Rhein-Pfalz-Kreis
Wünsche zum Jahreswechsel: Es kann nur besser werden
„Ich wünsche den Menschen in unserer Region Dankbarkeit. Dankbarkeit für das, was wir haben, für Freunde, Familie und Gesundheit. Denn Dankbarkeit gibt dem Leben Gelassenheit, Humor und das Quäntchen Glück.“
Andreas Frank, Leiter der Polizeiwache Maxdorf
„Ich wünsche mir für meine Mitmenschen mehr Optimismus und Lebensfreude“, sagt Harald Schneider. Der Krimi-Autor aus Schifferstadt, der Kommissar Palzki erfunden hat, vermeidet es, die Corona-Pandemie zu erwähnen, wenn er nach seinen Wünschen für das neue Jahr gefragt wird. Und doch klingt das Thema natürlich durch. Die Menschen sollen im Gespräch miteinander bleiben und andere Meinungen zulassen, findet Schneider. Nur: „Leider neigen aber einige Zeitgenossen dazu, fehlende Argumente durch Lautstärke oder Drohungen zu ersetzen.“ Sein Appell: „Lernen Sie, Fakten von Meinungen zu unterscheiden. Das ist leider nicht immer einfach.“ Es sind ernste Töne, die Schneider anschlägt, von Humor kaum eine Spur. Zu Palzki-Späßen ist er in dieser trüben Zeit nicht aufgelegt. Seine Wünsche für 2022 liegen ihm aber sehr am Herzen. „Das Leben verläuft nur selten wie eine geradlinige Schnur“, sagt er. Man solle sich nicht scheuen, Zukunftspläne zu überprüfen und anzupassen.
Samantha Borutta etwa weiß, wohin sie 2022 will. Für die U23-Europameisterin im Hammerwurf soll es weiter steil nach oben gehen. Schon im Herbst hat sie dafür die Weichen gestellt, nicht nur, weil ihr alter Wurfkäfig in Mutterstadt dem Erdboden gleichgemacht wurde. Nach einem Jahr bei Bayer 04 Leverkusen wechselt sie in die Hochburg des Hammerwurfs schlechthin – zu Eintracht Frankfurt. „Ich fahre mehrmals in der Woche zum Training nach Frankfurt“, sagt die 21-jährige Olympiateilnehmerin von Tokio, die von Mutterstadt aus, wo sie wohnen bleibt, auf gleich zwei Großereignisse schielt: auf die WM in Eugene/USA und die EM in München. „Ganz klar, mein Ziel ist, die 70 Meter zu festigen und noch öfter abzurufen“, sagt die deutsche Nummer 1, die bisher vier Mal in ihrer Karriere die 70-Meter-Marke übertraf und den weitesten Wurf bei 71,08 Metern landen ließ.
Ihr großer Wunsch: „Wieder ein möglichst normales Leben für alle. Hier nicht hin, dort nicht hin dürfen, das geht auf Kosten der mentalen Gesundheit. Ich merke schon, dass die Einschränkungen manchen Leuten auf die Psyche schlägt.“
Ein Lockdown als Wunsch?
Bei Christian Wallner, Leiter der Realschule plus in Dudenhofen, ist es kaum anders. Er wünscht sich für 2022 „einfach ein bisschen Normalität, damit Kinder Kinder sein dürfen und sich Lehrer mit Schülern beschäftigen dürfen und nicht mit Tests und Verordnungen“. Immer wieder ändern sich die Regeln. Kurz vor den Weihnachtsferien seien ein Zehntel der Schüler in Quarantäne gewesen – nicht unbedingt, weil sie positiv auf das Virus getestet worden seien, sondern weil sie als Kontaktperson eines Infizierten eingestuft waren. „Mal gilt der PCR-Test, mal der Schnelltest. Ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht“, gibt der Schulleiter zu. Mit Blick auf die kommenden Wochen und die neue Omikron-Variante befürchtet der 51-Jährige, „dass wir auf eine Katastrophe zusteuern“. Er versteht zwar die Vorgabe der Ministerin, dass die Schulen offenbleiben sollen, allerdings sieht es Wallner auch realistisch: „Wenn es zu viele Corona-Fälle gibt, macht das Gesundheitsamt die Schulen auf Dauer dicht.“ Für diesen Fall sieht er seine Realschule gut gerüstet, die Kinder können per Homeschooling unterrichtet werden. Dem Schulleiter wäre deshalb lieber, nun „ernst zu machen“ – also das öffentliche Leben wie in den Niederlanden runterzufahren –, um dann weitermachen zu können. „Sonst rennen wir nur hinterher“, sagt Wallner.
„Die Corona-Einschränkungen sind auch für die Feuerwehren sehr belastend“, sagt Stefan Zöller, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen. Die Führungskräfte hätten eine enorme Dokumentationspflicht, der theoretische Teil der Lehrgänge fände nur virtuell statt, Aktionstage der Feuerwehr seien nicht möglich. Zöller wünscht sich für 2022 „ein paar gesellige gemeinsame Momente, um die Arbeit der Feuerwehr auch der Bevölkerung präsentieren zu können“.
Sein Wehrleiter-Kollege Michael Jaspers aus der Verbandsgemeinde Rheinauen wünscht sich für das kommende Jahr, dass alle Kameraden immer gesund von den Einsätzen zurückkommen und dass „wir allen Menschen, die unsere Hilfe benötigen, auch rechtzeitig und wirksam helfen können“. Dass dies nicht selbstverständlich ist, haben der Wehrleiter und einige andere Kameraden aus dem Rhein-Pfalz-Kreis im Sommer mitbekommen, als sie eine Woche nach der Flutkatastrophe im Ahrtal im Einsatz waren und das Ausmaß der Zerstörung erlebt haben. „Man hat gesehen, was passieren kann, wenn ein Bundesland nicht auf eine solche Katastrophe vorbereitet ist“, sagt Jaspers.
Ein Virus als Dämon unserer Zeit
Zwei junge Frauen, die auf dem Kunstrad zwei Mal den Weltmeisterinnentitel zum RCV Böhl-Iggelheim holten, haben kurz vor der Coronavirus-Pandemie ihre Karriere beendet: Lena und Lisa Bringsken. „Natürlich waren wir froh, nicht mehr mit der Ungewissheit trainieren zu müssen“, sagt Lena Bringsken (26) heute. Aber auch aus ihrer Welt ist das Virus ja nicht weg. „Ich habe da eine klare Einstellung, nämlich nicht zu hoffen, dass es irgendwann vorbei ist, denn das kann nicht abgeschätzt werden, sondern es geht darum, stets das Beste aus der Situation zu machen“, sagt sie. Das hat sie im Sport gelernt. „Wenn uns der Fahrboden nicht passte, konnten wir das nicht ändern. Wir mussten sehen, wie wir mit den Umständen klar kommen. Die Bedingungen waren für alle gleich.“ Den gewünschten Urlaub über Silvester hakte sie ab. „Wir alle müssen jetzt mit der Pandemie klarkommen. Wenn man sich negative Gedanken macht, ist das Zeitverschwendung.“
Die Kunstradsportlerin spielt bei der SG Waldsee nun Handball. „Es ist wieder schön, in der Gemeinschaft Sport zu machen. Es gibt unter uns Sportlerinnen wenig Probleme mit der 2G plus-Regelung. Auch wenn im ersten Quartal 2022 ungewiss ist, wie es mit Omikron weitergeht, gibt es gegenüber den Regularien eine positive Einstellung. Es wird gemacht, was vorgeschrieben ist. Fertig“, sagt Lena Bringsken.
Opfer, die sich aus Scham nicht melden
Es sind nicht mehr nur vermeintliche Enkel, die unbedarfte Senioren um Geld bitten oder Microsoft-Mitarbeiter, die sich Zugang zu Computern erschleichen wollen. Inzwischen geht es um Corona-Infektionen von Angehörigen, die nur durch sündhaft teure Medikamente aus dem Ausland geheilt werden könnten. „Ich glaube, dass wir gar nicht alles mitbekommen, was da passiert“, sagt Frank – etwa, weil sich Opfer aus Scham nicht melden. Deshalb sollen sich alle, die von Betrügern angerufen werden, an die Polizei wenden.
Keine Frage: In Zeiten, in denen eine Gesellschaft auseinanderzudriften scheint, in denen der Zusammenhalt bröckelt, haben es Menschen sicher leichter, die Schlechtes wollen.
Hoffnung in allen Sprachen dieser Welt
Sieht auch Peter Christ so. „Corona, Corona – ich kann es nicht mehr hören“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag und Böhl-Iggelheimer Bürgermeister. „Und ich hoffe auch, dass wir in dieser erneuten Welle nicht an unsere Grenzen kommen, vor allem was die kritische Infrastruktur anbelangt.“ Was Christ beeindruckt, ist die Hilfsbereitschaft unter den Menschen. Nicht nur in der Pandemie – Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, etwa in den Testzentren. Das betreffe zum Beispiel auch Einsätze im Katastrophengebiet Ahrtal. „Da sind Leute hier aus dem Kreis gleich für viele Tage hochgefahren und haben angepackt. Corona war ja nicht alles, was die Menschen dieses Jahr verkraften mussten.“
Ein Jahreswechsel. Ein Schnitt. Ein neues Glück. 2022 soll ein gutes Jahr werden.