Speyerer Umland
Was die Gemeinden des bayerischen Rheinkreis Max I. zum Thronjubiläum schenkten
Seit 1799 saß König Max I., der von seinen Untertanen liebevoll „der gute Vater Max“ genannt wurde, auf dem bayerischen Thron. Für die Pfalz begann Ende April 1816 eine neue Epoche ihrer Geschichte. Sie wurde dem Königreich Bayern einverleibt. Die linksrheinische Rheinpfalz kam als Bayerischer Rheinkreis (ab 1838 Rheinpfalz) zum Königreich Bayern. Verwaltungssitz wurde Speyer. Im gesamten Rheinkreis wurden die Gemeinden 1824 aufgefordert, sich zu Ehren des Königs und seines 25. Thronjubiläums etwas Besonderes einfallen zu lassen.
Über die in Speyer 1824 abgehaltenen Festlichkeiten heißt es: „Speyers Bewohner haben das Fest am 16ten Februar auf eine würdige und unvergeßliche Weise begangen (...). Vorüber ist das schönste der Feste, welches in ganz Baiern und auch im Rheinbaiern für den geliebtesten Monarchen nach 25 Jahren seiner glorreichen Regierung in Enthusiasmus begangen wurde, und in den Annalen der baierischen Geschichte sowie in den Herzen der Einwohner und ihrer Nachkommen stets eingezeichnet bleiben wird.“
Weg und Glocke
Und was schenkten die um Speyer liegenden Gemeinden ihrem Monarchen? Von den Landkommissariaten Speyer und Germersheim, die heute mit einer Kreisverwaltung vergleichbar sind, liegen darüber die nachfolgenden Nachrichten vor: Das Geschenk der Gemeinde Berghausen zu Ehren des Königs war „die solide Herstellung des Vicinalweges nach Heiligenstein“ (heutiger Kirchenweg) sowie die Anschaffung einer neuen Glocke für die kleine St. Pankratiuskapelle (Vorgängerin der heutigen Pfarrkirche, erbaut 1841) zum Preis von 200 Gulden. Die Glocke erhielt eine entsprechende Einprägung für den Grund ihrer Anschaffung.
Der Beitrag der Gemeinde Hanhofen bestand in der Verminderung des Schulgeldes um die Hälfte, welches aus der Gemeindekasse bestritten wurde. Die Gemeinde Harthausen verwandelte zum Andenken an diesen Tag einen unfruchtbaren Boden in der Größe von drei Morgen (umgerechnet zirka 1 Hektar) „durch freywillige Arbeit zu einem einträglichen Gemeindegute.“ Die Gemeinde Mechtersheim ließ zur Verschönerung des Ortsbildes die in der Ortsmitte („Hauptplatze“) befindliche „Wasserlache“ durch unentgeltliche Arbeit auffüllen, also trockenlegen, und als Allee bepflanzen. Heute befindet sich dort der Lindenplatz.
Der Beitrag der Gemeinde Otterstadt bestand darin, den Weg nach Ketsch bis an den Rheindamm zweckmäßig herzustellen und künftig die „Belustigungsgebühren jährlich an diesem Tage unter die Ortsarmen zu verteilen.“ Die Ortsgemeinde Waldsee baute zu Ehren des geliebten Königs einen „soliden Weg auf ihre erst unlängst kultivierten Gemeindegüter“ und kündigte ebenfalls an, die „Belustigungsgebühren an die Ortsarmen fortzupflanzen“.
Armenschule und nichts
Was die Gemeinde Schwegenheim betrifft, so beschloss der Gemeinderat, wie auch die Nachbargemeinde Lingenfeld, die „Errichtung einer Freyschule“ (Armenschule), um darin die Kinder aus mittellosen Familien unentgeltlich zu unterrichten. Von den Gemeinden Dudenhofen und Heiligenstein – beide gehörten zum Landkommissariat Speyer – sind keine Nachrichten überliefert, welche Art von „Geschenken“ sie bezüglich des Thronjubiläums von König Max machen wollten. Offenbar standen in beiden Orten hierfür entweder keine finanziellen Mittel zu Verfügung oder es mangelte an geeignete Ideen.
Zur Person: Maximilian I. Joseph
Maximilian I. Joseph oder kurz Max Joseph (1756-1825) aus dem Hause Wittelsbach war von 1799 bis 1806 als Maximilian IV. (auch Max IV. Joseph) Kurfürst und ab 1806 als Maximilian I. (auch Max I. Joseph) König von Bayern. Von seinem verstorbenen Bruder Karl II. August erbte er 1795 das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Nach dem Tod des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor wurde Max Joseph im Februar 1799 als Maximilian IV. Joseph dessen Nachfolger in allen Gebieten der Wittelsbacher. Er begründete die Herrschaft der Wittelsbacher Linie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld über Bayern. Durch ein Bündnis mit dem napoleonischen Frankreich stieg er am 1. Januar 1806 zum ersten König von Bayern auf. Durch die einschneidenden Reformen und territorialen Veränderungen seiner Zeit entstand unter seinem Minister Maximilian von Montgelas der moderne bayerische Staat. Von seinen Untertanen wurde er „der gute Vater Max“ genannt. Sein Nachfolger wurde Ludwig I. (1825-1848), der gern in der Pfalz weilte.