Rhein-Pfalz Kreis Weiße’ Kees statt Quark
«Schifferstadt.» Das Hoffmann-Hammer-Trio ist gern gesehener Gast im Schifferstadter Schreiwer-Hais`l. Erich Hoffmann hatte gestern Gedichte von Lina Sommer mitgebracht, Klaus Hammer und seine Schwester Inge, verheiratete Hoffmann, haben eigene Lieder über die Pfälzer und die Pfalz gesungen.
Lina Sommer war mit der Wende zum 20. Jahrhundert in ganz Deutschland bekannt und konnte von ihrer Schriftstellerei leben, sagte Erich Hoffmann. Sie schrieb in Pfälzer Mundart. Geboren wurde die Autorin als Lisa Müller am 8. Juli 1862 in Speyer als erstes von fünf Kindern. 1887 heiratete sie den Sägewerksbesitzer Adolph Sommer. Die beiden hatten sechs Kinder, drei davon starben früh. Ihre jungen Jahre waren wohl unstet: 16 Mal habe sie den Wohnsitz gewechselt, lebte in Mannheim, Heidelberg, Würzburg und München. Ab 1916 lebte sie schließlich im südpfälzischen Jockgrim. Hier gibt es bis heute die Sommer-Villa. Ihr zu Ehren wurde im Ort ein Platz, ein Weg, eine Grundschule und ein Seniorenstift benannt. Die letzten beiden Jahre ihres Lebens verbrachte die Schriftstellerin in einem Altenheim in Karlsruhe, wo sie 1932 starb. Die Sommer-Gedichte, die Erich Hoffmann vortrug, sind von Humor und Heimatliebe geprägt. Überschwänglich preist die Dichterin die Schönheit der Pfalz, besingt Wein und Rhein und den Charakter ihrer Landsleute. Dabei ließ ihr eine Eigenart, die den Pfälzern nachgesagt wird, offenbar keine Ruhe: Die Lautstärke, die zu dem stehenden Begriff „Pälzer Krischer“ geführt hat. Hoffmann liest die entsprechenden Gedichte. Einmal schreibt Sommer, dass die Pfälzer ganz bestimmt so still, bescheiden und verträglich seien, dass sie aus Neid und übler Nachrede „als Krischer verkrische“ seien. Das löst im Publikum, alles gestandene Pfälzer, natürlich Heiterkeit aus. Amüsant ist auch der Ratschlag an einen jungen Mann, von seiner Angebeteten doch lieber zu lassen. Sie könne ja gar kein Deutsch, meint die Pälzer Bäsl im Gedicht: Statt „Weiße` Kees“ sage sie „Quark“, statt „Quetsche“ „Pflaumen“, die „Weck“ nennt sie „Brötchen“ und die „Bobb“ heißt sie „Püppchen“. Da sei doch gar keine Verständigung möglich, ist die Pfälzerin überzeugt. Lina Sommer hat nicht nur Gedichte, sondern auch Theaterstücke geschrieben. Veröffentlicht hat sie in den damals bekannten „Fliegenden Blättern“ in München. Sie wurde so bekannt, dass sie mit der rumänischen Königin in Kontakt kam, die selbst unter dem Pseudonym Carmen Sylva schrieb. Wie Hoffmann berichtet, haben die beiden wohl eine freundschaftliche Verbindung gepflegt. Musikalisch hat das Ehepaar Hammer, teils unterstützt von Hoffmann, eigene Lieder vorgetragen, die die Pfalz in leuchtenden Farben schildern. Doch auch aktuelle politische Themen greifen die Sänger auf: „Wohin führt mein Weg?“ ist ein Lied, das Klaus Hammer geschrieben hat, nachdem er syrische Flüchtlinge kennengelernt hat. Das Lied schildert aus der Ich-Perspektive, wie sich ein Flüchtling mit seinem Kind auf den Weg macht und sich in einer fremden Sprache und Kultur wiederfindet. „Wage zu denken“ hat Inge Hoffmann geschrieben, um die Hörer zu ermutigen, sich eigene Gedanken zu machen. „Dumme Sprüche und Parolen ziehen große Massen an, darum ist es jetzt geboten, mitzudenken, aufzusteh`n“, heißt es in dem Stück, das von Immanuel Kants berühmter Aufforderung „Habe Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen“, inspiriert wurde. Sehr amüsiert haben sich die Zuhörer im Schreiwer-Hais’l über zwei Lieder von Otto Reutter, die Klaus Hammer gesungen hat. Als Zugabe zum guten Schluss gab es noch „Die Gedanken sind frei“ in mehreren Sprachen und zum Mitsingen.