Hanhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Walderlebnistag mit Erholungseffekt

Mal flauschig, mal stachelig: Jäger Artur Ranzenberger zeigt (von links) Ida, Katie sowie Leo die Tiere des Waldes und der Wiese
Mal flauschig, mal stachelig: Jäger Artur Ranzenberger zeigt (von links) Ida, Katie sowie Leo die Tiere des Waldes und der Wiesen

Was steht da im Wald, ganz still und stumm? Es sind Tierattrappen, die es beim Walderlebnistag in Hanhofen nicht nur zu bestaunen gab, sondern Teil eines Rätsels waren. Organisiert wurde der Tag vom Forstamt Pfälzer Rheinauen, der Ortsgemeinde und vielen Vereinen. Was der Wald zu bieten hat, stand dabei im Mittelpunkt, aber auch, was er dringend braucht.

Bei herbstlichen Temperaturen hat sich der Hanhofener Wald am Samstag noch in seinem schönsten Sommerkleid präsentiert: Grün, wohin der Blick fiel. Im Gegensatz zu den meisten Vorjahren seit 2018 hat es jüngst genügend geregnet, damit die Bäume und anderen Pflanzen des Waldes auch im Frühherbst noch voll im Saft stehen und ihre Blätter eben nicht vorzeitig welken und abfallen. Doch die Momentaufnahme lässt nicht auf eine Abkehr vom Trend heißer und trockener Sommer hoffen, wie Förster Jürgen Render beim Walderlebnistag erklärt. „Die Natur braucht den Regen!“, sagt der Leiter des Forstreviers Modenbach – und benennt damit zugleich den Lösungssatz des Waldrätsels bei der Veranstaltung. Mehr als 100 Besucher haben am Quiz teilgenommen, wovon fast 30 als Gewinner einer Verlosung durch Ortsbürgermeisterin Silke Schmitt-Makdice (SPD) verschiedene Preise bekamen, vor allem Bücher rund um den Wald.

Das Forstamt berichtete an einem Info-Stand im Zugangsbereich zum Walderlebnistag bei der „Pipeline-Schneise“ zwischen Hanhofen und Dudenhofen über den Temperaturanstieg in Rheinland-Pfalz und den Rückgang des Grundwassers an zahlreichen Standorten. Landwirt Hubert Schewes zeigte sich überrascht vom starken Absinken des sogenannten oberen Grundwasserleiters im Dudenhofener Wald nahe der Gaststätte Ganerb. Nach den Messergebnissen von Umweltbehörden des Landes beträgt der Rückgang dort seit Anfang der 1970er-Jahre bis vergangenen Herbst mehr als fünf Meter.

Grün hebt die Stimmung

Förster Render hat zudem Daten des Kompetenzzentrums für Klimawandelfolgen vorgestellt. Demnach sind in der Oberrheinebene im Jahr 2100 die Buche und Eiche nicht mehr lebensfähig, und auch die Kiefer sei kaum noch zu halten. Auf den drohenden Verlust der bisherigen Hauptbaumarten reagiert das Forstamt mit der Entwicklung eines Konzepts zum Waldumbau. „Es soll auch in 70 Jahren hier noch Wälder geben, aber die bestehen dann aus anderen Baumarten“, teilt Render mit.

Grün hebt die Stimmung, Sauerstoff bringt Energie und Bewegung tut gut – kurzum: Wald macht gute Laune. Der Erholungseffekt dieses Lebensraums war den einigen 100 Besuchern des Walderlebnistags anzusehen. Erfahren konnten sie nicht nur viel über Baumarten, etwa wie man diese erkennt, sondern vor allem auch über die tierischen Bewohner des Waldes und der Wiesen. Weil Wildtiere vor Menschen jedoch eher zurückscheuen, insbesondere wenn diese in größerer Anzahl auftreten, haben die Teilnehmer diese in Form von Abbildungen und als Präparate oder täuschend echte Attrappen präsentiert bekommen.

Bei der Erlebnisschule „Wald & Wild“ von Landesforsten und Landesjagdverband hat Jäger Artur Ranzenberger unter anderen den Geschwistern Katie und Leo sowie Inga verschiedene Tierpräparate vorgestellt. Ob Igel oder Reh – die Kinder durften die Tiere auch anfassen, und erfuhren so, wie weich manches Fell ist und wie spitz und scharf manche Stacheln und Krallen sind. „Ich bin von Anfang an beim Walderlebnistag dabei“, sagte Ranzenberger. Die Veranstaltung wurde Mitte der 1990er-Jahre vom damaligen Förster Peter Eberhard ins Leben gerufen.

Einige neue Naturschützer unter den Teilnehmern

Die noch junge Falknerei Birds of Prey aus Speyer war erstmals beim Walderlebnistag vertreten. Die Inhaber Courtney und Thorsten Iwersen und ihre Mitstreiter zeigten heimische wie exotische Greifvögel auch bei einer Flugvorführung – vom Steinkauz über einen Falken bis hin zum Steppenadler. Die Zuschauer waren fasziniert von der Schönheit der Tiere und dem vertrauten Umgang der Experten mit diesen.

Neben Stammteilnehmern wie den Jägern, die Tierattrappen im Wald versteckten (als Teil des Wald-Quiz), und den Natur- und Vogelschutzvereinen aus Hanhofen und Harthausen, die mit Fotos und Anschauungsobjekten über heimische Tierarten und ihre Schutzprojekte für diese berichteten, war mit Anne Aures eine weitere Naturschützerin erstmals dabei. „Ich habe mit den Kindern kleine Segelboote aus Kiefernrinde und Kastanienblättern gebastelt“, sagte sie. Jenseits des Walderlebnistages bietet die junge Frau verschiedene Kurse zur „elementaren Naturverbindung“ an (www.wildbewusst.de).

Theresa von der Falknerei Birds of Prey hat unter anderem Steinkauz Pumuckl zum Walderlebnistag mitgebracht.
Theresa von der Falknerei Birds of Prey hat unter anderem Steinkauz Pumuckl zum Walderlebnistag mitgebracht.
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