Limburgerhof
Wächter Bestattungen wechselt den Inhaber: „Jetzt muss die Jugend ran“
Die Unternehmenshistorie der Familie Wächter geht bis ins 18. Jahrhundert zurück. In Limburgerhof beginnt sie mit dem Schreinermeister Ernst Wächter im Jahre 1951. In dieser Zeit war das Bestatterwesen noch fest in der Hand von Schreinern. Den Beruf „Bestatter“ gab es in diesem Sinne noch nicht. Im Lauf der Jahre machte sich Ernst Wächters Sohn Wolfgang als Sargbauer einen Namen, sodass der Bestatterzweig „Wächter Bestattungen GmbH“ gegründet wurde. Das war 1991. Gute zehn Jahre später gaben die Firmengründer Inge und Wolfgang Wächter das Unternehmen an ihre Tochter Dagmar und deren Mann Michael Scherer weiter. Selbst geschreinert wird schon lange nicht mehr – Särge kommen heute als Halbfertigware aus den Großbetrieben und werden dann nach den Wünschen der Kunden weiter bearbeitet.
Übergabe an den Sohn
Nun haben Dagmar und Michael Scherer selbst die Unternehmensleitung abgegeben: an Sohn Ferdinand (25) und dessen Lebensgefährtin Romina Bogner (22). Die Jugend soll jetzt ran, haben die „Alten“ beschlossen. „Wir haben seit zehn Jahren keinen längeren Erholungsurlaub mehr gemacht“, begründet es Michael Scherer (60). „Vielmehr sind wir rund um die Uhr für unsere Kunden abrufbar.“ Gestorben wird eben immer, ohne Rücksicht auf Feiertage oder Ferienzeiten. Dagmar Scherer ergänzt: „Mir fällt es zwar nicht leicht, loszulassen. Immerhin ist das der Betrieb meiner Eltern. Aber vieles hat sich in unserem Beruf verändert. Und inzwischen merke ich, wie mir die Flexibilität und die Lust fehlen, mich in neue Technologien einzuarbeiten.“ Beispielsweise wollten die Angehörigen heute kaum noch einen Organisten für die Trauerfeier, sondern die Musik frei wählen. „Die unterschiedlichen Quellen und Datenträger zu koordinieren, dass alles wunschgemäß läuft, bringt mich oft ganz schön ins Schwitzen.“
Für Romina Bogner und Ferdinand Scherer ist das das Selbstverständlichste der Welt: „Wir sind doch mit Youtube, Spotify und Bluetooth aufgewachsen!“ Die Übergabe der Geschäftsleitung verläuft dabei fließend, „wie es bei meinen Eltern damals auch war. Und wir werden bei Fragen immer für die beiden da sein“, versichert Dagmar Scherer. „Auch ungefragt“, fügt Michael Scherer schmunzelnd hinzu. Seitens der Kundschaft ist sicher ebenfalls mit Fragen zu rechnen: „Es gibt heute noch Kunden, die von meinen Eltern bedient werden wollen“, sagt Dagmar Scherer. „Wenn ich ihnen dann sage, dass sie Mitte 80 sind, fangen sie an zu rechnen.“
Nichtsdestotrotz sind auch „die Wächters“ noch immer da – zum Beispiel, wenn der Paketbote klingelt. „Dafür sind wir ihnen sehr dankbar, denn nicht immer kann einer von uns im Ausstellungsraum sein“, sagt Tochter Dagmar. Dass Bestattungsunternehmen meist Familienbetriebe sind, hat seine Gründe: Regionale Bestatter kennen die Mentalität und Gepflogenheiten vor Ort. Sie wissen auch um die Besonderheiten der örtlichen Friedhöfe. „In Böhl darf man keine Eichensärge verwenden, weil der Boden dort wenig tragfähig ist“, nennt Dagmar Scherer ein Beispiel. „So etwas könnte ein Bestatter aus Berlin gar nicht wissen.“
Nun übernimmt also die nächste Generation. Kennen gelernt haben sich Romina Bogner und Ferdinand Scherer auf der Berufsschule in Bad Kissingen. Aus den Klassenkameraden wurde ein Paar, und am Ende der Ausbildung stand eine Entscheidung: „Ich wollte zwar eigentlich in meine Heimatstadt Nürnberg zurück“, erzählt die Fränkin. „Nun stand ich vor der Wahl: Fernbeziehung – was für Bestatter so gut wie unmöglich ist – oder zusammenziehen. Ich habe mich für das ganze Paket entschieden“, sagt sie lächelnd. Leicht ist das nicht. „Man bringt Privates in die Arbeit, und die Arbeit ins Private“, sagt Michael Scherer aus Erfahrung.
Menschenkenntnis ist gefragt
„Besonders die Trauerpsychologie in der Ausbildung hat mich fasziniert“, berichtet Romina Bogner. „Es ist sehr berührend, wenn mir Angehörige im Gespräch ihr Herz ausschütten und mich dann in den Arm nehmen. Es gehört viel Empathie zu unserem Beruf, Einfühlungsvermögen für die unterschiedlichen Menschen und Situationen. Da wir oft die ersten Ansprechpartner sind, erhalten wir intime Einblicke in die Lebenssituationen der Verstorbenen und ihrer Hinterbliebenen.“ „Dabei hat jeder dasselbe Recht, in Würde begleitet zu werden“, bekräftigt Dagmar Scherer. Gute Umgangsformen, Menschenkenntnis und Selbstbeherrschung sind wichtige Kompetenzen. Sowie die Fähigkeit, unbedachte Worte richtig zu deuten und Übersprungshandlungen zu erkennen: „Trauernde Menschen stehen oft unter Schock und agieren unerwartet. Dann ist es unsere Aufgabe, ruhig und respektvoll zu bleiben“, sagt Dagmar Scherer. So hat ihr Sohn auch schon einen Angriff erlebt, „als ein Angehöriger meinte, wir wollten ihm seine Mama wegnehmen.“
Eine grundlegende Aufgabe hat Ferdinand Scherer zu Beginn seiner Zeit als Geschäftsführer zu erledigen: „Wir suchen Verstärkung. Gerne auch Quereinsteiger, zum Beispiel aus der Pflege. Sie kennen den Umgang mit Sterbenden und Angehörigen, sind körperlich belastbar, denn nicht selten müssen wir Verstorbene transportieren. Wenn sie einen Führerschein und PC-Kenntnisse besitzen, sind das ideale Kollegen für uns.“