Rhein-Pfalz Kreis „Wasserbedarf steigt“
Seit 1881 ist die Jahresmitteltemperatur um 1,5 Grad gestiegen, Rekordmonat folgt auf Rekordmonat. In der Oberrheinebene wächst die Gesundheitsbelastung durch Hitze und Trockenheit. Diese Befunde sind Themen eines öffentlichen Fachvortrags, zu dem der Bezirksverband am Mittwoch in die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt (Lufa) Speyer einlädt. Referent Ulrich Matthes spricht im Interview über lokale Lösungsansätze.
Das könnte man so sagen. Speyer liegt im Oberrheingraben, der besonders vom Klimawandel betroffen ist, und hat Probleme, wie sie in Mittelstädten häufiger vorkommen: Sie reichen von Hitze-„Hotspots“ über extreme Wetterereignisse wie Hoch- und Niedrigwasser bis hin zum Auftreten neuer Mückenarten, die Krankheiten übertragen können. Dass ich hier referiere, hat natürlich auch damit zu tun, dass die Lufa ein Kooperationspartner von uns ist, mit dem wir seit vielen Jahren sehr gut zusammenarbeiten. Der Klimawandel betrifft die Siedlungsfläche, aber auch die Landwirtschaft in der Vorderpfalz. Was ist da zu erwarten? Im Sommer wird es während der Vegetationszeit weniger Niederschläge als heute geben, zudem sorgen die steigenden Temperaturen für eine erhöhte Verdunstung. Das heißt, der Wasserbedarf für die Sonder- und Gemüsekulturen wird steigen. Zum Glück verfügt die Vorderpfalz über ein gut ausgebautes Beregnungssystem. Bäuerliche Betriebe werden aber trotzdem über andere Fruchtarten und eine Risikostreuung in ihrem Anbau nachdenken müssen. Sie werben für lokalspezifische Lösungen bei der Anpassung an den Klimawandel. Was könnten da Vorschläge für Speyer sein? Speyer hat Beispiele dafür geliefert, als es sich in einem Leuchtturmprojekt des Bundesumweltministeriums mit dem Klimawandel auseinandersetzte. Ein konkretes Ergebnis war die Konzeption eines Schattenwegs für Touristen an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei. Hinzu kommt, dass Trinkwasserspender bereitgestellt und Verhaltenstipps gegeben werden. Das sind eher weiche Faktoren. Wie sieht es bei geplanter weiterer Versiegelung bei Bauprojekten aus? Dass es in Speyer schon heute oft heiß wird, hat zum einen mit der Lage, zum anderen mit der bestehenden Versiegelung etwa in der Fußgängerzone zu tun. Die Bauleitplanung ist bereits verpflichtet, den Klimawandel zu berücksichtigen. Sie muss Freiflächen und Frischluftschneisen vorsehen. Darauf wird auch zunehmend geachtet. Und wie kann Ihr Kompetenzzentrum dabei den Kommunen helfen? Wir befassen uns mit den Auswirkungen des Klimawandels auf alle Gesellschafts- und Umweltbereiche, leiten Anpassungsstrategien ab. Wir stellen Informationen bereit und bieten Hilfe zur Selbsthilfe. Es geht um Entscheidungsunterstützung. Es ist nicht so, dass wir jedem individuelle Lösungen liefern können. Unsere Adressaten sind übrigens nicht nur Kommunen, sondern zum Beispiel auch Unternehmen und Bürger. In unserem Internetangebot www.kwis-rlp.de gibt es dafür ein Kommunalportal. Zur Person Ulrich Matthes (49 Jahre), promovierter Forstwirt, leitet seit 2010 das Rheinland-Pfalz-Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen in Trippstadt. Termin Vortrag „Klimawandel in der Stadt – Was erwartet uns und wie können wir darauf reagieren?“ am Mittwoch, 1. Juni, 19 Uhr, in der Speyerer Lufa, Obere Langgasse 40.