Rhein-Pfalz Kreis Weg mit den Spargelhähnchen!

Grüner Spargel mundet nicht nur Feinschmeckern. Er ist auch die Leibspeise des aus Nordamerika und Asien eingewanderten Käfers.
Grüner Spargel mundet nicht nur Feinschmeckern. Er ist auch die Leibspeise des aus Nordamerika und Asien eingewanderten Käfers. Im Frühsommer legt das Weibchen Eier auf die Stängel.

Spargelhähnchen, das klingt nach einem leckeren Fleischgericht mit Stangengemüse. Tatsächlich heißt so ein Käfer, der sich in den Spargelpflanzen einnistet. Auch die Spargelfliege zählt zu den Insekten, die von den Schreibers nicht so gern gesehen werden. Damit die Pflanzen auf den Feldern des Gerolsheimer Spargelhofs in der nächsten Erntesaison optimale Erträge liefern, bekommen sie jetzt regelmäßig Insektizid-Schutz aus dem Schlauch.

„Hier haben wir ein Spargelhähnchen“, sagt Spargelbauer Dirk Schreiber und klaubt einen etwa fünf Millimeter großen Käfer aus seinem Feld bei Heßheim. Die harmlos wirkenden schwarz-braunen Tiere mit den weißen Flecken sehen zwar hübsch aus. Tatsächlich ernährt sich das aus Nordamerika und Asien eingeschleppte Gemeine Spargelhähnchen ausschließlich von Spargelpflanzen und schwächt besonders die Junganlagen. Nach der Paarung im Frühsommer legt jedes Weibchen etwa 100 Eier auf die Stängel ab. Daraus entwickeln sich olivgrüne Larven, die das zarte Grün der Pflanzen abfressen. Ebenso hat es die winzige Spargelfliege auf die Jungpflanzen abgesehen. „Sie sticht die Stängel an und legt ihre Eier hinein“, berichtet Schreiber. Die Larven fressen die Stängel von innen an. Um die Schädlinge fernzuhalten, besprüht er seine Felder aus einer Pflanzenschutzspritze, die an einem Gestänge des Traktors befestigt ist. Enthalten sind fünf insektizide Wirkstoffe, die laut der EU-Verordnung zum Schutz von Nutzpflanzen verwendet werden dürfen und vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Braunschweig zugelassen sind. Spritzen muss Schreiber auch gegen Unkraut – zum Beispiel Ackerwinde und Disteln – sowie bei Bedarf gegen Pilzerkrankungen wie Spargelrost, Grauschimmel und die Spargellaubkrankheit. „Wir Landwirte müssen stets auch Pflanzendoktoren sein“, schmunzelt er. „Die zutreffende Diagnose stellen und das richtige Maß bei der Therapie finden.“ Doch wie viel von den Insektiziden, Fungiziden und Herbiziden kommt in den Stangen an? Da Spargel ein Wurzel- und Stängelgemüse ist, sei er wesentlich rückstandärmer als Blatt- und Fruchtgemüse. „Es wird lediglich das grüne, ausgetriebene Laub der Pflanze nach der Ernte im Spätsommer behandelt“, erklärt der Landwirt. Die im Folgejahr unterirdisch wachsenden weißen Spargelstangen, die ab März austreiben und geerntet werden, hätten keinen direkten Kontakt mit den Pflanzenschutzmitteln. Regelmäßig lässt er sein Spargelgemüse von der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt in Speyer (LUFA) kontrollieren. „Hierbei wird der verkaufsfertige Spargel genaustens auf Rückstände untersucht und erst wenn alles okay ist, verkaufen wir unseren Spargel“, so Schreiber, der stolz darauf ist, dass es seitens der Speyerer Kontrolleure noch nie Beanstandungen gegeben habe. Serie Für die Verbraucher dauert die pfälzische Spargelsaison von Ende März bis 24. Juni. Die Anbauer dagegen beschäftigen sich das ganze Jahr über mit dem edlen Gemüse. In dieser Serie berichtet die RHEINPFALZ am Beispiel des Gerolsheimer Spargel- und Erdbeerhofs Schreiber über die vielen Aspekte des Geschäfts. Einmal im Monat erzählen die Schreibers als Spargeldirektvermarkter, wie sich die Pflanzen entwickeln und welche Arbeiten anstehen.

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