Grossniedesheim / Beindersheim
Weitere Biber-Spuren im Rhein-Pfalz-Kreis entdeckt
Michael Walther (SPD) ist dieser Tage auf der Pirsch. Genauer gesagt, er hat jüngst zusammen mit Mitarbeitern seiner Verwaltung eine Wildkamera aufgestellt. Der Ortsbürgermeister von Großniedesheim hofft darauf, Belege für einen tierischen Gast oder möglicherweise einen künftigen neuen Anwohner zu bekommen. Walther spricht am Telefon über „Nummer drei“, wenn er über den Biber redet, den er auf seiner Gemarkung vermutet.
Das Tier wäre der dritte im Rhein-Pfalz-Kreis sesshaft gewordene Biber. Gesichtet worden ist er noch nicht, auch nicht von der Wildkamera. Eine angebliche Biber-Bewegtbildaufnahme habe sich im Nachhinein als Nutria-Video herausgestellt. Spuren hat das scheue und unter Naturschutz stehende Tier dennoch hinterlassen. „Biber haben ein etwas größeres Revier und wir wissen nicht, wo er als Nächstes zuschlägt“, sagt Michael Walther.
Begonnen hat das zu Jahresbeginn: „Im Januar wurde ich das erste Mal darauf aufmerksam gemacht, dass ein Baum umgenagt wurde“, erzählt Walther. Nach einer großflächigen Untersuchung habe die Gemeinde an rund einem Dutzend Bäumen Schäden festgestellt. Getroffen habe es auch junge Eichen, die erst gepflanzt worden seien, überwiegend seien aber Weiden und Pappeln von dem Nager ins Visier genommen worden. Ewald Marx, Biber-Beauftragter des Rhein-Pfalz-Kreises und Vorsitzender des Vereins für Naturschutz und Heimatpflege Bobenheim-Roxheim, empfiehlt auf RHEINPFALZ-Anfrage für solch einen Fall einen Bissschutz für Bäume, die geschützt werden sollen. Wo genau die Biber-Schäden sind, möchte Walther lieber geheimhalten, um einen etwaigen Biber-Tourismus von Neugierigen zu vermeiden.
Wichtiger als Schäden an den Bäumen ist für Walther zunächst erstmal die Frage, ob das Tier in der Gegend sesshaft wird. Dann könnte es auf die Idee kommen, einen Damm bauen zu wollen. Was ein Biber von Natur aus halt so macht. „Wenn wir hier einen Damm bekämen, könnte das Wasser bei Starkregenereignissen womöglich ins Dorf gelangen“, befürchtet Walther im schlimmsten Fall.
Unter Naturschutz
Gegen die Ansiedlung eines Bibers könnte aber wohl kaum etwas unternommen werden, glaubt Walther. „Biber stehen unter Naturschutz, man darf da nicht eingreifen, solange keine akute Gefahr für Leib und Leben bei einer etwaigen Sachbeschädigung bestünde“, sagt der Bürgermeister. Walther hat alle möglichen Fachbehörden sowie Nachbargemeinden informiert, viel mehr als beobachten kann er derzeit aber nicht.
Zu den Informierten gehört auch Ken Stutzmann (SPD), Bürgermeister in Beindersheim. „Wir haben auch auf unserer Gemarkung bereits Schäden gefunden“, bestätigt Stutzmann auf RHEINPFALZ-Anfrage. Seitdem fährt dort jemand alle zwei Tage die Waldwege entlang, um zu prüfen, ob eventuell angenagte Bäume für Wanderer gefährlich werden könnten.
Seitdem die Wildkamera in Großniedesheim angebracht wurde, pendelt auch Michael Walther alle paar Tage zu der Stelle, tauscht die Speicherkarte aus und sichtet die automatischen Aufnahmen. Bisher habe es lediglich ein Fuchs – „wunderschöne Aufnahmen“ – vor die Linse der Kamera geschafft.