Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Wald-Kita: Mittagsschlaf in der Hängematte

Der Natur von klein auf ganz nah: Das ist ein Ziel hinter dem Konzept Wald-Kita.
Der Natur von klein auf ganz nah: Das ist ein Ziel hinter dem Konzept Wald-Kita.

Aufwachsen in der Natur – diese ein Vorteil einer Wald-Kita. Die Waldseer Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU) im Gespräch über das Projekt.

Frau Klein, vor ziemlich genau einem Jahr haben Sie erstmals das Konzept einer Wald-Kita vorgestellt, seitdem geht alles Schlag auf Schlag. Wann geht die neue Kita denn nun an den Start? Alles im Plan?
Fast. Bei der Lieferung der Kita-Wagen, die im Wald aufgestellt werden sollen, gibt es eine Verzögerung, weil der Prüfstatiker, den die Gemeinde beauftragt hat, noch ein paar Änderungswünsche hatte. Die Wagen kommen dann erst Ende Juli und müssen noch angeschlossen werden. Aber wir haben einen Plan B, bis die Wagen bezogen werden können, der gerade noch mit dem Jugendamt abgestimmt wird. Geplant ist, die ersten Kinder Ende August aufzunehmen.

Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, eine kommunale Wald-Kita zu betreiben?
Das hat zwei Gründe. Zum einen ist das für mich ein sehr überzeugendes Konzept, auch aus Naturschutzgründen, und es ist gut, wenn man die Kinder schon früh sensibilisieren kann. Zum anderen konnten wir so verhältnismäßig schnell Betreuungsplätze schaffen, um unser Defizit in dem Bereich zu füllen. Mit den 30 neuen Plätzen sieht es im Moment so aus, als ob wir im nächsten Jahr allen Eltern, die einen Betreuungsplatz ab zwei Jahren benötigen, auch einen anbieten können.

Wie setzt man eine solche Idee um?
Der allererste Schritt war ein Kurzkonzept, das ich geschrieben und in den Gremien der Ortsgemeinde Waldsee vorgestellt habe. Was wir dann gut gemacht haben, ist zu versuchen, so früh wie möglich alle Behörden einzuschalten. Zunächst mussten wir klären, ob der Forst den Standort für geeignet hält, denn sonst bräuchte man die Idee da gar nicht weiterverfolgen. Dann haben wir mit der unteren Naturschutzbehörde und der unteren Wasserschutzbehörde die Zuständigkeiten geklärt und mit einem Umweltgutachten nachgewiesen, dass der Standort verträglich ist und natürlich dem Kreis- und Landesjugendamt unser Konzept vorgestellt. Wir haben frühzeitig auch Begehungen vor Ort durchgeführt.

Wenn alle zustimmen, darf man dann einfach Kita-Wagen an den Wunschstandort stellen?
So einfach ist das nicht. Wir hatten zwar gehofft, dass es im Außenbereich der Ortschaft eine andere Genehmigungsmöglichkeit gibt, aber die Baugenehmigungsbehörde hat relativ schnell klargestellt, dass wir einen Bebauungsplan brauchen. Das haben wir dann auch in die Wege geleitet.

Was hätten Sie sich einfacher vorgestellt?
Insgesamt die Genehmigungsprozesse. Eine Wald-Kita, die von einer Kommune betrieben wird, gibt es im Rhein-Pfalz-Kreis noch nicht, und daher gibt es dafür auch noch keine vorgeschriebenen Prozesse. Hilfreich war da, dass wir eine ständig aktualisierte Präsentation hatten, so dass wir immer alle informieren konnten. Insgesamt muss sehr viel parallel laufen. Man kann sich nicht erst den Standort genehmigen lassen, dann die Wagen bestellen und dann das Jugendamt informieren. Das sind vier bis fünf Prozessstränge, die parallel laufen müssen. Das macht es komplex. Ohne Bedarfsermittlung bei den Eltern wird es schwierig, das Jugendamt zu überzeugen. Ohne Personal gibt’s keine Betriebserlaubnis – und so weiter. Alles hängt miteinander zusammen.

Was raten sie anderen Gemeinden, die Ihrem Beispiel folgen möchten?
Auf jeden Fall von Anfang an alle einzubinden und sich eng abzustimmen. Außerdem den Standort ganz genau zu prüfen und Alternativstandorte in der Hinterhand zu haben. In Waldsee war die Stelle zwischen Rheinauenhallen und Tennisplätzen tatsächlich der einzige Ort, an dem wir das Projekt im Wald umsetzen können.

Die neue Wald-Kita hat zwar kein eigenes Gebäude, dafür aber Bauwagen. Worauf haben Sie bei der Auswahl Wert gelegt?
Uns haben die Wagen, die im hinteren Teil noch eine Hochebene haben, gut gefallen. Wenn es wirklich einmal ganz schlechtes Wetter hat oder im Winter sehr kalt ist, haben die Kinder im Wagen noch genug Platz, und es besteht auch einmal die Möglichkeit, die Gruppe im Wagen aufzuteilen. In der Mittagszeit können die Wagen zum Essen und Schlafen genutzt werden, falls das Wetter das im Freien nicht zulässt. Wir haben insgesamt zwei Gruppenwagen und einen Wagen für den Hausanschluss. Dort ist auch Platz für Teambesprechungen, Büroarbeit oder wenn die Größeren einmal in Ruhe ein Vorschulprogramm machen möchten. Außerdem haben die Wagen eine Toilette und Wickeltische.

Das ist aber schon eine Luxus-Wald-Kita, oder?
Ja, das ist ein Kompromiss, weil wir schon Kinder ab zwei Jahren aufnehmen.

Wie ist der Stand der Anmeldungen?
Wir sind voll und haben schon Anmeldungen fürs nächste Kita-Jahr. Da uns dann aber – Stand heute – nur vier Vorschulkinder verlassen, können wir nächstes Jahr nicht viele Plätze bieten. Es sind viele Zwei- bis Dreijährige dabei. Deswegen können wir auch nur 30 Betreuungsplätze anbieten.

Erzieher sind im Moment schwer zu finden. Haben Sie schon Personal?
Wir haben 5,75 Stellen zu besetzen. Vier sind schon besetzt, der Grundstamm steht also. Für die anderen 1,75 Stellen laufen die Bewerbungsgespräche. Inzwischen gab es schon den ersten Elternabend, bei dem sich die Erzieherinnen vorgestellt haben.

Wie wird der Alltag in der Wald-Kita aussehen?
Die Kinder werden morgens am Waldspielplatz in Empfang genommen. Dafür wird es Zeitfenster geben. Für die Größeren beginnt direkt der Aufenthalt im Wald, die Kleineren gehen erst zu den Wagen. Mittagessen gibt es an den Wagen. Dort können die Kinder auch schlafen – bei schönem Wetter draußen auf Decken oder in Hängematten. Abgeholt werden können sie dann entweder nach der Mittagspause oder zum Ende der Betreuungszeit um 15.30 Uhr am Waldspielplatz. Die Details werden vom zukünftigen Team noch in der Konzeption ausgearbeitet. Sollte es einmal stürmen, wird der Wald nicht betreten. Dann hat die Kita ein Ausweichquartier in der Rheinauenhalle.

Interview: Christine Kraus

Claudia Klein (CDU).
Claudia Klein (CDU).
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