Speyerer Umland
Weitere Weihnachtsmärkte abgesagt
Weihnachtsmarkt 2020, ja oder nein: Die Reaktionen auf diese Anfrage waren zunächst alle gleich. Bedauern. Im Stil wie bisher wird es den Budenzauber nirgends geben. Die meisten Orte haben sich mittlerweile für eine komplette Absage entschieden, ohne Alternative.
Bürgermeister Harald Löffler (CDU) und der Vorsitzende des Ortskartells, Gerald Fischer, sind sich generell einig, was den idyllischen Markt in Harthausen betrifft. Dieser hat sich erst vor wenigen Jahren neu im Malerviertel etabliert und ist zum Besuchermagnet geworden. „Wir sind der Meinung, dass der Weihnachtsmarkt jegliches Flair verliert, wenn wir ihn luftig verteilen würden. Er lebt von der Enge“, meint Löffler. Inwieweit das tatsächlich das endgültige Aus weihnachtlicher Stimmung im öffentlichen Raum bedeutet, obliege letztendlich aber der Entscheidung des Ortskartells.
Harley-Santas kommen
Der Zusammenschluss der Vereine ist es auch, der sich in Schwegenheim besprochen hat. Vor allem der ASV ist federführend, denn auf dessen Gelände wurde der Weihnachtsmarkt bislang ausgerichtet. In einer Vorstandssitzung sei das Thema bereits auf den Tisch gekommen, sagt der Vorsitzende Horst Neuendorf. „Wenn wir etwas ausrichten, dann kleiner und ohne Fremdanbieter. Dann wird auch der Name ein anderer sein“, informiert er. Als alleiniger Ausrichter sei der ASV flexibler. „Den durch wegfallende Stände gewonnenen Platz könnten wir zur besseren Verteilung der Besucher nutzen“, fügt Neuendorf an. Kurz vor knapp, in einer Vorstandssitzung im Dezember, soll die finale Entscheidung fallen – auch mit Blick auf die dann aktuelle Corona-Situation.
Schwegenheims Ortsbürgermeister Bodo Lutzke (FWG) hat sich derweil um eine andere Aktion gekümmert. „Ich habe mich mit den ,Harley Davidson riding Santas’ beraten. Geplant ist deren Besuch im Ort am 6. Dezember“, merkt er an. Die private Harley-Gruppe aus der Südpfalz sammelt jährlich am Nikolaustag Gelder für das Kinderhospiz „Sterntaler“ in Dudenhofen.
Nicht umhin, den Weihnachtsmarkt abzusagen, kam die Ortsgemeinde Lingenfeld. Die zuständige Beigeordnete Bianca Dietrich (SPD) verdeutlicht: „Unser Markt, den wir in den vergangenen zwei Jahren mit viel Engagement verändert und verbessert haben, lebt hauptsächlich vom gemütlichen Beieinander auf unserem Rathausplatz – eben auch von der räumlichen Nähe der Buden.“
Den Aufbau so zu verändern, dass die geltenden Abstände eingehalten werden können, zerstöre die Atmosphäre. Offen sei die Ortsgemeinde für individuelle Ideen von Vereinen zur Vorweihnachtszeit – sofern es die Corona-Situation zulasse. Noch im Oktober wird es laut Dietrich eine Sitzung des Ortskartells geben, in der nochmals die aktuellen Entwicklungen aufgegriffen werden.
„Tendenz zum Verzicht“
„In diesem Jahr wird es keinen Weihnachtsmarkt geben“, kündigt der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses der Ortsgemeinde Otterstadt, Günter Gantner, an. Offiziell beraten wurde die Sache in den Gremien noch nicht, merkt Ortsbürgermeister Bernd Zimmermann (CDU) an. Rücksprache habe er jedoch bereits mit dem Beigeordneten Jürgen Zimmer (parteilos) gehalten. „Die Tendenz geht dahin, eher auf den Markt zu verzichten“, sagt Zimmermann. Die Buden auseinanderzuziehen sei nicht sinnvoll.
Die Ortsgemeinde Römerberg hat nach Möglichkeiten gesucht. Aus einem ersten Treffen von Bürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) mit den Vorsitzenden der Ortskartelle aus den drei Ortsteilen ist eine erste Marschrichtung entstanden. „Wir haben überlegt, was möglich ist, wenn die Entwicklung während Corona gut ist“, erklärt er. Das Ergebnis: An einem Wochenende könnte es dann rund um das Zehnthaus und die Berghausener Kirche in einem eingezäunten Bereich ein Angebot geben.
„Die Stände wären vereinzelt gestellt. Ums Zehnthaus haben wir jetzt dafür mehr Platz“, sagt Hoffmann. Im Fall der Umsetzung übernehme die Ortsgemeinde statt der Ortskartelle die Verantwortung. „Der Aufwand ist natürlich größer“, macht der Bürgermeister deutlich. Er weiß aber auch um die Notwendigkeit, den Menschen etwas für die Seele zu bieten. Zugangskontrollen sollen dafür sorgen, dass sich nicht mehr als 500 Personen gleichzeitig auf dem Gelände befinden, ergänzt Hoffmann. Er untermauert klipp und klar: „Die Veranstaltung wird nur stattfinden, wenn die Zahlen nicht eklatant steigen und es keine Todesfälle gibt.“ Abgeklopft wird aktuell, welche Vereine zur Teilnahme bereit wären.
Dudenhofen hat bereits bekannt gegeben, dass der Waldweihnachtsmarkt abgesagt ist. Aus Hanhofen ging bis Redaktionsschluss keine Information ein.