Mutterstadt / Schifferstadt
Wasserwerk Mutterstadt: Erweitern für die Zukunft
Dem Begriff Resilienz ist gerade nicht zu entkommen. Wenig überraschend also, dass auch Wolfgang Engler, Werkdirektor beim Zweckverband für Wasserversorgung Pfälzische Mittelrheingruppe mit Sitz in Schifferstadt, gleich zu Beginn des Gesprächs über die Erweiterungsarbeiten am Mutterstadter Wasserwerk auf die Resilienz verweist, der die Arbeiten dienen. Krisenfest wolle man bleiben und kontinuierlich die Bedarfsplanung im Auge haben. „Vor allem im Hinblick auf die zunehmenden Trockenheitsphasen wie vor einigen Wochen“, sagt Engler.
Generell macht der Werkdirektor einen sehr entspannten Eindruck. Was einerseits wohl auch am Verhalten der Kundschaft des Zweckverbands – dazu gehören Schifferstadt, die Verbandsgemeinde Rheinauen, Böhl, Limburgerhof, Dannstadt-Schauernheim und Mutterstadt – liegt. „Die Leute haben gelernt, vernünftig mit Trinkwasser umzugehen. Der Rasen muss bei der größten Hitze nicht mehr golfgrün sein“, erläutert er.
Auslöser in der Vergangenheit
Engler erinnert sich an die Sommer der Jahre 2018 und 2020. „Da ging’s hier heiß her.“ Diese seien mit Auslöser dafür gewesen, die Strukturen beim Wasserzweckverband zu überdenken und nachzujustieren, was die Infrastruktur betrifft. „Daher sind auch in Mutterstadt verschiedene Maßnahmen entstanden“, sagt Engler. Konkret sei es um die Erhaltung und auch Steigerung der Kapazität gegangen.
Im Durchschnitt verbrauchen die rund 85.000 Menschen, die im Einzugsgebiet des Zweckverbands leben, Engler zufolge 13.000 bis 14.000 Kubikmeter Wasser pro Tag. An extrem heißen Tagen seien es 24.000. „Eine Zunahme um 10.000 Kubikmeter pro Tag, das ist schon ein Wert.“ Aber: In den vergangenen Jahren seien immer mehr Einwohner dazugekommen. Der Durchschnitts- und der Gesamtverbrauch aber blieben trotzdem konstant.
Erweiterung bis 2027
Damit solche Verbrauchsmengen auch in Zukunft kein Problem für den Wasserzweckverband sind, ist dieser gerade dabei, das Wasserwerk in Mutterstadt auf den neuesten Stand zu bringen. Von 2021 bis 2027 dauere dieser Sanierungszeitraum ungefähr, sagt Engler. Von außen sieht man allerdings wenig. Man muss schon ins Gebäude des Wasserwerks gehen. Dann sieht man die fünf großen Filter. Das waren ursprünglich mal drei. „Damit haben wir die Aufbereitungskapazität von 375 auf bis zu 600 Kubikmeter Wasser pro Stunde erhöht“, erklärt der Werkdirektor. Rund 1,1 Millionen Euro habe der Zweckverband für das gesamte Projekt investiert.
Gebraucht werden die Filter zur Beseitigung von Störstoffen im Rohwasser, wie Stefan Wieandt, Wassermeister in Mutterstadt, erklärt. Vereinfacht ausgedrückt, wird dem Wasser Sauerstoff beigegeben, um Eisen oder Mangan durch Autoxidation in größere Partikel umzuwandeln. Auch die Kohlensäure soll durch ergänzende Vor- und Nachentsäuerung entfernt und der richtige pH-Wert eingestellt werden, ergänzt Engler. Es soll schließlich kein Sprudelwasser aus dem Wasserhahn in der Küche oder im Bad fließen.
Verzögerung beim zweiten Reinwasserbehälter
Zu den Erweiterungsprojekten in Mutterstadt gehört auch der Bau eines zweiten Reinwasserbehälters mit einem Fassungsvermögen von zusätzlich 3000 Kubikmetern Trinkwasser. Damit will der Zweckverband die Speichermenge in Mutterstadt verdoppeln. Etwa 2,7 Millionen Euro kostet das Vorhaben. Ein Schaden an der Entnahmeleitung habe die Inbetriebnahme allerdings um etwa ein Jahr verzögert, sagt Wolfgang Engler. „Ich bin aber guter Hoffnung, dass wir den Behälter dieses Jahr noch in Betrieb nehmen können.“
Zwischen 2021 und 2027 will der Wasserzweckverband nach eigenen Angaben rund sechs Millionen Euro in seine Infrastruktur in Mutterstadt investieren. Und ja, das merke am Ende auch der Kunde beim Wasserpreis, sagt Engler. Der Preis für den Kubikmeter sei 2025 von 1,09 auf 1,19 Euro angehoben worden, die Grundgebühr von 51 auf 55 Euro. „Der Zweckverband hat keine Gewinnerzielungsabsicht“, betont Engler. Das heißt, das Geld ist für die Deckung der laufenden Kosten und Investitionen bestimmt.
Photovoltaikanlage für 400.000 Euro
Und für Investitionen wie zum Beispiel die 400.000 Euro, die der Zweckverband in die Photovoltaikanlage auf dem Hügel über dem zweiten Reinwasserbehälter gesteckt hat. Diese sei noch kein ganzes Jahr in Betrieb. „Aber wenn’s gut läuft, bekommen wir rund 150.000 Kilowattstunden heraus“, schätzt Engler. Zudem kann durch die Ost/West-Ausrichtung der Module eine sehr hohe Eigennutzung des erzeugten Stroms erreicht werden.
Gebaut wurde außerdem noch eine neue Trafostation im Wald zwischen Limburgerhof und Mutterstadt. Sie versorgt die drei Tiefbrunnen im Wald mit Energie. Auf dem Werksgelände selbst plant der Zweckverband die Bohrung eines vierten Brunnens. „Die Genehmigung ist erfolgt. Die Ausschreibung läuft. Bis 2027 soll er betriebsbereit sein“, sagt der Werkdirektor. Kosten: rund 1,5 Millionen Euro. Er soll dorthin kommen, wo jetzt noch einer von zwei Teichen auf dem Gelände ist, in denen Rückspülwasser aus den Filteranlagen versickert. „Von all den Investitionen sieht die Bevölkerung in der Regel nichts“, sagt Stefan Wieandt. Stimmt. Aber sie merkt es daran, dass störungsfrei das Wasser aus dem Hahn läuft.
Eine größere Investition wird allerdings jeder bemerken. „Wir wollen in Schifferstadt ein neues Wasserwerk bauen“, kündigt Wolfgang Engler an. Für dieses Projekt rechnet man beim Zweckverband mit einer Investitionssumme von über 20 Millionen Euro. „Wenn alles gut läuft, können wir damit 2029 in Betrieb gehen.“ In dem Jahr feiert der Zweckverband auch sein 100-jähriges Bestehen. Auf jeden Fall werde man bis dahin aber Bautätigkeiten sehen, sagt Stefan Wieandt.