Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Wünsche zum Jahreswechsel: Es kann nur besser werden

Lichter, Funken, Feuerwerk zum Jahreswechsel. Der Brauch kommt von den Germanen, die böse Dämonen, die in dieser Nacht wüten sol
Lichter, Funken, Feuerwerk zum Jahreswechsel. Der Brauch kommt von den Germanen, die böse Dämonen, die in dieser Nacht wüten sollten, durch den Lärm verjagen wollten.

2021 geht zu Ende. Ein Pandemie-Jahr, das zweite in Folge. Daran gewöhnen will sich niemand. Und so dominiert bei den Wünschen für das neue Jahr die Sehnsucht nach Normalität. Was bringt 2022? Ein Panorama aus allen Teilen der Gesellschaft.

„Ich wünsche den Menschen in unserer Region Dankbarkeit. Dankbarkeit für das, was wir haben, für Freunde, Familie und Gesundheit. Denn Dankbarkeit gibt dem Leben Gelassenheit, Humor und das Quäntchen Glück.“

Andreas Frank, Leiter der Polizeiwache Maxdorf

Eine Sekunde ist es. Jetzt ist noch 2021, dann ist es schon 2022. Und doch ist dieser kurze Augenblick auch immer ein Schnitt. Ein Jahreswechsel. Und dann soll alles besser werden? Von jetzt auf gleich? Besser? Oder einfach anders? Zu Silvester hoffen die meisten Menschen sicher auf bessere Zeiten. Das tun sie selbst dann, wenn die Zeiten schon gut sind. Bessere Zeiten gehen immer. Aber was tun, wenn die Zeiten mal nicht so gut sind, so wie im Moment? Oder gar schlecht?

„Ich wünsche mir für meine Mitmenschen mehr Optimismus und Lebensfreude“, sagt Harald Schneider. Der Krimi-Autor aus Schifferstadt, der Kommissar Palzki erfunden hat, vermeidet es, die Corona-Pandemie zu erwähnen, wenn er nach seinen Wünschen für das neue Jahr gefragt wird. Und doch klingt das Thema natürlich durch. Die Menschen sollen im Gespräch miteinander bleiben und andere Meinungen zulassen, findet Schneider. Nur: „Leider neigen aber einige Zeitgenossen dazu, fehlende Argumente durch Lautstärke oder Drohungen zu ersetzen.“ Sein Appell: „Lernen Sie, Fakten von Meinungen zu unterscheiden. Das ist leider nicht immer einfach.“ Es sind ernste Töne, die Schneider anschlägt, von Humor kaum eine Spur. Zu Palzki-Späßen ist er in dieser trüben Zeit nicht aufgelegt. Seine Wünsche für 2022 liegen ihm aber sehr am Herzen. „Das Leben verläuft nur selten wie eine geradlinige Schnur“, sagt er. Man solle sich nicht scheuen, Zukunftspläne zu überprüfen und anzupassen.

Samantha Borutta etwa weiß, wohin sie 2022 will. Für die U23-Europameisterin im Hammerwurf soll es weiter steil nach oben gehen. Schon im Herbst hat sie dafür die Weichen gestellt, nicht nur, weil ihr alter Wurfkäfig in Mutterstadt dem Erdboden gleichgemacht wurde. Nach einem Jahr bei Bayer 04 Leverkusen wechselt sie in die Hochburg des Hammerwurfs schlechthin – zu Eintracht Frankfurt. „Ich fahre mehrmals in der Woche zum Training nach Frankfurt“, sagt die 21-jährige Olympiateilnehmerin von Tokio, die von Mutterstadt aus, wo sie wohnen bleibt, auf gleich zwei Großereignisse schielt: auf die WM in Eugene/USA und die EM in München. „Ganz klar, mein Ziel ist, die 70 Meter zu festigen und noch öfter abzurufen“, sagt die deutsche Nummer 1, die bisher vier Mal in ihrer Karriere die 70-Meter-Marke übertraf und den weitesten Wurf bei 71,08 Metern landen ließ.

Ihr großer Wunsch: „Wieder ein möglichst normales Leben für alle. Hier nicht hin, dort nicht hin dürfen, das geht auf Kosten der mentalen Gesundheit. Ich merke schon, dass die Einschränkungen manchen Leuten auf die Psyche schlägt.“

Ein Lockdown als Wunsch?

Normalität. Ja, das ist es, wonach sich die Menschen offenbar sehnen. Das ist, was sie sich wünschen für das kommende Jahr. Und zwar ganz egal, wer sich zu Wort meldet. Denn klar, normal war in den vergangenen beiden Jahren nicht wirklich viel. „Wir sehnen uns danach, das Lachen unserer Schüler endlich wieder ohne Maske sehen zu können, ihnen umgekehrt wieder greifbarer gegenübertreten zu können, indem sie ungefiltert unsere Mimik und Ausstrahlung sehen“, sagen Christoph Martiny, Leiter der Maxdorfer Justus-von-Liebig-Realschule plus, und die zweite Konrektorin Ann-Christine Gradt. „Wir wünschen uns, dass wir unser altes, kunterbuntes, freies und lebendiges Schulleben zurückbekommen, das wir als Lehrer, aber das auch unsere Schüler so lieben.“ 2021 sei erneut verrückt gewesen, Corona hatte auch das Schulleben voll im Griff – belastend für Kinder und Jugendliche, für Eltern und Pädagogen. „Dies zu beobachten hat gerade uns als Lehrer sehr traurig und nachdenklich gemacht“, sagen die Verantwortlichen der JvL. Da helfen auch positive Entwicklungen und ein paar Lichtblicke wie die fortschreitende Digitalisierung nur bedingt. Vor allem, wenn Mittel und Freiräume fehlen, um all das Soziale und Menschliche, das in der Pandemie viel zu kurz kam, aufzufangen, bedauern beide.

Bei Christian Wallner, Leiter der Realschule plus in Dudenhofen, ist es kaum anders. Er wünscht sich für 2022 „einfach ein bisschen Normalität, damit Kinder Kinder sein dürfen und sich Lehrer mit Schülern beschäftigen dürfen und nicht mit Tests und Verordnungen“. Immer wieder ändern sich die Regeln. Kurz vor den Weihnachtsferien seien ein Zehntel der Schüler in Quarantäne gewesen – nicht unbedingt, weil sie positiv auf das Virus getestet worden seien, sondern weil sie als Kontaktperson eines Infizierten eingestuft waren. „Mal gilt der PCR-Test, mal der Schnelltest. Ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht“, gibt der Schulleiter zu. Mit Blick auf die kommenden Wochen und die neue Omikron-Variante befürchtet der 51-Jährige, „dass wir auf eine Katastrophe zusteuern“. Er versteht zwar die Vorgabe der Ministerin, dass die Schulen offenbleiben sollen, allerdings sieht es Wallner auch realistisch: „Wenn es zu viele Corona-Fälle gibt, macht das Gesundheitsamt die Schulen auf Dauer dicht.“ Für diesen Fall sieht er seine Realschule gut gerüstet, die Kinder können per Homeschooling unterrichtet werden. Dem Schulleiter wäre deshalb lieber, nun „ernst zu machen“ – also das öffentliche Leben wie in den Niederlanden runterzufahren –, um dann weitermachen zu können. „Sonst rennen wir nur hinterher“, sagt Wallner.

„Die Corona-Einschränkungen sind auch für die Feuerwehren sehr belastend“, sagt Stefan Zöller, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen. Die Führungskräfte hätten eine enorme Dokumentationspflicht, der theoretische Teil der Lehrgänge fände nur virtuell statt, Aktionstage der Feuerwehr seien nicht möglich. Zöller wünscht sich für 2022 „ein paar gesellige gemeinsame Momente, um die Arbeit der Feuerwehr auch der Bevölkerung präsentieren zu können“.

Sein Wehrleiter-Kollege Michael Jaspers aus der Verbandsgemeinde Rheinauen wünscht sich für das kommende Jahr, dass alle Kameraden immer gesund von den Einsätzen zurückkommen und dass „wir allen Menschen, die unsere Hilfe benötigen, auch rechtzeitig und wirksam helfen können“. Dass dies nicht selbstverständlich ist, haben der Wehrleiter und einige andere Kameraden aus dem Rhein-Pfalz-Kreis im Sommer mitbekommen, als sie eine Woche nach der Flutkatastrophe im Ahrtal im Einsatz waren und das Ausmaß der Zerstörung erlebt haben. „Man hat gesehen, was passieren kann, wenn ein Bundesland nicht auf eine solche Katastrophe vorbereitet ist“, sagt Jaspers.

Ein Virus als Dämon unserer Zeit

Lichter, Funken, Feuerwerk zum Jahreswechsel. Ursprünglich kommt der Brauch von den Germanen, die böse Dämonen, die in dieser Nacht wüten sollten, durch den Lärm verjagen wollten. So sollten die Menschen sorglos und glücklich ins neue Jahr starten können. Zu diesem Silvester bleibt der Himmel erneut in weiten Teilen schwarz, die Nacht still. So einfach lässt sich der böse Dämon dieser Zeit, der ein kleines Virus ist, wahrlich nicht vertreiben.

Zwei junge Frauen, die auf dem Kunstrad zwei Mal den Weltmeisterinnentitel zum RCV Böhl-Iggelheim holten, haben kurz vor der Coronavirus-Pandemie ihre Karriere beendet: Lena und Lisa Bringsken. „Natürlich waren wir froh, nicht mehr mit der Ungewissheit trainieren zu müssen“, sagt Lena Bringsken (26) heute. Aber auch aus ihrer Welt ist das Virus ja nicht weg. „Ich habe da eine klare Einstellung, nämlich nicht zu hoffen, dass es irgendwann vorbei ist, denn das kann nicht abgeschätzt werden, sondern es geht darum, stets das Beste aus der Situation zu machen“, sagt sie. Das hat sie im Sport gelernt. „Wenn uns der Fahrboden nicht passte, konnten wir das nicht ändern. Wir mussten sehen, wie wir mit den Umständen klar kommen. Die Bedingungen waren für alle gleich.“ Den gewünschten Urlaub über Silvester hakte sie ab. „Wir alle müssen jetzt mit der Pandemie klarkommen. Wenn man sich negative Gedanken macht, ist das Zeitverschwendung.“

Die Kunstradsportlerin spielt bei der SG Waldsee nun Handball. „Es ist wieder schön, in der Gemeinschaft Sport zu machen. Es gibt unter uns Sportlerinnen wenig Probleme mit der 2G plus-Regelung. Auch wenn im ersten Quartal 2022 ungewiss ist, wie es mit Omikron weitergeht, gibt es gegenüber den Regularien eine positive Einstellung. Es wird gemacht, was vorgeschrieben ist. Fertig“, sagt Lena Bringsken.

Opfer, die sich aus Scham nicht melden

Habsucht und Gier sind Themen, die Andreas Frank umtreiben. Er ist Leiter der Polizeiwache in Maxdorf. Ein Dauerbrenner unter den Delikten sind Telefonbetrügereien. „Es wäre schön, wenn sich das ändert“, sagt Frank – allein ihm fehlt ein wenig der Glaube daran. Denn die Tricks der Anrufer werden immer ausgeklügelter, die Maschen immer perfider. „Das Spektrum ist breit, es entwickelt sich weiter, da werden regelrechte Stücke am Telefon aufgeführt“, sagt Frank.

Es sind nicht mehr nur vermeintliche Enkel, die unbedarfte Senioren um Geld bitten oder Microsoft-Mitarbeiter, die sich Zugang zu Computern erschleichen wollen. Inzwischen geht es um Corona-Infektionen von Angehörigen, die nur durch sündhaft teure Medikamente aus dem Ausland geheilt werden könnten. „Ich glaube, dass wir gar nicht alles mitbekommen, was da passiert“, sagt Frank – etwa, weil sich Opfer aus Scham nicht melden. Deshalb sollen sich alle, die von Betrügern angerufen werden, an die Polizei wenden.

Keine Frage: In Zeiten, in denen eine Gesellschaft auseinanderzudriften scheint, in denen der Zusammenhalt bröckelt, haben es Menschen sicher leichter, die Schlechtes wollen.

Hoffnung in allen Sprachen dieser Welt

Wann isch mir ebbes winsche dürft, dann dess, dass än Daach widder vieräzwanzisch Stunn hott. Vieräzwanzisch änzelne wunnerbare Stunn. Mit Zeit zum Schaffe un mit Zeit fer Pause. Mit Stunne voll mit Lewe un mit minneschdens äner Stunn, die wu mir ganz allänt khert“, sagt die Schifferstadter Mundart-Autorin Ute Zimmermann. „Awwer noch wischdischer – sozesaache am allerallerallerwischdigschde – dess wär, dass sisch än Daach widder um Middernacht veabschiedt un sisch nur än Sekunnebruchdääl schbäder frisch un nei mit all seine Wunner bräsendiert. Un net so wie neierdings, wu vieräzwanzisch Stunn dursch die Gildischkäät vun emme Antigentescht bschdimmt werren un bei jedem änzelne annerschder afangen un uffheeren. Dess deet isch mir winsche. Fer mei Takt-Gfiehl. Un mein Lewensrhythmus. Auch so kann der Wunsch nach Normalität klingen. Egal, ob in tiefstem Pfälzisch, auf Hochdeutsch oder in jeder anderen Sprache dieser Erde: Es soll endlich Schluss sein mit dieser Pandemie.

Sieht auch Peter Christ so. „Corona, Corona – ich kann es nicht mehr hören“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag und Böhl-Iggelheimer Bürgermeister. „Und ich hoffe auch, dass wir in dieser erneuten Welle nicht an unsere Grenzen kommen, vor allem was die kritische Infrastruktur anbelangt.“ Was Christ beeindruckt, ist die Hilfsbereitschaft unter den Menschen. Nicht nur in der Pandemie – Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, etwa in den Testzentren. Das betreffe zum Beispiel auch Einsätze im Katastrophengebiet Ahrtal. „Da sind Leute hier aus dem Kreis gleich für viele Tage hochgefahren und haben angepackt. Corona war ja nicht alles, was die Menschen dieses Jahr verkraften mussten.“

Ein Jahreswechsel. Ein Schnitt. Ein neues Glück. 2022 soll ein gutes Jahr werden.

Andreas Frank
Andreas Frank
Harald Schneider
Harald Schneider
Peter Christ
Peter Christ
Ute Zimmermann
Ute Zimmermann
Samantha Borutta
Samantha Borutta
Michael Jaspers
Michael Jaspers
Christian Wallner
Christian Wallner
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