Rhein-Pfalz Kreis
Wald und Landwirtschaft: Manche mögen’s trocken
Eindeutig von Nachteil ist der trockene Boden für ein Projekt von Förster Jürgen Render in Harthausen. „Ich wollte verschiedene Sträucher und einige Bäume wie Wildkirsche am Spielplatz bei der Heilsbruckhalle pflanzen. Doch der Boden dort ist hart wie Beton. Es ist nicht möglich, Löcher für die Pflanzung zu bohren“, sagt der Leiter des Forstreviers Modenbach. Er musste das Vorhaben vertagen.
Noch unklar ist für Render, wie die im Harthausener Wald auf drei Flächen von insgesamt 8000 Quadratmetern im Herbst gepflanzten Jungbäume die Regenarmut seit Mitte März verkraften. „Die Stieleichen und Edelkastanien fangen gerade an auszutreiben. In zwei, drei Wochen weiß ich, wie viele vital sind“, teilt der Revierleiter mit. Noch ist er zuversichtlich. Wie berichtet, ist der Förster wegen der Tendenz zu trockenen Frühjahren dazu übergegangen, solche „Kulturen“ auf leichten Böden im Herbst statt im Frühling anzulegen.
Kastanien für Enkel in Gefahr
Ob die Rechnung bei diesen Pflanzungen von zwei- und dreijährigen Eichen und Kastanien aufgeht, kann Render in „circa acht Jahren“ sagen. Dann werden die rund zehn Jahre alten Bäume drei bis fünf Meter hoch sein und ein geschlossenes Kronendach ausgebildet haben. Sollte es gut laufen. „Wenn bis dahin rund 80 Prozent der gepflanzten Bäume gediehen sind und es keine größeren Kahlstellen gibt, gilt der Bestand als gesichert“, informiert der Förster. Andernfalls wären die Esskastanien für die Enkel in 40, 50 Jahren in Gefahr.
Eicheln und Bucheckern sind im Gegensatz zu Kastanien vierbeinigen Waldbewohnern wie Eichhörnchen und Wildschweinen als Nahrung vorbehalten sind. In erster Linie dienen sie allerdings der natürlichen Waldverjüngung, die in diesem Frühling bei Eichen und Buchen auf Hochtouren lief, wie der Förster bemerkt hat. „Eine hohe Blühintensität kann aber ein Notsignal sein“, gibt er zu bedenken, dass es sich dabei auch um ein letztes Aufbäumen handeln könnte.
Zu Pass kam Render die Trockenheit der vergangenen Wochen in Freisbach auf drei Flächen am Modenbach mit zusammen circa 1,5 Hektar. „Dort war es nach dem Regen im Winter im März noch zu nass für eine Pflanzung. In dem Bachauenwald haben wir nun Ende April die Kultur angelegt – mit Stieleiche, Flatterulme, Feldahorn und Schwarznuss sowie Wildäpfeln und -kirschen am Rand“, teilt er mit. Nachdem dort das Eschentriebsterben, eine Pilzerkrankung, grassiert hatte, sei die „Notmaßnahme“ nötig geworden.
Gegen Trockenheit sind kleinere Bäume anfälliger als ältere, größere. „Ein großer Baum lässt auch mal vorzeitig grüne Blätter fallen, um Ressourcen zu sparen“, nennt Render eine Notmaßnahme. Das Bewässern im Wald sei auch bei „Kulturen“ aus technischen wie Kostengründen eine absolute Ausnahme. Wenn Tankwagen im Forst gesichtet werden, dann ist es die Feuerwehr, um einen Brand zu löschen. Ab heute gilt wieder die Waldbrandstufe drei (mittlere Gefahr).
Während Obstbäume und Reben tiefe Wurzeln haben und auch Feuchtigkeit aus unteren Bodenschichten nutzen können, müssen Flachwurzler wie Kartoffeln, Gemüse und Zuckerrüben bei ausbleibendem Regen bewässert werden, teilt Landwirt Walter Zwick vom Spitzenrheinhof im Speyerer Norden mit. Der Beregnungsverband Vorderpfalz versorgt Bauern zwischen Speyer und Frankenthal mit einer Fläche von circa 15.000 Hektar Ackerland mit dem kostbaren Nass aus dem Otterstadter Altrhein.
Teure Beregnung
Mehrere Hundert Euro (über den Verband) bis weit über 1000 Euro (bei eigenen Brunnen) können die Bewässerungskosten pro Hektar betragen, weiß Zwick. Auf der Webseite des Verbands werden Zwiebeln, Frühkartoffeln und Blumenkohl als besonders „durstig“ aufgeführt. Selbst bei durchschnittlichen Regenmengen müssten diese Kulturen pro Quadratmeter bis zur Ernte rund 150 Liter aus den Bewässerungsrohren bekommen. Je weniger es regnet, desto höher sind die Kosten für die Zugabe. Allerdings: „Bei Getreide und Raps rentieren die Kosten der Beregnung nicht, bei Mais nur in Grenzfällen“, informiert Zwick.
Dort, wo es trocken ist und hohe Temperaturen herrschen, wird „besonders nach milden Wintern Schädlingsbefall gefördert“, nennt der Landwirt eine gefürchtete Situation, die in der Region eingetreten sei. „Das merken wir in diesem Jahr besonders an Blattläusen, Erdflöhen, Rüssel- und Moosknopfkäfern, Drahtwürmern und Feldmäusen“, teilt er mit. Zwick wünscht sich ebenso wie Förster Render für die nächsten Monate leichte, aber lange andauernde Niederschläge, die sich auf zehn bis 20 Liter pro Woche belaufen dürfen. „Wenn es auf ausgetrockneten Boden stark regnet, nimmt er fast nichts auf“, weiß Zwick.