Rhein-Pfalz Kreis Weniger Gestank, mehr Geschäfte

Mutterstadt. Am Sonntag wählen die Mutterstadter ihren Bürgermeister. Einziger Kandidat ist Amtsinhaber Hans-Dieter Schneider (SPD). Wie zufrieden die Mutterstadter mit seiner Arbeit in den vergangenen acht Jahren waren und was sie von ihm erwarten, das haben wir sechs Bürger gefragt. Sie zogen fast durchweg eine positive Bilanz, geben ihm aber auch einige Aufgaben mit auf den Weg.
„Er hat einen guten Job gemacht“, sagt Aribert Schneider. Der 63-Jährige radelt gern und hat sich darum über den beleuchteten Radweg nach Limburgerhof gefreut, der 2008 entstanden ist. Positiv sei auch, dass der Bürgermeister sehr präsent im Ort und sympathisch sei. Jeder kenne ihn. All das sei wohl der Grund, warum sich kein Gegenkandidat gefunden habe, vermutet Aribert Schneider: „Der hätte wahrscheinlich eh keine Chance.“ Er hofft, dass der bald 60-jährige Schneider – sollte er wiedergewählt werden – die gesamte acht Jahre lange Amtszeit als Bürgermeister tätig sein wird. Oberste Priorität sei dann die Umgestaltung der Ortsmitte. „Aber eines sollte er nicht machen, die Neue Pforte abreißen, weil sie etwa nicht energieeffizient ist“, meint er. Das sei mal zur Debatte gestanden. Der 70er-Jahre-Bau präge Mutterstadts Bild und gehöre einfach zum Ort dazu. Auch Robert Hauck (70) kann sich nicht über seinen Bürgermeister beklagen. In Schneiders Amtszeit sei viel geleistet worden. Vor allem sei der Ort dank der Umgehungsstraße für landwirtschaftliche Fahrzeuge und dem Pfalzmarkt-Anschluss zu einem großen Teil vom Schwerlast-Verkehr entlastet worden. Doch es gäbe noch einiges zu tun, meint Hauck. Er wohnt mit seiner Frau im Mandelgraben und sei besonders vom Gestank der Firma Zeller betroffen. „Es ist schon besser geworden“, gibt Hauck zu – auch dank Schneiders Engagement. „Er war kooperativ – hat mit der Bürgerinitiative gegen Geruchsbelästigung gesprochen, die Bürger eingebunden.“ Das sollte Schneider beibehalten, denn „noch ist das Problem nicht gelöst“. Und noch etwas gibt er dem Bürgermeister auf den Weg: die Sanierung der Straßen und Bürgersteige in der Ortsmitte. „Für ältere Leute gibt es hier viele Stolperfallen“, sagt Hauck und nennt da die Schulstraße. Der Ortskern, insbesondere das Angebot an Einzelhändlern, ist – neben der Geruchsbelästigung – auch für Roswitha Keller (61) Mutterstadts Sorgenkind. Die Leerstände, das Teppich- und Möbelgeschäft an der Hauptkreuzung und der provisorische Laden im ehemaligen Schlecker-Markt ärgern sie. „Das ist fürchterlich, was da angeboten wird“, sagt sie und zeigt auf die für sie unansehnlichen Auslagen der beiden Läden. Sie hofft, dass Schneider sich für attraktivere Geschäfte einsetzen wird. „Ein Drogerie-Markt im Ortskern wäre gut, und die Postfiliale sollte wieder zentral im Ort sein“, schlägt sie vor. Denn besonders für ältere Leute sei der Weg zur Filiale an der Gesamtschule in der Raiffeisenstraße zu weit. Auch Doris Seifert (71) denkt an die älteren Bürger und wünscht sich für Mutterstadt ein Ärztehaus. Das würde den Älteren viele Wege ersparen. Sowohl Keller als auch Seifert sind mit Schneiders bisheriger Arbeit zufrieden. Besonders mögen sie seine Bürgernähe. Beide gehen darum auch fest davon aus, dass der alte Bürgermeister wieder der neue sein wird. Doch dass es keinen Gegenkandidaten gibt, bedauert vor allem Doris Seifert. „Konkurrenz ist nie schlecht“, sagt sie. Sie glaubt aber nicht, dass das zum Nachteil für die Gemeinde sei. „Die Mutterstadt wissen, was sie an ihrem Bürgermeister haben.“ Tanja Frey (43) findet es ebenso schade, dass es keinen Gegenkandidat gibt. „Für die Gemeinde wäre das nicht schlecht“, sagt sie. Aber der Bürgermeister stehe hoch im Kurs, und das habe wohl die Konkurrenz verschreckt, vermutet sie. Sie ist überzeugt, dass Schneider wiedergewählt wird. Auch wenn es eher eine Bestätigung als eine Wahl sein werde. Als Gewerbetreibende – die Floristin betreibt einen Blumenladen in der Ortsmitte – hat sie aber einen zwiespältigen Blick auf Schneiders kommendes Projekt: die Umgestaltung des Ortskerns. „Einerseits muss etwas in Mutterstadts Mitte passieren, anderseits werden wir Geschäftsleute in der Umbauphase Einbußen haben“, sagt sie. Darum hofft die Geschäftsfrau, dass die Bauarbeiten schnell über die Bühne gehen. Ansonsten kann sie nichts Negatives über ihren Bürgermeister sagen. Die Lärmbelästigung im Ort sei deutlich zurückgegangen, auch wenn es sie persönlich nie groß gestört habe. Und als berufstätige Mutter von zwei Kindern habe sie auch nie Probleme bei der Kinderbetreuung gehabt. Auch Peter Rummel (44) findet, dass Mutterstadt für Familien attraktiv ist. Das Angebot für die Betreuung seiner nun schon schulpflichtigen Tochter habe gut geklappt. Rummel stellt Schneider ein positives Zeugnis aus: „Er ist ein guter Bürgermeister, zeigt sich überall und macht viel für die Gemeinde“, sagt er. Gut sei auch, dass die Mutterstadter in den vielen Bürgerversammlungen viel mehr vom Geschehen und den Problemen im Ort mitbekommen haben. Das sei vor Schneiders Amtszeit nicht so gewesen: „Da ist viel hinter verschlossenen Türen beschlossen worden“, bemängelt Rummel. Für die Zukunft erwartet er von Schneider, dass es keine Biogasanlage in Mutterstadt geben wird. Und, dass er sich auch weithin im Kreistag für den Ort stark machen soll: Vor allem die hohe Kreisumlage, die die Gemeinde an den Kreis zahlen muss, ärgert ihn: „Da versucht der Bürgermeister Mutterstadts Finanzen in die Reihe zu bekommen und auf der anderen Seite wird das Geld rausgeblasen.“