Rhein-Pfalz Kreis Weltreise mit vielen Aufgaben

Mutterstadt. Bühnenshows geben, sich in sozialen Projekten engagieren und jede Woche eine neue Gastfamilie kennenlernen: So hat Norina Mutter die erste Jahreshälfte 2015 verbracht. Die 22-Jährige ist mit einer Gruppe gleichgesinnter junger Leute durch Amerika und Europa getourt. Jetzt ist sie wieder zurück in Mutterstadt und berichtet von ihrer Reise.
„Das wird mir in meinem Leben noch viel helfen“, ist Norina Mutter vom Nutzen der Reise überzeugt. Als Beispiel nennt sie ihre Englisch-Kenntnisse, die sich so weit verbessert haben, dass sie sich jetzt ein Studium zutraut, das auf Englisch gehalten wird. Das war vor ihrem Aufbruch in die USA im Januar eines der Ziele. Dort begann die Rundreise, da sich in der Stadt Denver im US-Bundesstaat Colorado der Hauptsitz der Organisation Up with People (UWP) befindet. Sie hat die 110 Mitglieder umfassende, internationale Gruppe aus Bewerbern zusammengestellt, mit der die Mutterstadterin unterwegs war. Die typische Woche sah so aus: Montags stand die Reise zur jeweils nächsten Station an, dienstags bis donnerstags arbeiteten Norina Mutter und ihre Mitstreiter in den verschiedenen sozialen Projekten, freitags und samstags traten sie bei der UWP-Bühnenshow auf, und sonntags war Gastfamilientag. So tourte die Gruppe elf Wochen durch die USA, fünf Wochen durch Mexiko, jeweils zwei Wochen durch die Schweiz und Deutschland sowie eine Woche durch die Niederlande. Wobei Mutters Alltag bisweilen leicht von diesem Schema abwich, da sie manchmal mit einem Spezialauftrag betraut wurde. „Ich reiste mit einem Team voraus zur nächsten Station und sollte dort alles für die Ankunft der Gruppe vorbereiten. In einem Schweizer Dörfchen zum Beispiel mussten wir innerhalb von drei Tagen 40 noch fehlende Übernachtungsmöglichkeiten organisieren“, erzählt sie. Dazu hielt sie Ansprachen in Gottesdiensten und verteilte mit den anderen Flyer. Am Ende klappte alles. „Die Woche darauf kamen wir nach München. Da fehlten uns dann sogar 70 Betten. Doch auch das haben wir geschafft.“ In diesen Situationen sei ihr die Ausbildung im Event-Management zugute gekommen. Darüber hinaus half die pfälzische Weltenbummlerin mit, Workshops zu organisieren, die sie auch moderierte, und repräsentierte UWP bei Pressekonferenzen. Die sozialen Projekte, in die sich die Gruppe jeweils eingeklinkt hat, sahen ganz unterschiedlich aus. Mitgearbeitet haben sie beispielsweise bei sogenannten Food Banks in den USA, wo Essen an arme Menschen verteilt wird. Beim Renovieren von Appartements in der Casa Esperanza (spanisch für Haus Hoffnung), wo Krebspatienten untergebracht werden, war handwerkliches Geschick gefragt. Bei Saranam wiederum, einem Programm, das Bildungs- und Obdachlose wieder in die Gesellschaft integrieren soll, hat Norina Mutter mit anderen UWPlern beim Möbeltransport geholfen und im Lager Ordnung geschaffen. Auch in Altenheimen, in einem Flüchtlingscamp, einer Nachmittagsbetreuung für vernachlässigte Kinder und einem Hochwasserschutzprojekt des Roten Kreuzes konnte sie Erfahrungen sammeln. Bei den wöchentlichen Bühnenshows gewann sie weitere wertvolle Eindrücke, zum Beispiel in die entsprechende Licht- und Tontechnik. „Bei den Auftritten handelte es sich um professionelle Broadway-Shows mit richtig guten Sängern und Tänzern. Wir gaben Medleys aus verschiedenen Jahrzehnten zum Besten und sprachen soziale Themen an“, sagt Mutter. Im Schnitt hätten 500 Leute die Darbietungen verfolgt, einmal auch rund 3000. „Lampenfieber hatte ich nicht, ich hatte ja kein Solo.“ Die interessantesten Leute habe sie aber beim Kartenabreißen kennengelernt. Zum Beispiel eine Irin, die für ein Magazin einen Artikel über die allererste UWP-Show geschrieben hatte und Tränen in die Augen bekam, als ihr eine Halbirin aus der Gruppe vorgestellt wurde. „In Denver traf ich eine Freinsheimerin. Wir stellten fest, dass wir einen gemeinsamen Bekannten in Mutterstadt hatten“, berichtet die 22-Jährige. Interessant seien auch immer die Aufenthalte bei den unterschiedlichen Gastfamilien gewesen. Bei superreichen Gasteltern etwa habe sie im Pool-Haus gewohnt und im Ferrari mitfahren dürfen – ein sicher nicht alltägliches Erlebnis. Durch all die Erfahrungen habe sie in dem halben Jahr manch alte Denkweise abgelegt. Bei Schwierigkeiten hält sich Norina Mutter seitdem lieber an das Motto „We don’t have a problem, it’s just a challenge“ (Englisch für „Wir haben kein Problem, es ist nur eine Herausforderung“). Ihr Fazit über den halbjährigen Trip durch zwei Kontinente klingt daher so: „Das Beste war, zu erfahren, was auf der Welt abgeht, und wie unterschiedlich die Menschen und ihre Kulturen sind.“ Mancher Stereotyp habe sich aber auch bestätigt, ergänzt sie und lacht. So könnten Deutsche einfach am besten ordnen, weshalb die deutschen Teilnehmer immer dann gefragt waren, wenn das Gepäck schnell aufgereiht werden musste. „Amerikaner können am besten Stimmung machen“, sagt Norina Mutter. Die Niederländer wiederum habe sie als sympathische Freigeister erlebt, die das Leben einfach genießen. „Außerdem habe ich bemerkt, dass ich mich sehr gut mit Chinesen verstehe“, erzählt sie. Ob sie UWP weiterempfiehlt? „Jüngeren auf jeden Fall. Nach dem Abi wäre es ideal, da man viel von der Welt sieht und lernt, über sich selbst nachzudenken.“ Momentan wartet sie auf eine Antwort aus Hamburg. Dort hat sich Norina Mutter für ein Studium beworben, denn nachdem sie den Duft der großen, weiten Welt geschnuppert hat, zieht es sie schon wieder in die Ferne. „Ich hoffe wirklich, dass es klappt. Zumal zwei andere aus der Gruppe auch dort studieren werden.“