozialen Netzwerks. Diese äußerten in ihren Kommentaren zwar viel Verständnis für die Situation der Familie, eine Lösung für ihr Problem haben Dominique Abels und ihr Mann Falko aber immer noch nicht.
Derzeit wohnt die Familie in Antwerpen in Belgien. Dorthin wurde Falko Abels 2019 von seinem Arbeitgeber, der BASF, delegiert. Das Ehepaar hat drei Kinder: Charles (sechs Jahre) wird die Mechtersheimer Grundschule besuchen, wenn die Familie im Juli wieder nach Deutschland zieht. Für James (drei Jahre) und Kate (ein Jahr) brauchen Dominique und Falko Abels aber eine vorschulische Betreuung. Denn Dominique Abels will ab dem nächsten Schuljahr wieder als Lehrerin an einem Mannheimer Gymnasium arbeiten.
Im Mai kommen Absagen
„Beworben habe ich mich auf Ganztagsplätze bereits letztes Jahr, als feststand, dass wir im Sommer 2022 zurückgehen“, berichtet die 35-Jährige. Das sei ja bereits sehr zeitig gewesen. „Andere delegierte Familien haben vielleicht ein bis zwei Monate Vorlaufzeit.“ Als sie im Januar von einem Kindergarten gebeten wurde, sich die Arbeitszeiten von den Arbeitgebern bestätigen zu lassen, damit der Anspruch auf einen Ganztagsplatz geklärt ist, war Dominique Abels guter Dinge, dass ihre Kinder nach der Rückkehr nach Römerberg unterkommen werden. „Nach mehrmaligem Nachfragen habe ich dann erst im Mai erfahren, dass wir keine Plätze bekommen. Mir wurde auch kein Halbtagsplatz angeboten“, erzählt die dreifache Mutter.
„Seit diesen Absagen habe ich alles Mögliche unternommen, da ich ja im September 2022 an meiner Schule erwartet und auch dringend gebraucht werde“, sagt Abels. Auch den Ortsbürgermeister, Matthias Hoffmann (Grüne), habe sie kontaktiert, der sie wiederum an den zuständigen Beigeordneten Heinz-Peter Schneider (Grüne) verwiesen habe. Von beiden habe sie zwar die Pläne, die den Betreuungsnotstand lösen sollen, vorgestellt bekommen, aber das konkrete Problem der Familie konnten auch sie nicht lösen.
Zuletzt hatte Schneider von zirka 50 fehlenden Kita-Plätzen in Römerberg berichtet. Die Ortsgemeinde plant derzeit eine weitere dreigruppige Kita in Heiligenstein und längerfristig eine fünfgruppige Einrichtung in Berghausen. Eine Wald-Kita ist ebenfalls in der Planung und soll kurzfristig die Situation verbessern. Auch dort würde Familie Abels liebend gerne Plätze nehmen. Aber bis der Waldkindergarten eröffnet wird, dauert es wohl noch etliche Monate.
Keine Großeltern zur Stelle
Da es momentan nicht danach aussieht, dass die Familie Betreuungsplätze bekommt, sucht sie nach Alternativen. Von Tagesmüttern gab es ebenfalls Absagen. Großeltern im Ort, die bei der Betreuung einspringen könnten, haben die drei Abels-Kinder nicht – die Eltern stammen beide nicht aus der Pfalz. „Wir haben uns nun über eine Agentur ein Au-pair gesucht. Wir hoffen, es klappt, damit wir auf jeden Fall Kate betreut haben“, sagt Dominique Abels.
Ihr mittleres Kind allerdings – James – werde im Dezember vier Jahre alt und gehe in Antwerpen bereits in eine internationale Schule. „Er braucht die tägliche Routine und andere Kinder. Es ist zudem sehr wichtig, weil er für seine sprachliche Förderung andere deutsche Kinder braucht“, erklärt die Mutter, warum sie wünscht, dass er in einer Kita betreut wird. „Wenn wir etwas aus der Pandemie gelebt haben, ist es doch das, dass es unendlich wichtig und notwendig ist, dass wir soziale Kontakte haben. Und das abseits der Familie. Und für Kinder ist es enorm wichtig, regelmäßig in die Sozialisationsinstanz Kindergarten zu gehen“, sagt sie.
In Belgien keine Probleme
Bekannte aus anderen Ländern, mit denen sie während ihres Auslandsaufenthalts Kontakt habe, schüttelten nur den Kopf, wenn sie von der Betreuungsmisere in Deutschland hörten. In Belgien sei es weitgehend unproblematisch, einen Platz für die Kinder zu bekommen. Eltern müssen sich auch nicht viele Monate oder gar Jahre vorher bewerben. „Teilweise kann man sich sogar was aussuchen“, sagt Abels. Auch durch die Corona-Zeit ist man in Belgien ihrer Beobachtung nach besser gekommen. „Seit September 2020 waren die Einrichtungen wieder durchgehend offen“, berichtet sie.
Sollte die Familie in Deutschland wirklich keine Betreuungsplätze für ihre Kinder angeboten bekommen, wie sie ja eigentlich gesetzlich vorgeschrieben sind, überlegt sie sogar, rechtliche Schritte zu gehen: „Dann muss ich eben klagen“, sagt Dominique Abels. Das strebe sie zwar nicht an. Aber sie habe das Gefühl, dass anders nichts passiert.