Rhein-Pfalz Kreis „Was ist ein Verein ohne Vereinsheim?“
«Fussgönheim.» In die Fußgönheimer Mehrzweckhalle soll eine Arztpraxis einziehen. Die Gaststätte, das Vereinsheim des ASV, müsste dann weichen. Nur: Der Verein wusste nichts davon – zumindest offiziell. Der Vorstand fürchtet, dass mit dem Klubhaus ein Stück der Vereinsseele verloren geht. Die „graue Eminenz“ des Klubs sieht das allerdings anders.
Immer wieder gibt Jürgen Hummel diesen einen Satz von sich. „Wir dachten nicht, dass die Planungen schon so weit fortgeschritten sind“, sagt der Vorsitzende des ASV Fußgönheim. Er sitzt mit Vorstandskollege Tarik Sarigene im Besprechungsraum des Vereinsgebäudes neben dem Kunstrasenplatz. Beide schauen ziemlich bedröppelt drein. „Hm. Traurig“, sagt Sarigene. Ein Stoßseufzer. Aus der RHEINPFALZ haben die Verantwortlichen kürzlich erfahren, dass in der Mehrzweckhalle in der Jahnstraße eine Arztpraxis einziehen soll. Ortsbürgermeisterin Marie-Luise Klein (SPD) befindet sich in Gesprächen mit Interessenten. Was noch fehlt, ist die kassenärztliche Zulassung für eine Praxis. Falls das klappt, sind einige Umbauarbeiten in der Mehrzweckhalle nötig. Die ASV-Gaststätte muss dann weichen. Der Fußgönheimer Bauausschuss hat die Pläne gebilligt. „Die Gaststätte ist ein Treffpunkt für alle“, sagt Hummel, „vor den Spielen, nach den Spielen. Die gesamte Kommunikation entfällt dann.“ Die erste Mannschaft des ASV tritt in der Verbandsliga an, laut Hummel kommen zu den Heimspielen im Schnitt zwischen 150 und 180 Zuschauer. Nach den Spielen organisiert der Verein in der Wirtschaft nach Abpfiff Pressegespräche, im Gastraum halten die Mannschaften ihre Besprechungen ab, die „Alt-ASVler“ treffen sich zum Stammtisch. „Das ist Vereinsleben“, sagt Sarigene; und Hummel ergänzt: „Ich bin erstaunt, dass man diese Institution aus dem Dorf eliminiert.“ Just im Moment, als der Vorstand über seine Sorgen spricht, spricht Klaus Weiler, ASV-Urgestein und als Ortsbeigeordneter (CDU) für die Mehrzweckhalle zuständig, mit dem aktuellen Betreiber der Gaststätte über eine Zukunft, die der Pächter womöglich nicht hat. Die Vereinsmitglieder haben eine Unterschriftenaktion gestartet – „Für den Erhalt der ASV-Gaststätte“. Das Papier liegt in zahlreichen Geschäften im Dorf aus, in der Bäckerei etwa oder im Dönerladen. Auch wenn noch nicht ganz sicher ist, ob tatsächlich eine Praxis in die Gaststätte einzieht, fühlt sich der Sportverein übergangen. „Es ist schade, dass wir nicht angehört wurden“, sagt Hummel. Die Verantwortlichen hätten gerne vor dem Ausschuss ihre Argumente vorgebracht, sagen sie. „Gerüchte gab es, ja – aber nichts Konkretes“, sagt Hummel, geschweige denn eine offizielle Information der Gemeinde. „Man erwartet von uns als Verein, dass wir uns im Ort einbringen“, sagt Sarigene, „und umgekehrt?“ Das Party-Zelt des ASV ist eines der Herzstücke der Fußgönheimer Kerwe. „Wenn wir uns dort zurückziehen würden ...“ – Sarigene beendet den Satz nicht. Die Mehrzweckhalle samt Gaststätte ist Gemeindeeigentum, das 2003 eingeweihte Gebäude im hinteren Bereich des ASV-Geländes mit Umkleiden, Duschen und kleineren Aufenthaltsräumen gehört dem Klub. „Wir haben kein Mitbestimmungsrecht bei der Gaststätte, keine Veto-Möglichkeit“, sagt Hummel. Aber trotzdem: „Ich kenne keinen Verein in der Umgebung ohne Vereinsheim.“ Wenig später sitzt Klaus Weiler, so etwas wie die „graue Eminenz“ des Klubs und das Bindeglied zur Politik, vor dem Vereinsheim. „Der Pächter weiß jetzt Bescheid“, sagt er. Weiler sitzt öfter dort auf der Terrasse, heute mit zwei Bekannten, die drei sind die einzigen Gäste. Darin liegt für Weiler eines der Probleme: „Der ASV hat nicht genug dafür getan, dass die Wirtschaft existieren kann“, sagt er, „nach den Spielen ist die Tendenz klar – alle gehen nach Hause.“ In den vergangenen Jahren habe es unter den Pächtern der Gaststätte keine Konstanz gegeben. Daraus macht auch Jürgen Hummel keinen Hehl. Sechs oder sieben waren es in den vergangenen fünf oder sechs Jahren. Die Zahlen, die die Beteiligten nennen, variieren. Das Ergebnis war stets das gleiche: „Verlustreich“, sagt Weiler nur. „Wenn es eine andere Möglichkeit gegeben hätte, hätten wir sie genommen“, fährt der Beigeordnete fort. Die gab es aber nicht. Zwei andere Gebäude seien für die Praxis angedacht gewesen, beides hat nicht geklappt. Dennoch: „Ein Arzt muss her, ein Arzt ist wichtig“, sagt Weiler. Er erneuert seine Kritik an Bürgermeisterin Klein, bei den Gesprächen mit den Interessenten nicht dabei zu sein. „Dabei bleibe ich“, sagt er, „aber es ist noch nichts in trockenen Tüchern.“ Weil es in Maxdorf viele Ärzte gibt, ist eine Zulassung für einen niedergelassenen Arzt in Fußgönheim nicht selbstverständlich. Er habe „seinen“ ASV frühzeitig informiert, dass es so weit kommen könnte und eine Praxis in der Gaststätte einzieht, sagt Weiler. Eine offizielle Mitteilung gab es aber nicht. Er weiß, wie wichtig ein Vereinsheim für den Klub ist. Weiler holt tief Luft und sagt: „Aber ein Verlust wäre es nur, wenn die Gaststätte auch genutzt würde.“