Grosse Themen, kleine Welt (1)
Waldbrände in Kalifornien erlebt: „Es war visuell beeindruckend“
Wilhelm Oehl wohnt seit Anfang der 1990er-Jahre in Amerika, San Francisco ist für den Dudenhofener längst zur Heimat geworden. Waldbrände gebe es in Kalifornien jedes Jahr, berichtet er. Doch dieses Jahr hätten sie besonders früh und stark gewütet. „Ich bin über die Golden Gate Bridge gefahren“, erinnert er sich an jenen Tag, an dem er das eindrucksvolle Bild zu diesem Text gemacht hat. „Ich habe die Szenerie gesehen und gedacht: Das muss ich fotografieren.“
Der orangefarbene Himmel sei der besonderen Witterung in San Francisco geschuldet gewesen. „Durch den Nebel ist ein interessantes Phänomen entstanden. Der Rauch hat sich auf den Nebel, den es in San Francisco häufig gibt, gesetzt“, erklärt Oehl. Angst habe ihm der Anblick keine gemacht, schließlich habe das Feuer die Stadt nicht bedroht, verwunderlich sei es aber schon gewesen, drei, vier Tage unter einem orangen Himmel zu leben. „Visuell war es jedenfalls toll“, sagt der Auswanderer. Der Rauch sei anfangs auch nicht zu riechen gewesen, erst später, als sich der Wind gedreht habe und der Nebel verschwand.
Computervisionär getroffen
Wie Wilhelm Oehl überhaupt in der Stadt an der amerikanischen Westküste gelandet ist und welchen Visionär der Computerbranche er dort kennengelernt hat, das ist eine weitere interessante Geschichte, die der Dudenhofener zu erzählen hat: Die Marke Apple ist heute die Adresse, wenn es um perfekte Technik geht, die gleichzeitig benutzerfreundlich ist und mit einem gewissen Stil daherkommt. Ein Stück dieser Erfolgsgeschichte hat Wilhelm Oehl mitgeschrieben. Und das kam so: Nach dem Abitur am Speyerer Kaiserdom-Gymnasium entschloss sich der Dudenhofener, nicht die Laufbahn von Vater und Großmutter – beide waren Ärzte – einzuschlagen. Stattdessen studierte Oehl Industriedesign an einer Privatschule am Genfer See. Über einen Austausch kam er 1993 nach Pasadena in Kalifornien. „Dort bin ich dann hängengeblieben“, erzählt der 54-Jährige, der mit einer Japanerin verheiratet ist und eine Tochter hat.
In Kalifornien machte Wilhelm Oehl die Bekanntschaft von Tim Kobe, dem Gründer des Design- und Innovationsstudios Eight Inc., und begann, in dessen Firma zu arbeiten. Wenige Jahre später lernte der Dudenhofener Apple-Chef Steve Jobs kennen. „Es ging darum, ob wir den farbigen Imac zu Messen präsentieren“, erinnert sich Oehl. „Die Präsentation lief gut. Kurz darauf kam der Anruf, dass wir den Job haben. Danach haben wir fast jeden Produktlaunch für Apple gemacht.“ Unter anderem hat Eight Inc. die ersten eigenen Apple-Stores designt und alle Apple-Produktpräsentationen im Einzelhandel auf der ganzen Welt designt.
Steve Jobs hat Wilhelm Oehl, der schließlich Partner bei Eight Inc. wurde, bis zu dessen Tod 2011 noch oft getroffen. Der Visionär hat bei ihm großen Eindruck hinterlassen. „Steve Jobs war ein Perfektionist und hat sich auch um Dinge Gedanken gemacht, um die sich der Chef einer weltweit erfolgreichen Firma normalerweise nicht kümmert – bis hin zu Details einer Tischkante“, erinnert sich Oehl. Auch heute noch ist die Firma, in der Oehl Partner ist, für Apple tätig – auch wenn es ein kleinerer Kunde geworden sei, wie er erzählt. Dafür sind viele andere Kunden hinzugekommen. „Apple hat viele Türen geöffnet“, sagt der 54-Jährige.
Klare Meinung zu Trump
Zu den politischen Entwicklungen in den USA – ein weiteres großes Thema in diesem Jahr – hat Oehl eine klare Meinung: „Ich bin sehr froh, dass Trump abgewählt worden ist“, sagt er. „Aber es ist erschreckend, dass das halbe Land für ihn gestimmt hat.“ Trotzdem sei Kalifornien und San Francisco, wo die meisten die Demokraten gewählt hätten, ein toller Ort zu leben. Gleichzeitig vermisst Wilhelm Oehl aber auch nach 27 Jahren in den USA die Pfalz und vor allem seine Familie, die zum großen Teil noch dort lebt und die er regelmäßig besucht.
Die Serie „Große Themen, kleine Welt“