Meinung Wenn keiner Verantwortung übernimmt, gibt’s nichts
Nach derzeitigem Stand wird es in Otterstadt in diesem Jahr statt einem dreitägigen Heimat- und Karpfenfest nur ein Fischessen für Senioren geben. So wie sich die Situation darstellt, möchte keiner Verantwortung übernehmen. Die Gemeinde zieht sich zurück – auch aus finanziellen Gründen, was nachvollziehbar ist. Paolo Rappa, Festwirt aus dem vergangenen Jahr, will das Risiko – verständlicherweise – nicht alleine tragen.
Der Gastronom hat es nicht nötig und muss sich die Arbeit nicht machen. Sein Restaurant läuft gut. Im vergangenen Jahr waren seine Gasträume während des Fests drei Tage geschlossen. Seinen Angaben zufolge hätte er mehr Geld eingenommen, wenn er auf sein Dasein als Festwirt verzichtet und wie gewohnt seine Gäste am Königsplatz bewirtet hätte. Ihm ging es damals jedoch auch um die Dorfgemeinschaft: Er wollte mit der Wiederbelebung des Karpfenfests nach der Corona-Pandemie etwas zurückgeben. Einige Otterstadter Vereine mit ihren freiwilligen Helferinnen und Helfern machten mit. Die Einnahmen wurden aufgeteilt. Vereine profitierten, es war teilweise mehr Geld, das in ihre Kassen floss, als bei den Festen vor der Pandemie. Kein Karpfenfest 2025 bedeutet im Umkehrschluss zwar weniger Arbeit und weniger Stress, aber auch keine Einnahmen für die Vereine, mit denen sie ihr Vereinsleben gestalten können.
Die nächsten Fragezeichen ergeben sich beim Ortskartell. Der Vorstand mit Sonja Regenauer ist auf der Suche nach Nachfolgern. Bislang ist niemand in Sicht. Es sind immer dieselben, die in Frage kommen – diejenigen, die sich bereits engagieren. In Otterstadt wird genau wie anderswo deutlich: Für eine lebendige Gemeinschaft braucht es Menschen, die Zeit und den Willen haben, Verantwortung zu übernehmen. Wenn sich keiner findet, wird es vieles in Zukunft nicht mehr geben.
