Bobenheim-Roxheim
Was ein Betriebshof so alles leistet
Peter Bartmann hat sich nach rund 40 Jahren als Chef des Betriebshofs zur Ruhe gesetzt. Mit ihm geht zwar viel Wissen, aber sein Nachfolger Markus Michel fühlt sich gut eingearbeitet. 2004 stieß der gelernte Landschaftsgärtner zu dem heute rund 30 Mitarbeiter zählenden Team in der Industriestraße, und man darf vermuten, dass Bartmann ihn gut für die Übernahme der Führungsposition trainiert hat. In den vergangenen drei Jahren war Michel sein Stellvertreter.
„Ich habe von den Kollegen hier viel gelernt“, sagt Michel. Das kann man sich gut vorstellen, denn neben dem grünen Beruf des Gärtners oder Landschaftsbauers arbeiten unter anderem auch Elektriker, Landmaschinenschlosser, Kfz-Mechaniker und Schreiner auf dem Gelände, wo sich der Wertstoffhof befindet. Vier Frauen gehören zum Team. Auch die bei der Gemeinde angestellten Hausmeister sind derzeit dem Betriebshof angegliedert, was demnächst allerdings rückgängig gemacht wird. „Das war sinnvoll in der Zeit, als der Hausmeisterdienst krankheitsbedingt unterbesetzt war“, erklärt Thomas Krauß, Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt.
Fuhrpark gut, Gebäude schlecht
Markus Michel lobt den Fuhrpark seiner Abteilung, der dank der Weitsicht Bartmanns hervorragend dastehe. Der 39-Jährige zählt auf: Großschlepper, Frontlader, Häcksler, Kehrmaschine, Stapler, diverse Transporter und sogar ein Kran. Alles könne intern gewartet werden, nur größere Reparaturen müssten vergeben werden.
Nicht gut ist dagegen die Unterbringung der Mitarbeiter, deshalb steckt die Gemeinde mitten in den Planungen für eine Erweiterung und Modernisierung des alten Gebäudes, das früher einmal das Kanalwerk war. Die Büros beispielsweise sind viel zu klein, energetisch liegt vor allem im Werkstattbereich vieles im Argen, und im Sozialraum geht es so eng zu, dass aktuell versetzt Pause gemacht werden muss.
Markus Michel, der mit seiner Familie in Gundheim im Landkreis Alzey-Worms wohnt, arbeitet gern für die Kommune. Mitglied eines Bau- oder Betriebshofs zu sein, sei beileibe „kein Faulenzerjob, aber trotzdem nicht so stressig wie in der freien Wirtschaft“. Dass sein Team unter anderem für den Winterdienst, für Aus- und Aufräumarbeiten, Transporte, Grünflächenpflege und die beiden Friedhöfe zuständig ist, dürften die meisten Bobenheim-Roxheimer wissen. Aber wie viel Fortbildungen in dem Job notwendig sind, vielleicht nicht.
Ökologische Projekte gehören dazu
Dabei geht es laut Michel nicht nur um den Betrieb neuer Maschinen, sondern auch um ökologische Projekte wie die Stromtalwiesen, die das Land in der Altrheingemeinde wieder etablieren will. Dafür braucht es ein spezielles Saatgut und das Wissen, wie so eine Wiese behandelt werden muss. Thomas Krauß weist auf den kürzlich erfolgten Kauf der ehemaligen Pferdekoppel in der Nähe des Bobenheimer Altrheins hin. Das Gelände könnte zur Stromtalwiese umgestaltet werden. „Aber dafür muss sie erst einmal richtig abmagern“, sagt Michel. Denn die für diesen Lebensraum typischen und fast verschwundenen Pflanzen brauchen einen gänzlich ungedüngten Boden. Heißt für den Betriebshof: Wenn dort gemäht wird, dürfen die Pflanzenreste nicht liegenbleiben.
Angesprochen auf Bürger, denen Gemeindearbeiter grundsätzlich nichts recht machen können, gibt sich Michel gelassen. Er punktet gerade mit einer bürgerfreundlichen Geste, nämlich dem Verkauf von Saatgut, wie es etwa auf dem zur Wildblumenwiese gewordenen Globus-Kreisel verwendet wird. Die Mischung bekommen Verbraucher nämlich nicht einfach so im Gartencenter. Und dass seine Truppe so viel nicht falsch macht, zeigt ihm das Lob aus dem Rathaus. Dort kommen die Hinweise aus der Bevölkerung an, dass im Ort hier oder da etwas gemacht werden muss. Bauamtsleiter Krauß: „Wenn wir dann im Betriebshof anrufen, heißt es recht oft: ,ist schon erledigt’.“