Rhein-Pfalz Kreis
„Waschbären schaden unseren Bodenbrütern“
Der aus Nordamerika eingeführte oder unbeabsichtigt eingeschleppte Waschbär breitet sich in Deutschland aus. In der Region Kassel beispielsweise ist er schon zur Plage geworden. Im Interview verrät Ewald Marx, Vorsitzender des Vereins für Naturschutz und Heimatpflege, dass die Tierart bald auch in Bobenheim-Roxheim zum Problem werden könnte.
Herr Marx, woher wissen Sie denn, dass es in Bobenheim-Roxheim Waschbären gibt?
Vor etwa drei Jahren wurde im Bereich Oberer Busch ein Waschbärenkadaver gefunden. Zuvor schon hatten wir uns gefragt, wieso im Frühjahr so viele Schwaneneier verschwinden. Und seit gut anderthalb Jahren berichten Jäger, dass sie in verschiedenen Gemarkungen Waschbären gesehen haben. Einer wurde mit einer Wildkamera aufgenommen, ein anders Mal hat der Hund eines Jägers beim Jagdrundgang Waschbärenjungen entdeckt. Ansonsten sieht man die Tiere eher selten, denn sie sind nachtaktiv und verhalten sich ganz ruhig. Wir schätzen den Bestand im Moment auf ungefähr ein Dutzend Tiere.
Diese Kleinbären mit den winzigen Pfoten und der schwarzen Gesichtsmaske sehen ziemlich putzig aus. Da fällt es schwer, sie als ein Problem zu betrachten. Wie sehen Sie das?
Aus der Sicht des Naturschützers sind sie tatsächlich problematisch, vor allem in unserer Silberseegegend. Waschbären sind Allesfresser und lieben frische Eier. Damit schaden sie unseren Schwänen und Enten und allen Bodenbrütern, auch den seltenen wie Rebhuhn, Fasan, Feldlerche, Kiebitz. Wir müssen auch davon ausgehen, dass die vor einigen Jahren hier wiederangesiedelte Europäische Sumpfschildkröte auf dem Speiseplan der sich rasch vermehrenden Waschbären steht. Und sogar junge Hasen. Dort, wo sie schon zur Plage geworden sind, richten sie Schäden an Häusern an. In einem Fall haben sich Waschbären in einem Kamin niedergelassen, und die Hausbewohner erlitten eine Kohlenmonoxidvergiftung.
Was kann man gegen die Plagegeister tun?
Als Feind des Niederwilds stehen sie auf der Abschussliste der Jäger. Große Chancen, sie zu fangen und „aus der Wildbahn zu entfernen“, wie es in der Jägersprache heißt, hat man mit Käfigfallen, in die ein Ei oder Obst gelegt wird. Aber auch die Bevölkerung kann mithelfen, dass sich Waschbären nicht ausbreiten. Komposthaufen sollten immer abgedeckt werden, und draußen in der Natur, zum Beispiel am Silberseestrand, sollten keinerlei Essensreste hinterlassen werden.
Kontakt
Für die Naturschützer ist es wichtig zu wissen, wo sich Waschbären schon angesiedelt haben. Ewald Marx nimmt deshalb unter Telefon 06239 3007 Meldungen von Leuten entgegen, die einen Waschbären gesehen haben.