Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Wahlsieger Volker Knörr im Interview: „Ich muss Christian Lindner noch Danke sagen“

CDU-Parteikollegen: Bald-Landrat Volker Knörr mit Noch-Landrat Clemens Körner.
CDU-Parteikollegen: Bald-Landrat Volker Knörr mit Noch-Landrat Clemens Körner.

Volker Knörr wird im November Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises. Warum der Kreis kein Silicon Valley ist und was er in Zukunft anders machen möchte, erzählt er der RHEINPFALZ.

Herr Knörr, herzlichen Glückwunsch zur gewonnenen Landratswahl. Wie war die Feier nach dem Wahlsieg?
Es war ein schönes Gefühl am Sonntag im Kreishaus. Das Gefühl, dass die Anspannung von den Schultern fällt und der Wahlkampf vorbei ist. Es war wirklich kein Leben mehr, es war nur noch durchgetaktet, von einem Termin zum nächsten. Was noch viel schöner war, war die Party beim FCK-Fanclub in Waldsee. Ich habe vorher gesagt, entweder wird es eine Wahlparty oder eine Trübsalparty. Als ich dorthin kam, ist das Haus aus allen Nähten geplatzt. Es war gigantisch, was dort los war. Ich habe das Gelände um 2 Uhr als Letzter verlassen.

Haben Sie schon realisiert, dass Sie ab 19. November Landrat sind?
Ich habe es tatsächlich schon realisiert. Vor allem auch, weil am Montag gleich die ersten Anfragen kamen, wer denn mein Nachfolger als Erster Kreisbeigeordneter wird.

Patrick Poss, das ist doch schon erledigt, oder?
Oh, da wissen Sie mehr als ich. (lacht) Im Ernst: Ich finde es krass, dass es gleich am ersten Tag nach der Wahl um solche Nachfolge-Fragen geht. Ich wurde auch darauf angesprochen, ob Bianca Staßen ihren Job als Kreisbeigeordnete behalten darf. Die Menschen verstehen gar nicht, dass der Kreisbeigeordnete vom Kreistag gewählt wird und Bianca Staßen ihr Amt behält. Was ich bestimmen kann, ist der Geschäftsbereich. Aber darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Da haben wir auch noch ein bisschen Zeit.

Im Wahlkampf im Gespräch mit Bürgern: Volker Knörr.
Im Wahlkampf im Gespräch mit Bürgern: Volker Knörr.

Hand aufs Herz: Was hört sich besser an: Schulleiter oder Landrat?
Ach, wissen Sie: Titel sind mir wurscht. Es geht immer darum, wie man mit dem Amt umgeht. Ich bin mit Leidenschaft Schulleiter und hier im sozialen Brennpunkt tätig, mit all den Problemen und dem finanzschwachen Schulträger, den wir hier haben. Aber ich freue mich auch auf neue Aufgaben. Als Landrat kann ich noch an mehr Stellschrauben drehen. Ich war am Mittwoch mit meiner Frau im Turnerheim in Waldsee essen. Als ich reingegangen bin, ging ein Raunen durch den Raum: „Oh der neue Landrat“. Ich bin dann hin, habe die Leute begrüßt und gesagt: „Hört zu, heute bin ich der Volker, ich bin jetzt hier essen, und ihr könnt ganz normal weiterreden wie bisher auch.“

Heißt, Sie sind noch in der Genussphase?
Genussphase, aber schon auch Ausrichtungsphase. Clemens Körner schont mich nicht, er leitet schon die ersten Übergaben ein. Wir haben noch siebeneinhalb Monate bis zur Amtsübergabe.

Sind die siebeneinhalb Monate Fluch oder Segen?
Ich muss ehrlich sagen: Ich wollte Christian Lindner noch ein Dankesschreiben schicken, dass er die Ampel-Koalition aufgekündigt hat. Es wäre blöd gewesen, wenn die Landratswahl mit der Bundestagswahl erst am 28. September und eine Stichwahl dann zwei Wochen später am 12. Oktober gewesen wäre. Ich hätte nur einen Monat Zeit für eine Übergabe gehabt, davon wären zwei Wochen Herbstferien. Mir geht es zum momentanen Zeitpunkt vor allem um meine Schule. Ich hätte meinem Konrektor in zwei Wochen alles zeigen müssen. Daher genieße ich es, dass wir jetzt tatsächlich siebeneinhalb Monate Zeit haben. Clemens Körner spricht jetzt zwar davon, dass er jetzt schon eine Lame Duck sei. Aber ich sehe das nicht so. Er ist Landrat bis zum 18. November. Und bis dahin werde ich ihm nicht reinreden. Wir werden die Amtsübergabe gemeinsam planen. Es ist gut, dass wir dafür mehr Zeit haben.

Wie möchten Sie das Amt des Landrats ausfüllen?
Genau wie mein Wahlspruch ist: mit Leib und Seele. Ich möchte versuchen, Dinge, die schon relativ konkret sind, umzusetzen. Da wäre das Kreishaus, wobei das Thema schon in die richtige Richtung geht. Der Ministerialratsbeschluss, der den Umzug nach Schifferstadt vorsieht, geht bald in die erste Beratungsrunde. Ich glaube, dass Landrat Clemens Körner den Umzug auf dem Papier noch in seiner Amtszeit finalisieren kann. Es gibt Dinge wie die Bürgerfreundlichkeit, die der Landrat schon angestoßen hat. Mir ist wichtig, dass wir ein System mit konkreten Ansprechpartnern haben. In Schifferstadt hat der Landrat die Führerscheinstelle und die Kfz-Zulassung verortet. Ich würde dort gerne ein Kreisbürgerbüro einrichten, wo der Bürger auch einen Waffenschein beantragen kann oder sogar einfache private Bauanträge behandelt werden.

Mit seiner Frau Sandra: Volker Knörr.
Mit seiner Frau Sandra: Volker Knörr.

Es ist unumstritten, dass das neue Kreishaus in Schifferstadt stehen soll. Wollen Sie die Mietmodalitäten und den Preis noch einmal überdenken?
Es gab noch keine Verhandlungen über den Mietpreis. Klar, das wird alles noch einmal überdacht. Ich finde, dass die Lage am Bahnhof in Schifferstadt, einem Drehkreuz, ideal ist und zu den Spitzenlagen im Kreis gehört. Wir werden dadurch nicht nur für Bürger erreichbarer, sondern wir erschließen uns ganz neue Arbeitnehmerschichten. Menschen, die mit dem Zug aus Worms, Germersheim, Heidelberg oder Kaiserslautern kommen. Ich denke, dass sich das auch auf den Preis auswirkt. Wenn der Beschluss aus Mainz für den Umzug rechtskräftig ist, gehen wir mit dem Vermieter, wer auch immer das sein wird, in Verhandlungen.

Mit dem Standort Schifferstadt steht und fällt auch die Personalfrage. Sie wollen die Kreisverwaltung als Arbeitgeber attraktiver machen. Von welchem Zeithorizont sprechen wir? Die Kreisverwaltung wird nicht morgen nach Schifferstadt ziehen. Wie wollen Sie in der Zwischenzeit Mitarbeiter gewinnen?
Das wird schwierig. Dass wir kaum Mitarbeiter finden, liegt nicht nur an der allgemeinen Situation vieler Arbeitgeber, sondern auch daran, dass wir hier in Ludwigshafen neben der Hochstraße, zwischen Baustellen, einen bescheidenen Standort haben und es immer schwieriger wird, uns zu erreichen. Wenn alles Formale geklärt ist, wird es drei Jahre dauern, bis in Schifferstadt alles fertig ist. In diesen drei Jahren möchte ich versuchen, mit Außenstellen die Situation zu verbessern. Dafür finden wir Mitarbeiter aus dem eigenen Haus und vielleicht auch Leute von außen. Das Kreishaus in Ludwigshafen wäre dann das reine Verwaltungsgebäude, und die Außenstellen in Nord und Süd wären Bürgerbüros.

Teilen Sie die Meinung, dass bei der Kommunikation zwischen Kreis und den Kreisgemeinden noch Luft nach oben ist?
Es gibt die Bürgermeisterdienstbesprechungen, bei denen alle Bürgermeister zusammenkommen und Themen besprochen werden. Ich glaube aber, dass es sinnvoller wäre, noch regelmäßige Besprechungen mit den Büroleitern der Kreisgemeinden einzuführen. Denn die Büroleiter sind näher an den Verwaltungsabläufen und die Fachleute. Bürgermeister und Landräte sind ja nicht unbedingt gelernte Verwaltungsbeamte. Wir müssen aber auch ehrlich sein, dass manchmal manche Informationen in den Gemeinden versanden. Ob und wie wir das optimieren können, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Stimmt es, dass es beim Kreis und bei den Kommunen jeweils eine eigene Akte zur gleichen Angelegenheit gibt?
Ich kann mir das nur bei Bauanträgen vorstellen. Eigentlich legt die Kommune die Akte an und gibt sie an die Kreisverwaltung weiter. Künftig soll es die E-Akte geben. Ich bin ein Fan davon, aber die Digitalisierung ist nicht so einfach. Zuletzt wurde das bei der Kfz-Zulassung deutlich. Unser System war zu sicher, sodass es zu Kommunikationsproblemen zwischen unseren Servern und denen des Bundes kam. Deswegen war teilweise die Online-Zulassung nicht möglich. Da stimmt die Abstimmung zwischen Bund, Land und Kommune noch nicht.

Eine Frage noch aus dem Norden des Kreises …
Ich mag den Norden! Ich weiß, der Norden fühlt sich oft etwas abgehängt, und die Menschen sind dort ein bisschen kritischer. Das habe ich auch bei der Fasnacht gemerkt. Ich kann es aber nicht immer ganz nachvollziehen. Im Wahlkampf und auch davor habe ich Wert daraufgelegt, dass ich da oben präsent bin. Das möchte ich auch gerne so weitermachen. Ich habe beispielsweise geschaut, dass ich bei den Landwirten bei einer Versammlung dabei bin und mir die Sorgen und Nöte der Menschen vor Ort angehört habe und anhöre. Ich sehe mich da eher als Vermittler zu den zuständigen Behörden. In Bobenheim-Roxheim war ich als Lehrer tätig und bin deshalb dort noch sehr gut vernetzt.

Bei der geografischen Aufteilung des Landkreises kann so ein Gefühl des Abgehängtseins leicht entstehen. Wie kann man dem vorbeugen?
Ich sehe das als Teamarbeit. Wir sind ein Team aus vier Leuten, die den Kreis führen und auf viele Veranstaltungen gehen. Ich will darauf achten, dass sich diese Besuche gleichmäßig verteilen.

Apropos Teamarbeit: Würden Sie sich angesichts der großen Aufgaben jemanden an Ihrer Seite wünschen, der als Erster Kreisbeigeordneter hauptamtlich arbeitet? Andere Kreise in unmittelbarer Nähe mit vergleichbarer Größe leisten sich das auch.
Das ist nicht nur eine Kosten-, sondern auch eine Sinnfrage. Die von ehrenamtlichen Beigeordneten geführten Geschäftsbereiche laufen gut. Deswegen kann ich mir derzeit nicht vorstellen, dass wir über einen hauptamtlichen Beigeordneten sprechen, der dem Kreis womöglich mit 120.000 Euro pro Jahr zur Last fallen wird. Dafür sehe ich momentan den Bedarf nicht.

Spüren Sie nach dem Wahlsieg eine veränderte Erwartungshaltung an Ihre Person?
Auf jeden Fall. Ich habe bereits viele Glückwünsche per E-Mail bekommen, die auch direkt mit Anliegen verknüpft waren. Mir ist aber wichtig zu betonen, dass niemandem Vorteile alleine daraus entstehen, dass er oder sie mich persönlich kennt.

Hat sich gegen vier Kandidaten durchgesetzt: Volker Knörr (links) mit Joachim Paul, Bianca Staßen, Ralf Marohn und Maurice Kuhn.
Hat sich gegen vier Kandidaten durchgesetzt: Volker Knörr (links) mit Joachim Paul, Bianca Staßen, Ralf Marohn und Maurice Kuhn.

Der Landrat ist immer gerne gewandert. Wie stehen Sie dazu?
Ich wandere zwar sehr gerne, aber der Drops mit der Landratswanderung ist nach den letzten 16 Jahren für mich gelutscht. Trotzdem hätte ich aber auch gerne künftig derartige Verknüpfungspunkte mit den Menschen im Kreis. Im Wahlkampf ist die Idee in mir gereift, so etwas mit Firmenbesuchen zu verbinden. Ich habe gemerkt, dass das die Leute total interessiert. Und es gibt im Landkreis ganz viele Firmen, die es Wert wären, darüber mal etwas zu hören und zu sehen.

Sehen Sie den Kreis von der Firmenstruktur her gut aufgestellt?
Ich sehe den Kreis wirtschaftlich gut aufgestellt. Wir müssen keinen riesigen Global Player, außer die BASF, haben, der Landkreis ist mittelständisch. Wir brauchen auch kein Silicon Valley. Ich sehe uns immer noch als Gemüsegarten. Und dabei sollten wir es belassen. Wir haben auch gar nicht so viel Fläche, auf der wir noch wachsen könnten.

Was machen Sie am 19. November an Ihrem ersten Arbeitstag im Büro?
Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Da wir eine lange Übergangszeit haben, würde ich gerne schon vorher mit den einzelnen Abteilungen sprechen. Die ersten Tage werden schon den Mitarbeitern der Kreisverwaltung gehören. Wie das aussehen wird, plane ich in den nächsten Wochen und Monaten.

Zur Person

Volker Knörr (CDU) aus Waldsee hat am 16. März mit 57,6 Prozent die Landratsstichwahl gegen Bianca Staßen (SPD) gewonnen. Er tritt das Amt am 19. November 2025 an und wird damit Chef der Kreisverwaltung mit rund 700 Mitarbeitenden. Der 48-Jährige leitet aktuell noch die Adolf-Diesterweg-Realschule plus in Ludwigshafen-Oggersheim. Er ist seit vielen Jahren kommunalpolitisch aktiv, unter anderem seit fast acht Jahren als Kreisbeigeordneter.

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