Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Weihnachtsspecial: Palzki und der Wiener Ober

Mahlzeit!
Mahlzeit!

Palzki-Spezial: Was hat sich Kommissar Palzki auf einen ruhigen Jahreswechsel gefreut. Ohne Verbrechen, ohne Hochstapler. Doch dann schleppt ihn sein Chef mit zur Jahresehrung ins Mutterstadter Palatinum. Die Veranstalter haben weder Kosten noch Mühen gescheut und ein Wiener Original in die Pfalz beordert. Doch der Kommissar hat da so seine Zweifel ...

Es hätte so ein schöner Tag werden können. Die letzten beiden Wochen des Jahres verliefen für mich bisher stets äußerst ambivalent. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder ärgern sollte. Für gewöhnlich nahmen die Gauner in dieser Zeit, zumindest die Gattung der Schwerverbrecher, auf uns überlastete Kriminalbeamte Rücksicht, sodass die wenigen Beamten, die keinen Urlaub nehmen konnten, sich essenziellen Tätigkeiten wie dem Entkalken der Kaffeemaschine oder dem Entsorgen der Pizzakartons widmen konnten.

Als treusorgender Familienvater durfte oder musste ich bisher, je nach Perspektive, die letzten Weihnachtsfeste zu Hause verbringen. Auch wenn wir uns in der Familie jedes Jahr intensiv bemühten, das Jahr friedlich und harmonisch ausklingen zu lassen, so gab es beständig unerwartete Fettnäpfchen, in die ich zielsicher, aber unabsichtlich hineintrat. Aus diesem Grund wusste ich nicht, ob meine Frau Stefanie und die Kinder wirklich enttäuscht darüber waren, dass ich dieses Mal zwischen den Jahren arbeiten musste. Die Arbeitstage vergingen wie im Fluge und selten konnte ich Die RHEINPFALZ so ausführlich lesen, wie an diesen Tagen. Doch dann kam der Schock.

Ein neuer Orden für KPD

„Morgen ist der 30. Dezember!“ Der Dienststellenleiter KPD, wie wir Klaus P. Diefenbach nannten, stand plötzlich in der Tür meines Büros. Vor Schreck zerriss ich die Zeitung und stammelte hilflos vor mich hin. „Palzki, haben Sie etwa vergessen, was morgen für ein wichtiger Tag ist?“, bellte er mich an, um sogleich die Antwort zu geben: „In Mutterstadt findet im Palatinum die Jahresehrung für alle wichtigen Personen der Vorderpfalz statt. Auch ich werde wieder einen wichtigen Orden verliehen bekommen.“ Er drückte seine Brust heraus, sodass die vielen Blechmarken an seiner maßgeschneiderten Uniform nur so klimperten. „Dann fehlt mir bloß noch der Große Ankerorden, den hole ich mir als krönenden Abschluss im nächsten Jahr in Ludwigshafen.“

Er schaute mich streng an. „Freuen Sie sich also, dass ich Sie als meinen Untergebenen mitnehme.“ „Ich habe heftige Magenprobleme“, stöhnte ich ihm entgegen. „Ja ja, da können Sie bei der Veranstaltung Herbert Oberdorfer fragen, der hat bestimmt den einen oder anderen Ernährungstipp für Sie. Oberdorfer ist ein sehr bekanntes Wiener Original in der Kaffeehausszene – extra für die Verleihung eingeflogen. Haben Sie noch nie etwas vom Wiener Ober Herbert gehört?“ „Mein Opa kommt nicht aus Wien und mit Opern habe ich es auch nicht so“, entgegnete ich, doch KPD verstand meinen Humor nicht.

Lauter Leckereien

Mir blieb nichts anderes übrig, als KPD am nächsten Nachmittag zu begleiten. Meinen ersten Rüffel erhielt ich gleich beim Losfahren, da ich ohne Krawatte erschienen war. Kaum waren wir im Palatinum angekommen, wurde KPD von Bürgermeistern und Landräten begrüßt. Mein Chef fühlte sich im siebten Himmel. Zunächst gab es Kaffee und Kuchen. „Sie sind Herr Diefenbach?“, fragte plötzlich ein älteres Männlein im weißen Kittel. „Ich bin Ober Herbert“, stellte er sich vor. „Darf ich Ihnen noch ein wenig Schlagobers auf Ihren Kuchen tun?“, fragte er im Wiener Dialekt.

KPD unterhielt sich eine Weile mit dem prominenten Gast aus Österreich, dann entdeckte er eine jüngere Frau. „Frau Schreibermann!“, rief er der Dame entgegen. „Mit Ihnen habe ich ein Hühnchen zu rupfen.“ Ich erkannte Helen Schreibermann, eine Redakteurin der RHEINPFALZ. „Frau Schreibermann“, begann KPD in strengem Ton. „Ich habe genau nachgezählt: Im laufenden Jahr sind in Ihrer Zeitung zwei Artikel weniger als im Vorjahr erschienen, in denen ich gelobt und positiv erwähnt werde. Das kann doch nicht sein, Sie beschädigen damit mein Renommee!“, beschwerte er sich. „Doch so viel Lob? Wir sollten wohl dringend an unserer Berichterstattung arbeiten“, konterte die Redakteurin, schnappte sich ein Stück Kuchen und verschwand kopfschüttelnd.

Ist er schwerhörig?

Im Hintergrund wurde inzwischen ein Büfett aufgebaut, das ausnahmslos aus frischem Obst und ausgewählten Gemüsesorten bestand. „Darf ich Ihnen etwas an den Platz bringen, meine Herren?“, fragte uns Ober Herbert. „Einen Paradeiser“, sagte ich. „Wie bitte, mein Herr? Ich habe Sie nicht verstanden.“ Ich wiederholte dem offensichtlich schwerhörigen Ober laut und deutlich meine Bitte: „Ich hätte gerne einen Paradiesapfel.“ KPD, der in einem Gespräch vertieft war, nickte nur.

Kurz darauf brachte uns Ober Herbert das Gewünschte. KPD beendete gerade ein Gespräch mit einem Vertreter der Lukom, der ihm Sonderkonditionen für die Anmietung der Ludwigshafener Eberthalle angeboten hatte, da KPD dort im nächsten Jahr seinen runden Geburtstag feiern wollte. „Was soll ich mit diesem blöden Apfel?“, pflaumte KPD mich an. Ich zeigte ihm, dass ich ebenfalls einen Apfel in der Hand hielt. Mit einem boshaften Grinsen antwortete ich: „Ein Ober aus Wien sollte wissen, dass ein Paradiesapfel eine Tomate ist und kein Apfel. Herbert Oberdorfer ist auf keinen Fall ein Wiener Original.“

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