VG Römerberg-Dudenhofen
Weitere B9-Anbindung: Bürgermeister sieht Vorteile, Landesbetrieb bezieht Stellung
Die Idee, eine weitere Ab- beziehungsweise Auffahrt an der Kreisstraße 26 auf die B9 zwischen Harthausen und Heiligenstein zu schaffen, ist nicht neu. Sie existiert seit Jahrzehnten und wurde bereits von Vertretern aller Parteien propagiert. Auch Grünen-Politiker Matthias Hoffmann sprach sich in der Vergangenheit immer wieder für diese Lösung statt der vorgesehenen Ortsrandstraße aus. Nun ist Hoffmann Ortsbürgermeister von Römerberg und betonte zuletzt noch einmal, wie wichtig eine weitere Anbindung Römerbergs an das Fernstraßennetz sei. Dies habe der durch einen Wasserrohrbruch in der Germersheimer Straße bedingte „Verkehrsinfarkt“ im November allen vor Augen geführt, sagte Hoffmann beim Neujahrsempfang.
„Straße ist Landverschwendung“
Der Ortsbürgermeister nennt das Stück der geplanten Ortsrandstraße zwischen Heiligenstein und Berghausen auf RHEINPFALZ-Anfrage „Landverschwendung“. Er ist weiterhin der Meinung, dass eine B9-Anbindung bei Heiligenstein mehr Vorteile hätte. Hoffmann spricht das geplante neue Feuerwehrgerätehaus im Norden von Mechtersheim an. Die Feuerwehr wäre durch eine weitere Anbindung schneller auf der B9, für die sie abschnittsweise auch zuständig sei, sagt er. Außerdem sieht Hoffmann Vorteile für Dudenhofen. Das Spargeldorf würde nach seiner Ansicht profitieren, wenn die Harthausener eine weitere B9-Anbindung hätten, da diese dann nicht mehr durch Dudenhofen fahren würden. Im Spargeldorf werde deshalb auch eine Südtangente gefordert, sagt Hoffmann.
Gegenwind aus Harthausen
Der Harthausener Ortsgemeinderat hat sich vor vielen Jahren allerdings gegen eine solche B9-Anbindung ausgesprochen, der Beschluss von damals hat immer noch Bestand. Ortsbürgermeister Harald Löffler (CDU) sagt auf Anfrage, dass eine solche Anbindung für Harthausen eher mehr Verkehr als Entlastung bedeuten würde. Löffler verweist auf das „Nadelöhr Schwegenheimer/Heiligensteiner Straße“ in der Ortsmitte. Das Verkehrschaos sei vorprogrammiert, wenn sich dort Lastwagen oder Busse begegnen würden. Hoffmanns Argument, dass die zusätzliche B9-Abfahrt für Lkw unattraktiv sei, lässt Löffler nicht gelten. Die Ortsgemeinde sei bereits jetzt durch Lkw, die von der A65 über die B39 und dann durch Harthausen zum Tankhof nach Schwegenheim fahren, belastet. Eine weitere B9-Anbindung würde dieses Problem noch verschärfen, sagt Löffler. Zudem weist er darauf hin, dass Harthausen bereits zwei B9-Anbindungen hat – bei Schwegenheim und an der Anschlussstelle Dudenhofen/Römerberg.
Behörde hat Gegenargumente
Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) vertritt dieses Argument ebenfalls: Sowohl Harthausen als auch Römerberg seien durch die beiden bestehenden Anschlussstellen bereits sehr gut an die B9 angebunden, teilt Martin Schafft, Leiter der Speyerer LBM-Dienststelle, auf Anfrage mit.
Außerdem habe eine Prüfung in der Vergangenheit ergeben, dass eine weitere B9-Anbindung nur geringe Vorteile für die innerörtlichen Verkehrsstrukturen in Römerberg, Harthausen und Dudenhofen bringen würde. Dies begründet der LBM damit, dass die Verkehrssituation in Römerberg von einer starken Nordausrichtung geprägt sei. „Das heißt, dass aus allen drei Ortsteilen die allermeisten Fahrzeuge nach Speyer und wieder zurück fahren.“ Eine Anbindung der K26 an die B9 würde für die Römerberger einen längeren Weg nach Speyer bedeuten, was erfahrungsgemäß nicht oder nur von sehr wenigen Bürgern angenommen werde. Die gewünschte Entlastungswirkung innerorts bliebe somit aus, heißt es vom LBM.
Hinzu kommt, dass eine weitere Anschlussstelle aus Verkehrssicherheitsgründen nicht zu befürworten sei. Der LBM führt die höheren Geschwindigkeiten auf der B9 an und macht deutlich, dass jede Anschlussstelle – auch wenn sie noch so sicher nach dem Stand der Technik gebaut sei – eine mögliche Unfallstelle darstelle. Das belegten auch Unfallstatistiken an den B9-Anschlussstellen bei Speyer. Die dortige Situation und die Anschlussstellen bei Germersheim können laut LBM nicht als Vergleich für den Streckenabschnitt Römerberg/Harthausen genommen werden. Bei Speyer und Germersheim sei das Verkehrsaufkommen auf der B9 sehr viel größer. Dort seien mehrere Anschlussstellen notwendig, um den Verkehr auf die untergeordneten Straßennetze zu verteilen.
LBM-Dienststellenleiter Schafft verdeutlicht, dass das Bundesverkehrsministerium aus diesen Gründen einer neuen Anschlussstelle zwischen Heiligenstein und Harthausen nicht zustimmen würde.
Ortsrandstraße hat auch Vorteil
Die Idee für eine weitere B9-Anbindung lebe in den Köpfen weiter, aber die Planer verfolgen eine andere Straße, sagt Römerbergs Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann. Sein Plädoyer für eine weitere Anschlussstelle sei seine persönliche Meinung. Mit Blick auf die vorgesehene Ortsrandstraße sagt er, dass er nehme was komme, wenn es um eine Lösung für die Verkehrsproblematik gehe. Zumal der Rat für diese Lösung gestimmt habe, was er akzeptieren müsse, sagt Hoffmann.
Als Vorteil der vorgesehenen Ortsrandstraße führt er an, dass nach deren Fertigstellung leichter Tempo 30 auf den Römerberger Hauptstraßen eingeführt werden könnte, weil diese dann zu Gemeindestraßen heruntergestuft werden könnten und nicht mehr als übergeordnete Straßen klassifiziert seien. Bis es soweit ist, wird aber noch einige Zeit vergehen. LBM-Dienststellenleiter Schafft sagt, dass die Planungen für die Römerberger Ortsumgehung im Zeitraum 2022 bis 2025 fortgeführt werden sollen.
Kommentar: Wunschtraum
Mit Blick auf die innerörtlichen Verkehrsprobleme erscheint für so manchen Römerberger eine weitere B9-Anbindung zwischen Heiligenstein und Harthausen als bessere Lösung als die vorgesehene Ortsrandstraße. Allerdings spielen bei dieser Anbindung nicht nur die Interessen Römerbergs eine Rolle, sondern auch die der Harthausener. Und dort stößt sie, wie bisher, auf wenig Gegenliebe. Auch der Landesbetrieb Mobilität argumentiert weiterhin gegen diese Anbindung – neues Feuerwehrhaus oder das Argument „Landverschwendung“ im grünen Zeitalter hin oder her. Die zusätzliche B9-Anbindung wird ein Wunschtraum bleiben. Die Zukunft ist die Ortsrandstraße.