Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Was aus den geplanten Festen im Speyerer Umland wird

Römertafel im August 2018: Eine solche Veranstaltung mit zahlreichen Besuchern ist dieses Jahr nicht möglich.
Römertafel im August 2018: Eine solche Veranstaltung mit zahlreichen Besuchern ist dieses Jahr nicht möglich.

Deutschland ist lockerer geworden in den vergangenen Tagen, jedoch nicht überall. Großveranstaltungen bleiben bis auf Weiteres verboten. Abgesagt sind längst nicht alle im Speyerer Umland. Gefühlssache, sagt der Heiligensteiner Ortskartell-Chef Helge Harder. Er und einige Kollegen erzählen, wie sie mit der Situation umgehen. Aber vor allem: Wie geht es weiter?

„Die Römertafel habe ich noch nicht abgesagt und werde es auch nicht tun“, sagt Harder. Mit Trotz hat das nichts zu tun. Stattdessen mit viel Emotion. Die Veranstaltung wird nicht stattfinden, das weiß der Vorsitzende des Ortskartells (OK). Aber: „Wir bekommen sie nicht genehmigt. Das ist dann so, und auch, wenn es etwas albern klingt, es hinterlässt bei mir ein besseres Gefühl, als dieses Highlight der Römerberger Festveranstaltungen proaktiv abzusagen.“

Harder ist sich sicher, dass die drei Tage im August den Vereinen und der Bevölkerung schmerzlich fehlen werden. „Das trifft die veranstaltenden Vereine natürlich auch wirtschaftlich. Die hier erzielten Einnahmen sind zumeist wesentlicher Bestandteil zur Finanzierung der Übungsbetriebe und Wettkampfveranstaltungen“, sagt der OK-Vorsitzende.

Emotionale Einbußen hat es in den Mitgliedsvereinen schon einige gegeben. 100 Jahre FV Heiligenstein, Jubiläumskonzert der Magic Gospel Voices, Sommeraufenthalt der Tschernobylkinder – alles muss ausfallen. Dadurch sei erheblich Farbe aus dem Leben genommen worden, und so werde es in den kommenden Wochen noch mehrfach sein, meint Harder. Er hat nicht nur die Großveranstaltungen im Blick, sondern auch das tägliche Geschehen in den Vereinen, von Übungs- und Trainingsstunden über Auftritte bis hin zu Ausschusssitzungen. „Dies schneidet in das Leben der Menschen unterschiedlich tief ein“, sagt der Ortskartell-Vorsitzende und unterstreicht: „Wohl dem, der hier mit sich, seinem Umfeld und seiner Familie einen Ausgleich findet.“

Unklarheit bei Kerwen

Das große Streichkonzert ging auch an Schwegenheim nicht vorüber. Zwischen Mitte März und Ende August ist der Veranstaltungskalender blank gefegt. Auch das Konzert des Männergesangvereins Ende Oktober ist bereits abgesagt, sagt der Ortskartell-Vorsitzende Roland Haag. Grund sind mangelnde Chorproben. Die Kerwe – gesetzt vom 11. bis 14. September – wackelt. Fest steht, dass das Straßenfest nicht stattfinden wird. „Das tut den daran beteiligten Vereinen sehr, sehr weh“, bestätigt Haag. Für alle sei es eine wichtige Einnahmequelle. „Falls die Kerwe stattfindet, wäre denkbar, in Rücksprache mit dem Heimat- und Kulturverein als Ausrichter, weitere Vereine aufgrund deren finanziellen Lage miteinzubeziehen“, wirft Haag ein.

Nicht rosiger sieht es im Nachbarort Lingenfeld aus. Auch dort wird es im Sommer kein Straßenfest geben. „Das tut uns als Ortskartell und den Vereinen schon weh. Schließlich ist es das größte Fest im Jahr, das wir in Lingenfeld haben“, sagt die OK-Vorsitzende Lisa Krämer. Trotzdem sieht sie die Lage realistisch. Die Entscheidung zur Absage sei gemeinsam mit der Ortsgemeinde getroffen und die Vereine seien informiert worden. „Diese können mit der Situation, wie sie jetzt ist, umgehen“, versichert Krämer. Unklarheit herrscht, wie in Schwegenheim, noch bei der Kerwe im Herbst. „Da man aktuell nicht sagen kann, wie sich die Situation entwickelt und nicht voraussehen kann, was noch kommt, wissen wir noch nicht, ob sie stattfinden kann“, sagt sie.

Das Virus grämt auch die Vereine in Dudenhofen. Der OK-Vorsitzende Hans-Gerd Walch nennt als konkret abgesagte Veranstaltung allen voran das Spargelfest, parallel zu den Spargelspitzen, die eigentlich Mitte Mai hätten stattfinden sollen. „Natürlich tut eine solche Absage weh“, wiederholt er die Worte seiner Kollegen und spricht ebenso von finanziellen Einbußen. Ersatztermine gebe es nicht. „Ein Spargelfest im Herbst wäre sicherlich Nonsens“, meint Walch.

Brunnenfest abgesagt, Kerwe noch nicht – so lautet die Meldung aus Berghausen. „Diese fehlenden Feste tun den teilnehmenden Vereinen sehr weh. Da fehlen einige Tausend Euro“, sagt OK-Vorsitzender Helmut Kühner. Insgesamt seien bis Ende Mai 28 angemeldete Veranstaltungen der Mitgliedsvereine ausgefallen – wobei das nur die gemeldeten Aktionen seien. Am Beispiel des FV Berghausen macht Kühner deutlich: „Pro Woche kommen mindestens sechs bis sieben Termine dazu. Sonntags Frühschoppen, nachmittags Fußballspiel, dienstags und donnerstags Training, donnerstagsabends im Vereinsheim Essen mit Unterhaltung, zweimal Dart in der Woche und einiges mehr.“ Ähnlich sei es bei anderen Vereinen. Ergo: „Da kommen sicher 100 nicht durchgeführte Aktivitäten zusammen“, sagt der Ortskartell-Vorsitzende.

Feste im Internet?

Geht es nach dem Wunsch des Ortskartells, soll die Kerwe in Berghausen am ersten Septemberwochenende stattfinden. Kühner gibt aber zu: „Wir haben etwas Bammel vor dem Ansturm der Gäste. Es wäre das erste Fest nach dem 31. August.“ Über eine alternative Umsetzung sei noch nicht nachgedacht worden. In Schwegenheim sind laut OK-Vorsitzendem Roland Haag definitiv keine „Online-Feiern“ geplant. In Heiligenstein ist die diesjährige Festsaison gelaufen, meint Harder. In Dudenhofen ist der Denkprozess zur virtuellen Feier in Gang gesetzt, sagt Walch.

Konkreter äußert sich Lisa Krämer für Lingenfeld: „Wir arbeiten aktuell an alternativen Ideen. Im nächsten Monat ist dazu eine Sitzung geplant – via Skype oder nach Möglichkeit persönlich -, an der Vertreter der Gemeinde und Vereine teilnehmen. Gemeinsam werden wir schauen, wie es aussieht und wie es weitergehen kann.“ Helge Harder ist gewiss, dass die Idee, im September ein großes, zentrales Fest mit allen Römerberger Vereinen auszurichten, ein frommer Wunsch bleiben wird. Das Risiko sei zu groß. „Aber vielleicht reden wir unter den Ortskartellen noch mal drüber“, sagt er.

Lisa Krämer ist die Zukunft der Vereine und Feste betreffend optimistisch. Auch Hans-Gerd Walch glaubt nicht an ein komplettes Aus für Traditionsfeiern. Er betont: „Spargelfest und Spargelspitzen gehören seit 2019 zusammen und sollen 2021 wieder gemeinsam durchgeführt werden.“ Für Roland Haag ist es schlecht zu beurteilen, inwieweit sich die Pandemie negativ auf Vereine auswirkt. Amtskollege Kühner könnte sich das bei Gesangvereinen vorstellen, was die Proben angeht. Generell meint er: „Es wird aus meiner Sicht lange dauern, bis das alles wieder normal ist.“

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