Mutterstadt
Was war, was kommt: Die Investitionen haben ihren Preis
Der Kindercampus auf dem Gelände der Pestalozzi-Grundschule war 2021 eines der größten Projekte – und er wird es in den kommenden zwei Jahren auch bleiben. Dieser vereint Grundschule, Kindergarten und Hort auf einem Areal und ist eine gewünschte und notwendige Investition. Darin sind sich alle fraktionsübergreifend einig. Doch es wird eine Herausforderung, betont Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) immer wieder. Derzeit fehlen in der Gemeinde Kita-Plätze für zwei Gruppen, die erst mit dem Kindercampus geschaffen werden, der aber erst 2024/25 an den Start gehen wird. „Für 2022 sind etwa zwei Millionen Euro für die Kindertagesstätte am Kindercampus eingeplant“, erläutert Kämmerin Petra Helm. So lange muss sich im Kita-Bereich mit Containern beholfen werden.
Die sind derzeit auch für die Pestalozzi-Schule die Übergangslösung für die Platznot und werden es bleiben. Das über 110 Jahre alte Schulgebäude wurde 2021 generalsaniert. Noch einmal 1,1 Millionen Euro möchte die Gemeinde in diesem Jahr in die Schulerweiterung investieren. „Das liegt mir besonders am Herzen“, sagt Schneider. Ein wesentlicher Baufortschritt ist dafür der Abriss des alten Bauhofs, der derzeit läuft. Auch soll die Turnhallen-Sanierung in diesem Jahr durchgezogen werden, Kosten: 1,5 Millionen Euro. „Diese werden aber fest bis zu 90 Prozent vom Land bezuschusst“, sagt Helm.
Gemeinsamer Vollzugsdienst ein Erfolg
Gehämmert, gebaggert und gebaut wird 2022 auch an vielen anderen Stellen im Ort: Das Regen-Rückhalte-Becken wird planmäßig im Frühjahr fertig sein. Nach der Sanierung der Terrasse der Neuen Pforte wird nun auch die Bibliothek renoviert, in diesem Jahr sollen für 130.000 Euro Decke, Boden, Beleuchtung und Brandschutz in Angriff genommen werden. Mit neuem Konzept, Personal, Leitung und Inventar soll der Jugendtreff nach dem Umbau an den Start gehen, angepeilt ist Anfang 2023.
Derzeit gibt es keinen Treffpunkt für die Jugend. Ob das mit ein Grund ist, dass sich mehr junge Menschen auf den Straßen in der Ortsmitte aufhalten, darüber möchte man nicht spekulieren. Wie berichtet, gab es 2020 Beschwerden einzelner Bürger über Lärmbelästigungen in den Abendstunden. Ebenso gab es etliche Fälle von Vandalismus, auch 2021, etwa an der Walderholung. Daraufhin wurde am Sicherheitskonzept gefeilt. Eine Konsequenz daraus ist der gemeinsame Kommunale Vollzugsdienst mit Limburgerhof, der seit Anfang 2021 vor allem in den Abendstunden patrouilliert und den die Verwaltung als Erfolg verbucht.
Fünf Millionen Euro Kredite
Schon bald gibt es aber wieder einen Bolzplatz in Mutterstadt, der auch seinen Namen verdient. Der Spielplatz am Speyerer Weg wurde für 126.000 Euro mit einem neuen Belag und Spielgeräten für größere Kinder ausgestattet. So kann darauf ordentlich gespielt werden.
Was man für die Bühne des Veranstaltungshauses Palatinum nicht sagen kann: Coronabedingt fielen etliche Veranstaltungen aus, einige Kosten fielen dennoch an. Die Gemeinde musste im vergangenen Jahr 274.000 Euro zuschießen, für 2022 plant man einen Fehlbetrag von 258.000 Euro ein. Dennoch wird weiter investiert: 2021 waren es knapp 200.000 Euro im Innenbereich, informiert die Kämmerin. 2022 geht es mit insgesamt rund 400.000 Euro weiter, davon allein 200.000 Euro für den Brandschutz.
Auf die allgemein steigenden Kosten für Wohnraum hat die Gemeinde nur sehr wenig Einfluss. Dennoch ist sie verpflichtet und auch bestrebt, Wohnraum für die Ärmsten zu schaffen. Beschlossene Sache ist der Abriss und Neubau der Wohnanlage in der Bleichstraße, im Volksmund Brunnensee genannt. 100.000 Euro Planungskosten sollen dafür 2021 ausgegeben werden. Schneider hofft, dass das schnellstmöglich realisiert werden kann.
Edeka statt Real?
Große Veränderungen auch im Gewerbegebiet Fohlenweide: Der neue Bauhof (Gesamtkosten: 6,6 Millionen Euro) hat seinen Betrieb aufgenommen, Frigotrans hat seine neue Lager- und Logistikhalle eröffnet und Ende dieses Monats schließt der Realmarkt. Sehr wahrscheinlich wird nach der Hallensanierung ein Markt von Edeka einziehen.
All die Investitionen der Gemeinde wirken sich auf die Finanzen aus: Im Ergebnishaushalt steht dort für 2021 seit Langem wieder ein Minus von 1,6 Millionen Euro, für 2022 wird mit 2,56 Millionen Euro Defizit gerechnet. Und es wird wohl nicht besser werden, wie Schneider und Helm prognostizieren. „Zinsbringende Geldanlagen hat die Kommune für ihre vielen Investitionen verwendet“, erläutert Helm. Für die weiteren Investitionen müssen fünf Millionen Euro an Krediten aufgenommen werden, wofür Zinsen anfallen. Erlöse aus dem Verkauf von Grund und Boden sind nicht mehr zu erwarten, denn die Kommune hat keinen mehr. Zudem steigen die Personalkosten, die Kreisumlage, Sach- und Dienstleistungen sowie Aufwendungen.
Somit werden die letzten eineinhalb Dienstjahre von Bürgermeister Schneider nicht einfach. 2023 geht er in den Ruhestand, denn er kann altersbedingt nicht mehr wiedergewählt werden. „Wenn ich sehe, was wir noch an Maßnahmen vor uns haben, würde ich mir noch mehr Zeit wünschen“, sagt er, „aber ich bin optimistisch, dass wir das schaffen“.
Der Neujahrsempfang wurde ein weiteres Mal wegen der Pandemie abgesagt. Der Bürgermeister hat seine Neujahrsrede aufgezeichnet, das Video ist auf der Homepage www.mutterstadt.de verlinkt.